Erst Tevez beendet das Drama

Veröffentlicht: 27. Juni 2015 in CONMEBOL, Copa América 2015
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Argentinien steht nach einem packenden Spiel gegen Kolumbien zu Recht im Halbfinale der Copa América. In der ersten Halbzeit spielte die „Albiceleste“ den Gegner förmlich an die Wand, verzweifelte aber an Weltklasse-Paraden von Schlussmann Ospina. Nach der Pause sorgten die „Cafeteros“ zwar für eine etwas offenere Begegnung, durften sich aber wieder bei Ospina und Murillo bedanken, die sie ins Elfmeterschießen retteten. Dort ließen Messi und Co. zwei Matchbälle liegen ehe ausgerechnet Tevez der entscheidende Treffer gelang.

Haarscharf: Murillo rettet sein Team in der 88. Minute ins Elfmeterschießen

Argentinien hatte sich in Gruppe B unspektakulär, aber souverän durchgesetzt – bester Beweis dafür war das 1:0 über Jamaika. Otamendi startete wieder für Demichelis in der Innenverteidigung, außerdem wurde Siegtorschütze Higuaín durch Agüero ersetzt.

José Pékerman musste gegen seine Landsleute auf die Doppel-Sechs bestehend aus Carlos Sánchez (Gelbsperre) und Edwin Valencia (Knieverletzung) verzichten. Außerdem setzte er Armero und den formschwachen Kapitän Falcao auf die Bank. Zúñiga, Mejía, Ibarbo und Jackson Martínez kamen neu in die Mannschaft. Hierbei sollten Ibarbo und Cuadrado den einzigen Sechser Mejía auf den Halbpositionen unterstützen.

Nach fünf Minuten Warmlaufen gaben Messi und Co. die Richtung vor: Volle Kraft auf Ospina! Murillo rettete nach einer Di María-Hereingabe in höchster Not gegen Pastore (6.), die folgende Ecke köpfte Rojo über das Tor (7.). Kolumbien wollte auf Konter setzen, kam aber kaum aus der eigenen Hälfte. Zapata musste stattdessen alles geben, um einen Di María-Pass abzufangen, der ansonsten wohl zu einem Tor geführt hätte (11.).

Brachte Argentinien zu Verzweiflung: David Ospina, hier bei seiner Glanzparade gegen Messi

Die Gemüter auf dem Platz waren von Anfang an erhitzt, sodass Schiedsrichter García (Mexiko) zu Bedauern war. Bereits nach 20 Minuten wurden James Rodríguez und Agüero wegen Meckerns verwarnt. Der Argentinier hatte dazu aber durchaus Anlass, schließlich waren die kolumbianischen Grätschen gegen ihn und Messi binnen wenigen Sekunden durchaus elfmeterwürdig (20.). Bereits in der 16. Minute hatte Kolumbien und Murillo Glück gehabt, dass das Klammern des Innenverteidigers gegen Otamendi nicht mit einem Strafstoß geahndet wurde.

Kolumbien bekam keinen Fuß auf den Boden. Trainer Pékerman nahm nach nur 24 Minuten Teó Gutiérrez vom Feld und verstärkte mit Cardona das Mittelfeld. Wirklichen Erfolg brachte dies nicht. Stattdessen hatte Ospina seinen ersten großen Auftritt. Pastore marschierte über links und bediente dann Agüero. Den Abschluss des Juve-Stürmers parierte der Schlussmann mit den Füßen. Messi eilte zum Abstauben heran, doch Ospina war blitzschnell oben und lenkte den Kopfball des Superstars über den Querbalken (26.).

Alle Hände (oder Füße) voll zu tun hatte Kolumbiens Abwehr – hier Arias – gegen Messi und Co.

In den Minuten bis zur Pause wurde es ruppig. Zu den bereits verwarnten James, Agüero und Mejía gesellten sich auch noch Mascherano, Arias und Cuadrado. Fußball wurde aber auch noch gespielt – hauptsächlich von Argentinien. Biglia verfehlte nach Ablage von Agüero das Tor knapp (39.). Sekunden vor der Pause überraschte ein schneller Freistoß die kolumbianische Abwehr, doch wieder war Ospina zur Stelle und parierte gegen Pastore (44.). 11:0 Torschüsse bei Kabinengang sprachen eine deutliche Sprache.

Die Pékerman-Schützlinge kamen deutlich mutiger aus der Pause, Torgefahr ging zwar nicht von ihnen aus, aber immerhin gelang es, die Chancenflut der Argentinier zu stoppen. Dennoch musste Ospina Minute Kopf und Kragen riskieren, um gegen Di María zu retten (53.). Mehr gab es erst einmal nicht zu bestaunen, die Teams neutralisierten sich. In der 67. Minute durfte Kolumbien tatsächlich den ersten Torschuss verbuchen. Jackson Martínez kam an die erste Ecke der Gelben per Kopf heran, platzierte seinen Abschluss aber genau auf Romero.

