Isla erlöst den Gastgeber

Veröffentlicht: 25. Juni 2015 in CONMEBOL, Copa América 2015
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Chile steht als erstes Team im Halbfinale der Copa América 2015. Der Gastgeber schlug Titelverteidiger Uruguay in einem Abnutzungskampf über 90 Minuten letztendlich verdient mit 1:0. Die „Urus“ beschränkten sich dabei zumeist auf eine robuste Defensive, Chancen waren demzufolge trotz eines klaren chilenischen Übergewichts Seltenheit. Erst Isla erlöste Vidal und Co. durch sein Tor in der 81. Minute. Für Diskussionen sorgten zudem die Feldverweise gegen Cavani und Fucile sowie intensive Rudelbildungen.

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In der hitzige Partien gab es zahlreiche Rudelbildungen. Hier bekommen sich die Spieler in der 88. Minute nach Gelb-Rot gegen Fucile in die Haare

Chile hatte sich letztlich souverän in Gruppe A durchgesetzt. Im Vergleich zum 5:0-Sieg über Bolivien nahm Trainer Jorge Sampaoli nur eine Änderung vor. Als Linksverteidiger bot er Mena anstelle des offensiveren Beausejour auf. Uruguay hatte sich in Gruppe C als einer der besten Dritten qualifiziert. Kapitän Godín kehrte nach Gelbsperre wieder zurück und verdrängte Coates. Dafür war Linksverteidiger Álvaro Pereira nun gesperrt und wurde von Fucile ersetzt. Außerdem durfte Cristian Rodríguez für Abel Hernández beginnen.

Den besseren Start ins erste Viertelfinale erwischte überraschend Uruguay. Erst musste Medel mit einer Grätsche gegen Cavani retten (2.), dann war Bravo bei einem weiten Einwurf unsicher, konnte dann aber doch noch den Abschluss von Rodríguez blocken (3.). Angefeuert von den gut 45 000 Zuschauern legte dann Chile die Zurückhaltung ab und setzte selbst auf Attacke. Vargas beförderte einen ersten Volleyschuss aber über das Tor (8.).

Derartig offen blieb das Spiel nicht. Vielmehr setzte Uruguay in der Folge wie erwartet eher auf Defensive und ließ den Gastgeber kommen. Zudem wurde die Gangart deutlich rauer und Schiedsrichter Ricci (Brasilien) hatte alle Hände voll zu tun. Für einen Abschluss sorgte dann Carlos Sánchez, sein Außenristschuss ging klar erkennbar vorbei (21.). Es folgte eine Vielzahl an Fouls und Tacklings. Cavani sah nach einer knappen halben Stunde Gelb, nachdem er den Schiedsrichterassistenten verbal anging (29.).

Chiles Überlegenheit führte zwar zu einigen Freistößen, daraus Kapital konnte die „La Roja“ aber nicht schlagen. In der 33. Minute fand dann Valdivia endlich Alexis Sánchez, doch Fucile störte den Stürmer im entscheidenden Moment. Abgesehen von einem Distanzhammer von Vidal, der genau auf Muslera kam (36.), war dies die einzige Torgelegenheit vor dem Halbzeitpfiff. 45 Minuten Abnutzungskampf – viel mehr hatten die lautstarken Zuschauer nicht zu sehen bekommen.

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Edinson Cavani sieht Gelb-Rot. Der PSG-Stürmer war selbst von seinen Teamkameraden nur schwer zu beruhigen

Vidal und Co. kamen schwungvoll aus der Pause und drückten, Uruguay verbarrikadierte sich teilweise mit allen Spielern tief in der eigenen Hälfte. Die erste Gelegenheit hatte aber Rolan, dem der Ball nach einem Freistoß per Zufall vor die Füße fiel. Doch der Abschluss des Stürmers landete genau in den Armen von Bravo (53.). Zuvor hatte Vidal aus der Distanz Muslera eine leichte Aufwärmübung zukommen lassen (48.).

In der 63. Minute ereignete sich dann eine Szene, die für längere Zeit für Diskussionsstoff sorgen wird. Chiles Jara berührte Cavani am Hinterteil, woraufhin ihm dieser mit der Hand ins Gesicht schlug. Jara ging theatralisch zu Boden, eine große Rudelbildung entstand. Cavani sah für seine Unbeherrschtheit Gelb-Rot, Jara für sein grob unsportliches Verhalten Gelb. Der Stürmer selbst wollte sich nicht beruhigen und musste von den eigenen Teamkameraden förmlich vom Feld geführt werden.

