EM-Quali Donnerstag: Island und Wales mit anderthalb Füßen in Frankreich

Veröffentlicht: 4. September 2015 in EURO Qualifiers 2016, UEFA
Schlagwörter:,

Die Fußballmärchen von Island und Wales fanden auch am Donnerstag ihre Fortsetzung – beide Mannschaften stehen mit anderthalb Füßen in Frankreich. Neben Island, das die Niederlande in Amsterdam mit 1:0 bezwang, hofft auch die Tschechische Republik nach einem knappen 2:1-Sieg über Kasachstan auf die direkte Quali, während die Türkei gegen Lettland einen späten Rückschlag hinnehmen musste. In Gruppe B war Gareth Bale einmal Wales‘ Held, während Belgien gegen Bosnien mit 3:1 die Oberhand behielt. Norwegen feierte beim 1:0-Erfolg in Bulgarien drei eminent wichtige Punkte während Italien sich gegen Malta mühte (1:0) und Kroatien in Aserbaidschan nicht über ein 0:0 hinaus kam.

Gruppe A: Island und die Tschechische Republik triumphieren, Türkei und Niederlande zittern

Jubelpyramide: Island ist nach dem 1:0-Erfolg in Amsterdam nur noch einen Punkt von der ersten EM-Teilnahme entfernt

Alles andere als ein Sieg gegen Tabellenführer Island wäre für die Niederlande zu wenig gewesen. In der siebten Minute musste Oranje einen ersten Schock verkraften, hatte aber Glück, dass Jón Daði Böðvarsson eine Hereingabe von Jóhann Berg Guðmundsson aus kürzester Distanz nicht ins leere Tor drücken konnte. Nach etwa zwanzig Minuten kamen die Hausherren besser ins Spiel, Robben und Sneijder näherten sich dem Tor an. Doch dann mussten die Mannen von Trainer Blind zwei herbe Rückschläge einstecken. Kapitän Robben schied verletzt raus, keine Minute später schlug Verteidiger Martins Indi im Bodenduell Gegenspieler Kolbeinn Sigþórsson den Arm ins Genick und wurde für diese Tätlichkeit zu Recht von Schiedsrichter Mažić (Serbien) vom Platz gestellt. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff wurde die Lage noch kritischer. van der Wiel grätschte Birkir Bjarnason im Strafraum um, den fälligen Elfmeter nutzte Gylfi Þór Sigurðsson zum 0:1, auch wenn Torwart Cilessen noch eine Hand an den Schuss brachte. Reaktion der Niederlande, bei der Huntelaar für den Defensiven Bruma zuvor ausgewechselt wurde? Fehlanzeige. Stattdessen traf Jóhann Berg Guðmundsson den Pfosten, Cilessen musste bei Schüssen von Jóhann Berg und Gylfi Þór einen höheren Rückstand verhindern, zudem verzog Jóhann Berg einen Volleyschuss. Auch die verzweifelte Schlussoffensive brachte nichts mehr ein, Torwart Hannes Þór Halldórsson war bei den wenigen Distanzschüssen von Sneijder, Wijnaldum und Klaassen auf den Posten. Mit dem verdienten Sieg reicht Island am Sonntag zu Hause gegen Kasachstan bereits ein Punkt für die sichere Qualifikation. Die Niederlande dagegen müsste bei einem weiteren Punktverlust in der Türkei sogar um den Play-off-Platz zittern.

Durften am Ende über einen hart erfochtenen Dreier jubeln: Die tschechische Nationalelf

Vom Sieg der Isländer profitiert auch die Tschechische Republik. Doch in Plzeň mussten die Heimfans gegen Kasachstan lange bangen. Die Hausherren agierten gegen die defensiv soliden Zentralasiaten weitestgehend ideenlos und lagen dann auch noch zurück: Innenverteidiger Logvinenko, schon beim 2:4 im Hinspiel doppelter Torschütze, war nach einer kurz ausgeführten Ecke von Islamkhan per Kopf zu Stelle (21.). Von den Vrba-Schützlingen kam danach kaum etwas, lediglich Linksverteidiger Limberský ließ die Latte erzittern (38.). Auch in Halbzeit Zwei war guter Rat lange teuer, bis auf einen Kopfball von Kadeřábek gelang nur wenig gefährliches. In der 74. Minute fand dann eine der unzähligen Flanken von Dočkal den Kopf des zur Pause eingewechselten Škoda, der auf 1:1 stellte. Zwölf Minuten später vervollständigte der Mann von Slavia Praha im zweiten Länderspiel sein persönliches Märchen und köpfte diesmal eine Flanke des ebenfalls eingewechselten Šural in die Maschen (86.). Mit dem späten Sieg haben die Tschechen nun sechs Punkte Vorsprung auf die Niederlande, ein Erfolg gegen Lettland und die EURO ist ihnen wohl nicht mehr zu nehmen.

