Bolaños-Traumtor kommt zu spät – Bolivien siegt erstmals seit 1997

Veröffentlicht: 16. Juni 2015 in CONMEBOL, Copa América 2015
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Bolivien gelang zu Beginn des zweiten Spieltages eine faustdicke Überraschung. Der Weltranglisten-89. lag gegen Ecuador zur Pause mit 3:0 in Front und profitierte dabei gnadenlos von gegnerischen Nachlässigkeiten und der eigenen Effektivität. Ein schnelles Anschlusstor nach der Pause brachte die Spannung in einer sehr unterhaltsamen Partie zurück, die nach einem absoluten Traumtor von Bolaños in den letzten Minuten schier unerträglich wurde. Vor allem dank Torwart Quiñónez siegte „El Verde“ aber am Ende mit 3:2 und darf sich große Hoffnungen auf das Erreichen des Viertelfinales machen.

Der passt: Martin Smedberg-Dalence (ganz rechts) hat soeben das 2:0 für Bolivien erzielt

Ecuadors Trainer Gustavo Quinteros – ein gebürtiger Bolivianer – nahm im Vergleich zur 0:2-Niederlage im Eröffnungsspiel gegen Chile eine Änderung vor. Pedro Quiñónez erhielt den Vorzug vor Lastra. Auch sein Gegenüber Mauricio Soria beließ es bei einem Wechsel. Campos musste draußen bleiben, für durfte Lizio beginnen.

Bolivien hatte beim 0:0 gegen Mexiko überrascht und „El Verde“ machte nahtlos da weiter, wo man gegen die Mittelamerikaner aufgehört hatte. Bereits in der ersten Minute brachte Smedberg-Dalence einen Freistoß gefährlich auf das ecuadorianische Tor, sodass Domínguez sich strecken musste, um ein ganz frühes Gegentor zu verhindern. Dieses fiel kurz darauf trotzdem. Wieder war es ein Standard von Smedberg-Dalence, diesmal ein Eckstoß. Martínez verlor den aufgerückten Kapitän Raldes aus den Augen, der am Fünfer unbedrängt zum Ball hechten und diesen wuchtig einköpfen durfte (5.).

Geschockt suchte die „La Tri“ nach einer Antwort, kam aber nicht zu wirklich gefährlichen Torannäherungen. Stattdessen schenkte der erfahrene Ayoví am eigenen Strafraum den Ball gegen Marcelo Martins Moreno her, der für Smedberg-Dalence ablegte. Der gebürtige Schwede ließ sich nicht zweimal bitten und setzte einen wunderbaren Innenristschuss aus 23 Metern neben den rechten Pfosten – wieder war Domínguez chancenlos (18.).

Mit diesem Spielstand hatte kaum einer gerechnet, schon gar nicht die Ecuadorianer, die bemüht, aber wenig durchdacht anrannten. Zwar zeigten Noboa und Bolaños in der 21. Minute Übersicht, doch der folgende Versuch von Montero machte die mangelnde Qualität im Abschluss deutlich. Bolivien staffelte sich in der eigenen Hälfte und machte den anrennenden Blau-Gelben das Leben schwer. Nach einer guten halben Stunde lief der Motor der Quinteros-Truppe langsam etwas besser. Noboa schickte Valencia mit einem schnell ausgeführten Freistoß, doch Torwart Quiñónez war zur Stelle und rettete (29.). Drei Minuten später legte der aufgerückte Rechtsverteidiger Paredes zurück für Noboa, doch auch der Mittelfeldspieler brachte seinen Schuss nicht am starken Schlussmann vorbei (32.).

Ein Geschenk von Zenteno bot dann Ecuador die große Chance auf den Anschlusstreffer. Der Verteidiger hielt Valencia bei einer kurz ausgeführten Ecke ebenso klar wie überflüssig an der Schulter fest, Schiedsrichter Aguilar deutete auf den Punkt (36.). Der Gefoulte selbst traf zwar im ersten Versuch sicher ins rechte Eck, musste den Versuch aber wiederholen, da seine Teamkameraden zu früh in den Strafraum gelaufen waren. Im zweiten Anlauf zielte der England-Legionär diesmal ganz schwach nach halblinks, Quiñónez tauchte ab und parierte ohne große Probleme (38.). Dabei verletzte sich der Schlussmann, konnte nach kurzer Behandlungspause aber weitermachen.

Ecuador verzweifelte reihenweise an Boliviens Schlusmann Quiñónez, der hier Valencias Foulelfmeter pariert

Als wäre dies alles nicht schon schlimm genug für Ecuador verursachte Innenverteidiger Erazo dann auch noch auf der Gegenseite einen Elfmeter. Lizio war einem auftatzenden Ball in den Strafraum hinterher geeilt, Erazo wollte im Sprung klären, traf mit seinem Karatetritt aber nur das Gesicht des Bolivianers. Auch hier zögerte Aguilar keine Sekunde: Strafstoß (41.). Marcelo Moreno erteilte Valencia Anschauungsunterricht und vollstreckte ebenso kraftvoll wie platziert ins linke Eck. Domínguez hatte dies geahnt, war aber erneut ohne Abwehrchance (43.). Bolivien, das seit 18 Jahren keine Copa-Partie mehr gewonnen hatte, führte zu Kabinengang mit 3:0.