Die Schlussphase wurde dann dramatisch. Ein Fernschuss des eingewechselten Banega landete auf der Latte (78.), ehe wieder Ospina seine Weltklasse unter Beweis stellte. Otamendi nahm eine Ecke Volley, doch irgendwie lenkte der Arsenal-Torwart den Ball noch an den Innenpfosten, sodass Zúñiga klären konnte (80.). Überstanden hatten die Kolumbianer es aber lange noch nicht. Banega schickte Tevez steil, Zapata brachte den Fuß dazwischen, woraufhin das Duo und Ospina miteinander kollidierten. Der Ball rollte weiter aufs Tor zu, Murillo grätschte gerade so herein und schaffte es dabei sogar, den ebenso herbei eilenden Lavezzi nicht zu treffen (88.).

Erster Matchball vergeben: Lucas Biglia schießt rechts vorbei

Da es bis zum Finale keine Verlängerung gibt – eine Neuerung, die dieses Jahr erstmals in Kraft trat – musste also das Elfmeterschießen entscheiden. Dort zeigten die ersten sechs Schützen James, Messi, Falcao, Garay, Cuadrado und Banega absolut keine Nerven und vollstreckten, Romero und Ospina waren machtlos. Dann war Muriel an der Reihe und ballerte über das Tor. Lavezzi traf mit Hilfe des Innenpfostens, Cardona zitterte Kolumbiens fünften Elfmeter unter Romero ins Netz, sodass Biglia die Chance hatte, alles zu entscheiden. Doch dem Lazio-Legionär versagten die Nerven und er schoss knapp rechts vorbei.

Es ging also in die Verlängerung – und wieder bot sich Argentinien die Chance zur Entscheidung. Zúñiga scheiterte mit einem halbhohen Versuch an Romero. Doch auch Rojo zeigte Nerven – Latte! Murillo kam als nächster, der bisher einzige Torschütze der Kolumbianer jagte seinen Elfmeter aber Richtung Stadiondach. Den dritten Matchball gab es nun für Tevez – just der Spieler, der 2011 im eigenen Land gegen Uruguay als einziger verschossen hatte. Doch diesmal blieb der Stürmer cool und schoss links ein.

Argentinien steht nach diesem Thriller verdient im Halbfinale und wartet auf den Sieger des letzten Viertelfinales zwischen Brasilien und Paraguay.

Statistik:

Tore: keine

Elfmeterschießen: 0:1 James Rodríguez, 1:1 Messi, 1:2 Falcao, 2:2 Garay, 2:3 Cuadrado, 3:3 Banega, 3:3 Muriel schießt über das Tor, 3:4 Lavezzi, 4:4 Cardona, 4:4 Biglia schießt rechts vorbei, 4:4 S. Romero hält gegen Zúñiga, 4:4 Rojo schießt an die Latte, 4:4 Murillo schießt über das Tor, 5:4 Tevez

Aufstellung (Argentinien): S. Romero – Zabaleta, Garay, Otamendi, Rojo – Biglia, Mascherano – Pastore – Messi, Agüero, Di María

Aufstellung (Kolumbien): Ospina – Zúñiga, Zapata, Je. Murillo, Arias – Mejía – Cuadrado, Ibarbo – James Rodríguez – Jackson Martínez, T. Gutiérrez

Wechsel (Argentinien): 73. Tevez für Aguero, 77. Banega für Pastore, 87. Lavezzi für Di María

Wechsel (Kolumbien): 24. Cardona für T. Gutiérrez, 74. Falcao für Jackson Martínez, 86. Muriel für Ibarbo

Bank (Argentinien): Guzmán (Tor), Marchesín (Tor), Casco, Demichelis, Roncaglia, Gago, Lamela, Pereyra, Higuaín

Bank (Kolumbien): Bonilla (Tor), C. Vargas (Tor), Andrade, Armero, Franco, Valdés

Gelbe Karten: Agüero (20., Meckern), Mascherano (34., Foul), Messi (90.+1, Rangelei) – James Rodríguez (12., Meckern), Mejía (21., Foul), Arias (37., Foul), Cuadrado (40., Foul), Falcao (86., Foul)

Schiedsrichter: Roberto García (Mexiko) – José Luis Camargo (Mexiko), Marvin Torrentera (Mexiko) – Raúl Orosco (Bolivien) – Juan Pablo Montaño (Bolivien)

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