Lettlands Spieler bejubeln den späten Punktgewinn, für die Türkei wird es schwer

Mehr als Zittern müssen dagegen die Türken. Die Elf von Bosporus war zwar gegen Lettland klar tonangebend, musste sich aber immer wieder vor den gefährlichen Kontern der Balten in Acht nehmen, die durch Višņakovs und Cauņa fast in Führung gegangen wären. Auf der anderen Seite stand Vaņins den Rot-Weißen immer wieder im Weg, der Schlussmann brachte Volkan Şen, Burak Yılmaz und Gökhan Töre förmlich zur Verzweiflung. In der zweiten Halbzeit fanden die Südeuropäer kaum noch Lücken, sodass ein platzierter Fernschuss von Selçuk İnan schließlich die erlösende Führung brachte (77.). Doch in der Nachspielzeit schlugen bis dato harmlosen Balten durch Joker Šabala zu: Wie bereits im Hinspiel erzielte der Stürmer den Ausgleich, sein Flachschuss von der Strafraumgrenze nach Kopfballverlängerung von Višņakovs überwand Keeper Volkan Babacan (90.+1). Damit muss für die Türken am Sonntag gegen die Niederlande ein Sieg her, soll der Traum von Frankreich nicht endgültig vorüber sein.

Tabelle: 1. Island (18 Punkte/15:3 Tore), 2. Tschechische Republik (16/14:9), 3. Niederlande (10/13:7), 4. Türkei (9/8:9), 5. Lettland (4/3:14), 6. Kasachstan (1/5:16)

Gruppe B: Wales feiert dank Bale, Belgien dreht nach Rückstand auf

Von Beruf Held: Gareth Bale köpft den entscheidenden Treffer für Wales

Wales‘ Trainer Chris Coleman hatte noch vor Spielbeginn vor der schweren Auswärtsaufgabe auf Zypern gewarnt – und sollte Recht behalten. Zwar starteten die Drachen gut – Ramsey feuerte knapp drüber ehe Torwart Georgallides einen Bale-Freistoß und den Nachschuss von Taylor parierte – doch danach tat sich nichts mehr. Zweikampfbetont, aber fair war das Spiel, die einzige weitere brauchbare Gelegenheit vor dem Seitenwechsel verbuchte Makridis für Zypern. Daran änderte sich auch in der zweiten Hälfte nichts, erst Ramsey in der 79. Minute zwang Georgallides zu einer weiteren Parade. So war es wieder einmal Gareth Bale, der sein Land erlöste. Nach einer Flanke von Richards setzte der Superstar einen Torpedokopfball in die Maschen (82.). Torwart Hennessey rettete gegen Sotiriou den Sieg über die Zeit, der die Männer von der britischen Insel ganz nahe an das Ticket für Frankreich bringt. Ein Sieg fehlt noch, dann ist den Walisern die Quali nicht mehr zu nehmen. Die erste Gelegenheit gibt es am Sonntag gegen Israel.

Kevin De Bruyne hatte maßgeblichen Anteil am belgischen Sieg über Bosnien

Düster wird es dagegen für Bosnien. In Brüssel schockte das Team vom Balkan zwar den Gastgebern mit der frühen Führung – Džeko köpfte eine Mujdža-Flanke sehenswert ein (15.) – kassierte aber nur acht Minuten darauf den Ausgleich: Quali-Spezialist Fellaini war nach einer Ecke von De Bruyne zur Stelle und erzielte bereits seinen vierten Treffer (23.). Von den Gästen kam nach vorne nichts mehr, stattdessen sorgte insbesondere Lukaku immer wieder für Gefahr. Kurz vor der Pause nahm dann De Bruyne aus der Distanz Maß – 2:1 (44.). De Bruyne, Lulić und Medunjanin gehörten die guten Gelegenheiten einer etwas langsameren zweiten Hälfte, ehe ein überflüssiges Foul von Vranješ an Hazard das Spiel entschied. Der Gefoulte vollstreckte vom Punkt persönlich zum 3:1-Endstand (78.), auch wenn Džeko nochmal am 2:3 schnupperte. Bei zwei Punkten Vorsprung auf Israel dürfen sich die „Roten Teufel“ ihrer Sache nicht zu sicher sein, am Sonntag wartet Zypern. Bosnien dagegen steht vor der Pflichtaufgabe gegen Andorra, wird aber mit einem Auge auf die Spiele der Konkurrenz schielen.