Quinteros wusch seinen Schützlingen in der Halbzeitpause allem Anschein nach den Kopf. Ibarra und Cazares kamen für Quiñónez und Martínez. Und es dauerte keine drei Minuten, bis der Anschluss gelang. Diesmal war es Bolivien in Person von Marcelo Moreno, dem der Ball versprang, das einen Abwehrfehler produzierte. Montero ging dann quasi durch zwei Verteidiger hindurch und legte quer für Valencia, der diesmal aus kurzer Distanz einschob (48.).

Danach kannte das Spiel nur noch eine Richtung. Ecuador drückte und drängte, die vielbeinige Abwehr der „El Verde“ schmiss sich aber in jede Flanke oder Schussversuch. 30 Meter vor dem eigenen Tor begann das Bollwerk der Bolivianer, dass die „El Tri“ nur seltenst knacken konnte. Valencia gelang es zwar, an Torwart Quiñónez vorbeizukommen, doch der Winkel wurde zu spitz und die folgende Flanke führte zu nichts (62.). Dann war wieder Boliviens Keeper gefordert als Ibarra nach exzellenten Bolaños-Zuspiel vor ihm auftauchte, doch einmal mehr hielt der 22-jährige stark (65.). Ein schlitzohriger Versuch von Cazares, der aus der eigenen Hälfte (!) versuchte, den Schlussmann zu überlisten, verfehlte sein Ziel nur knapp (73.).

Kaum ein Durchkommen: Boliviens Defensive ließ kaum Räume für Bolaños und Ecuador

Bolivien rettete den Zwei-Tore-Vorsprung in die Schlussphase, doch dann wurde es nochmal dramatisch. Ibarra zielte aus der Distanz zu ungenau, doch nur Sekunden später gelang Bolaños eines des schönsten Tore in der Geschichte der Copa América. Noboa bediente den Mittelfeldmann etwa 25 Meter vor dem Tor, der seinen Platz zu einem perfekten Abschluss nutzte. Der Ball ging über Quiñónez hinweg, nur um sich binnen Sekundenbruchteilen stark zu senken und perfekt unter der Latte einzuschlagen (81.). Ein Zaubertor hatte Ecuadors Hoffnungen neu entfacht.

Die Abwehrschlacht ging nun noch turbulenter und spannender als zuvor weiter. In der 85. Minute wäre es Noboa beinahe gelungen, den Schuss von Bolaños eins zu eins zu kopieren, doch dieses Mal stand die Latte im Weg (85.). Als der alles überragende Quiñónez dann auch noch einen weiteren Fernschuss von Cazares spektakulär um den Pfosten drehte (87.) war Boliviens erster Sieg bei der Copa seit 1987 gesichert. Trotz vierminütiger Nachspielzeit gelang Ecuador der Ausgleich nicht mehr.

Während Bolivien vor dem abschließenden Treffen mit Gastgeber Chile sich große Hoffnungen auf das erste Weiterkommen seit 18 Jahren (damals Zweiter) machen darf wird Ecuador gegen Mexiko nur ein Sieg helfen können.

Statistik:

Tore: 0:1 Raldes (5., Kopfball, Smedberg-Dalence), 0:2 Smedberg-Dalence (18., Rechtsschuss, Marcelo Moreno), 0:3 Marcelo Moreno (43., Foulelfmeter, Rechtsschuss, Erazo an Lizio), 1:3 E. Valencia (48., Rechtsschuss, Montero), 2:3 Bolaños (81., Rechtsschuss, Noboa)

Besonderes Vorkommnis: R. Quiñónez hält Foulelfmeter von E. Valencia (38., Zenteno an E. Valencia)

Aufstellung (Ecuador): A. Domínguez – Parades, Achilier, Erazo, Ayoví – P. Quiñónez, Noboa – F. Martínez, Bolaños, Montero – E. Valencia

Aufstellung (Bolivien): R. Quiñónez – Hurtado, Raldes, Zenteno, Morales – Chumacero, D. Bejarano – Pedriel, Lizio, Smedberg-Dalence – Marcelo Moreno

Wechsel (Ecuador): 46. Cazares für F. Martínez, 46. Ibarra für P. Quiñónez, 86. Angulo für Paredes

Wechsel (Bolivien): 57. Coimbra für Pedriel, 72. M. Bejarano für Lizio, 88. Miranda für Marcelo Moreno

Bank (Ecuador): Azcona (Tor), Dreer (Tor), Bagüí, Mina, Narváez, Pineida, J. González, Larrea, Lastra

Bank (Bolivien): Peñarrieta (Tor), H. Suárez (Tor), Eguino, E. Rodríguez, Campos, Gamarra, Veizaga, Escobar, Peña

Gelbe Karten: P. Quiñónez (38., Foul), Erazo (41., Foul) – Zenteno (36., Foul), Hurtado (45.+1, Foul), R. Quiñónez (61., Zeitspiel)

Schiedsrichter: Joel Aguilar (El Salvador) – Garnet Page (Jamaika), Ricardo Morgan (Jamaika) – Wilmar Roldán (Kolumbien) – Alexander Guzmán (Kolumbien)

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