Der ohnehin schon überaus harten und hitzigen Partie brachte dies natürlich frischen Zündstoff. Chile fand keinen Weg durch das hellblaue Bollwerk, stattdessen fehlte bei einem Distanzschuss von Carlos Sánchez auf der Gegenseite nicht viel (77.). Alexis Sánchez wurde mehrmals geblockt, auch ein brandgefährlicher Eckstoß von Valdivia fand nicht den Weg ins Netz.

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Die entscheidende Szene: Mauricio Isla findet die Lücke in der Abwehr Uruguays und trifft zum 1:0

Neun Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wurde der Gastgeber dann erlöst. Mena flankte von links, Musleras Faustabwehr landete am Strafraumrand bei Valdivia. Der legte auf für Isla, dessen Flachschuss durch die uruguayischen Abwehrbeine den Weg ins rechte untere Eck fand (81.). Die Erleichterung war groß, beim folgenden Jubel wurde der Rechtsverteidiger von seinen Teamkollegen fast erdrückt.

Die Schlussphase blieb hitzig. Uruguay drängte zu zehnt auf den Ausgleich, kam aber nicht mehr in Schlagdistanz. Stattdessen mähte Fucile noch mal Sánchez mit einer Grätsche von hinten nieder – auch der Linksverteidiger sah Gelb-Rot (88.). Es folgte eine weitere, minutenlang andauernde Rudelbildung, in deren Verlauf Muslera und Giménez Glück hatten, nicht auch wegen grob unsportlichen Verhalten gegenüber dem Linienrichter vom Platz gestellt zu werden.

Fußball gespielt wurde dann dennoch – insgesamt gab es 7:15 Minuten Nachspielzeit. Vidal hätte diese fast für das 2:0 genutzt, scheiterte aber an einer starken Parade von Muslera (90.+7). Da die neun Urus nicht mehr gefährlich vor das Tor kamen war das 1:0 aber genug. Chile steht im Halbfinale, allerdings hinterließ das Verhalten der Spieler beider Teams mehr als nur einen faden Beigeschmack.

Chile trifft damit im Halbfinale auf den Sieger der Partie Bolivien gegen Peru. Anpfiff ist um 01.30 Uhr am Dienstagmorgen deutscher Zeit.

Statistik:

Tor: 1:0 Isla (81., Rechtsschuss, Valdivia)

Aufstellung (Chile): Bravo – Isla, Medel, Jara, Mena – Díaz, Aránguiz – Vidal, Valdivia – E. Vargas, A. Sánchez

Aufstellung (Uruguay): Muslera – Maxi Pereira, Giménez, Godín, Fucile – Á. González, Arévalo Ríos – C. Sánchez, C. Rodríguez – Rolan, Cavani

Wechsel (Chile): 71. Pinilla für E. Vargas, 71. Mati Fernández für Díaz, 85. D. Pizarro für Valdivia

Wechsel (Uruguay): 58. A. Hernández für Rolan, 85. J. Rodríguez für C. Rodríguez

Bank (Chile): Garcés (Tor), J. Herrera (Tor), Albornoz, Rojas, Beausejour, Fuenzalida, F. Gutiérrez, F. Silva, Henríquez

Bank (Uruguay): Muñoz (Tor), M. Silva (Tor), Coates, Corujo, G. Silva, De Arrascaeta, Lodeiro, G. Pereira, Stuani

Gelbe Karten: Valdivia (18., Foul), Isla (43., Foul), Jara (63., unsportliches Verhalten), Pinilla (84., Foul) – Cavani (29., Meckern), Fucile (40., Foul), Maxi Pereira (67., Foul)

Gelb-Rote Karten: – Cavani (63., Tätlichkeit), Fucile (88., wiederholtes Foulspiel)

Schiedsrichter: Sandro Ricci (Brasilien) – Emerson De Carvalho (Brasilien), Fabio Pereira (Brasilien) – Carlos Vera (Ecuador) – Byron Romero (Ecuador)

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Kommentare
  1. […] Brisanz bot die Neuauflage des Copa-Viertelfinales, das Chile in einem von Rudelbildungen und Platzverweisen gepräg…. Cavani und Jara, die in dieser Begegnung besonders unschön aneinander geraten waren, standen […]

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  2. […] wurde das Spiel giftig geführt (achtmal Gelb). Im letzten Aufeinandertreffen im Copa-América-Viertelfinale hatte Chile sich im eigenen Land knapp mi…, für einen Skandal hatte aber ein Griff ans Gesäß von Edinson Cavani durch Chiles Verteidiger […]

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