Umzingelt, aber dennoch überlegen: Israel und Tomer Hemed hatten mit Andorra keine Probleme

Ohne Probleme erledigte Israel das Heimspiel gegen Andorra. Bereits nach drei Minuten staubte der sich in Topform befindende Zahavi ab, nachdem Torwart Pol einen Distanzschuss von Bitton nur abklatschen ließ. In der 22. Minute tauschten die beiden dann die Rollen, einen Freistoß von Zahavi verlängerte der Mittelfeldmann ins Netz. Hemed per Foulelfmeter (26., Rodríguez an Dabbur) und Dabbur per feiner Einzelleistung (38.) schraubten das Ergebnis auf 4:0 hoch. Da nach der Pause die Konsequenz im Abschluss fehlte blieb es dabei. Für Israel steht nun das schwere Auswärtsspiel in Wales an.

Tabelle: 1. Wales (17 Punkte/9:2 Tore), 2. Belgien (14/16:3), 3. Israel (12/14:9), 4. Zypern (9/12:12), 5. Bosnien-Herzegowina (8/9:10), 6. Andorra (0/3:27)

Gruppe H: Big Points für Norwegen, Kroatien stolpert

Fanden gegen Hüseynov und Co. kein Durchkommen: Kroatien und Mario Mandžukić

Kroatien hatte das Hinspiel gegen Aserbaidschan mit 6:0 gewonnen, doch spätestens nach der torlosen ersten Halbzeit war den „Feurigen“ klar, dass die Punkte in Baku nicht auf dem Silbertablett serviert werden würden. Die Gastgeber machten Mandžukić und Co. das Leben schwer, der Juve-Stürmer ließ eine frühe Chance liegen, außerdem scheiterte Perišić an Ağayev. Zwar wurden die Gäste mit zunehmender Spielzeit entschlossener, gute Chancen blieben aber rar. Kovačić schoss aus idealer Position vorbei, Mandžukić schob den Ball Ağayev in die Arme, Pjaca traf das Außennetz. Mehr war nicht drin, sodass bei einer Niederlage in Norwegen gar der Sturz auf Platz Drei folgen könnte.

Bewahrte sein Land vor einer Blamage: Italiens Graziano Pellè

Italien hatte gegen Malta nach zuletzt überschaubaren Spielen eine auf dem Papier her leichte Aufgabe vor der Brust. Doch die besseren Chancen hatten defensiv starke und offensiv mutig agierende Maltesen! Rowen Muscat, Failla und Effiong brachten den Ball aber nicht an Buffon vorbei. Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff meldeten sich die Azzuri durch Bertolacci und Éder in der Partie an. Gabbiadini traf nach der Pause mit einem Schlenzer die Latte, insgesamt enttäuschten die Conte-Schützlinge aber einmal mehr. Wie schon im Hinspiel verhinderte Pellè die Blamage und war nach einer Candreva-Flanke zur Stelle (69.). Parolo und Éder vergaben Chancen auf ein etwas besseres Resultat, gegen Bulgarien müssen Pirlo und Co. dennoch gewaltig zulegen, der Absturz auf Rang Drei ist möglich.

Innenverteidiger Forren war für Norwegen beim Auswärtsspiel in Bulgarien der Mann des Tages

Drei Big Points sammelte Norwegen bei Verfolger Bulgarien. In der chancenarmen ersten Halbzeit musste noch Torwart Nyland bei einem Popov-Freistoß retten, doch nach einer knappen Stunde sorgte ein Standard der Nordmänner für das goldene Tor. Johansen hob den Ball zum durchgestarteten Forren und der Innenverteidiger vollstreckte in Stürmermanier per Volley (57.). Darauf hatten die Osteuropäer keine Antwort mehr, vielmehr verhinderte Schlussmann Mitrev gegen Høgli, Søderlund und Johansen eine höhere Niederlage. Ein Sieg in Oslo gegen Kroatien und Norwegen wäre sogar im Rennen um die direkten Quali-Plätze dick im Geschäft.

Tabelle: 1. Kroatien (15 Punkte/16:3 Punkte), 2. Italien (15/10:5), 3. Norwegen (13/8:8), 4. Bulgarien (8/7:8), 5. Aserbaidschan (5/4:11), 6. Malta (1/1:11)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s