Ausblick: Zwei neue Mitglieder für die OFC?

Veröffentlicht: 7. Juli 2015 in OFC
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Im internationalen Fußball werden die Teams der Oceania Football Confederation (OFC) meist nur belächelt. Wenig verwunderlich, schließlich besteht diese bis auf Neuseeland nur aus den Verbänden verschiedener kleiner Inselgruppen, die allein von der Bevölkerungszahl her kaum Möglichkeiten haben, ein wettbewerbsfähiges Team aufzubauen. Dennoch bemühen sich fast alle dortigen Länder um ein Nationalteam. Tuvalu und die Föderierten Staaten von Mikronesien sind zwei dieser Staaten, die eine FIFA-Anerkennung anstreben.

Gelebter Traum: Fijis Spieler bejubeln ein Tor gegen Honduras bei der U-20-WM

Obgleich die OFC der de facto kleinste Kontinentalverband ist (Südamerika hat weniger Verbände, aber mehr aktive Sportler) gab es in den vergangenen Jahren einige Achtungserfolge. Allen voran dabei natürlich die Lokalmacht Neuseeland. Die „All Whites“ qualifizierten sich 2010 für die Weltmeisterschaft und blieben dort ungeschlagen. Sowohl dem damaligen Weltmeister Italien (1:1), als auch dem späteren Viertelfinalisten Paraguay (0:0) und Debütanten Slowakei (1:1) trotzte man Punkteteilungen ab. Der Verein Auckland City sicherte sich bei der FIFA Klub-WM 2014 Platz Drei.

Aber nicht nur die „Kiwis“ konnten Erfolge verzeichnen. Im OFC Nations Cup 2012, der sowohl als Qualifikation für die WM, als auch als Kontinentalmeisterschaft fungierte, bezwang Neukaledonien den schier übermächtigen Gegner im Halbfinale mit 2:0. Nutznießer war aber am Ende Tahiti, das das Finale gewann und dadurch zum Confederations Cup im Folgejahr in Brasilien durfte. Dort gab es zwar drei Niederlagen und 24 Gegentore, doch es überwogen die positiven Errungenschaften. Jonathan Tehau gelang gegen Nigeria das erste Tor für Tahiti überhaupt bei einem FIFA-Turnier, die Herzen der Fans hatte der Außenseiter ohnehin gewonnen. Von den Duellen gegen den damals noch amtierenden Welt- und Europameister Spanien, Uruguay und Nigeria können die Helden noch lange erzählen.

Ebenso Fiji: Das über 300 Inseln umfassende Archipel profitierte bei der U-20-Weltmeisterschaft im Juni davon, dass Neuseeland als Gastgeber bereits qualifiziert war und so das Ozeanien-Ticket frei wurde. In der Gruppenphase unterlag man zwar zum Auftakt Deutschland klar mit 1:8, wiederum überwog aber die Freude über das erste Turniertor. Im zweiten Spiel gelang dann wohl eine der größten Überraschungen: Honduras wurde mit 3:0 (!) bezwungen. Zwar bedeutete eine Niederlage gegen Usbekistan (0:3) das Ende der Träume vom Achtelfinale, doch wieder einmal hatte sich gezeigt, dass Ozeaniens Teams durchaus für Überraschungen sorgen können.

Historischer Moment: Tahiti feiert das Tor von Jonathan Tehau gegen Nigeria beim Confederations Cup 2013

Elf volle Mitglieder (American Samoa, Cook Islands, Fiji, Neukaledonien, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Samoa, Salomon Islands, Tahiti, Tonga und Vanuatu) hat die OFC, hinzukommen drei sogenannte „associate members“, die keine FIFA-Mitglieder sind. Neben Niue und Kiribati ist dies auch Tuvalu. Bereits seit 1987 strebt das grade mal 10.000 Einwohner umfassende Land die Aufnahme in die FIFA an. Doch es hakt wie bei so vielen im Leben am Geld: Die Insel verfügt weder über ein Stadium, noch über Trainingsplätze oder Unterbringungsmöglichkeiten für Gästeteams und deren Fans. In den vergangenen Jahren gibt es insbesondere aus den Niederlanden Unterstützung, die den Traum Wirklichkeit werden lassen sollen. Dazu gehörten auch ein mehrwöchiges Trainingslager in den Niederlanden, sowie die Hilfe von Fachleuten.

Weder OFC-, noch FIFA-Mitglied sind die Föderierten Staaten von Mikronesien. 607 Inseln und circa 100.000 Menschen beheimatet dieser Staat. Fußballtechnisch war er aber lange ein weißer Fleck auf der Landkarte. 2006 wurde man zum eventuellen OFC-Kandidaten erhoben, seitdem hat sich aber fast nichts mehr getan. In Papua-Neuguinea finden zurzeit die Pacific Games statt, die auch als Qualifikation für Olympia fungieren. Mikronesiens U23 traf in der Vorrunde auf Tahiti, Vanuatu und Fiji – und geriet mächtig unter die Räder. 0:30, 0:38 und 0:46 lauteten die Ergebnisse, insgesamt also 114 (!) Gegentore.

Der australische Trainer Stan Foster führt dies auf die Unerfahrenheit der Profis zurück. Kein Wunder, viele haben die eigenen Insel nie verlassen, geschweige denn unter professionellen Bedingungen gespielt. Wie auch Tuvalu wünscht sich Mikronesien eine baldige Aufnahme in die FIFA. Dann würden auch Entwicklungsgelder fließen, die der Verband dringend benötigen würde. Die erstmalige Teilnahme der U23 bei den Pacific Games soll ein erster Schritt in Richtung Mitgliedschaft sein.

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