EM-Quali Sonntag: Island und die Tschechische Republik am Ziel, Türkei und Norwegen überraschen

Veröffentlicht: 7. September 2015 in EURO Qualifiers 2016, UEFA
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Am Sonntag kamen zu den bereits qualifizierten Teams England und Frankreich zwei weitere hinzu. Island und die Tschechische Republik profitierten dabei auch davon, dass die Türkei die Niederlande überraschend klar mit 3:0 schlug. Wales muss nach dem 0:0 gegen Israel weiter warten, Belgien kam spät zu einem 1:0-Erfolg auf Zypern. In Gruppe H schlug Norwegen Kroatien verdient mit 2:0, Italien ist nach dem 1:0 gegen Bulgarien ebenso auf Kurs.

Gruppe A: Dank türkischer Schützenhilfe – Island und die Tschechische Republik fahren nach Frankreich

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Die türkischen Spieler feiern ihren Kapitän Arda Turan, der soeben das 2:0 erzielt hat. Vor den entscheidenden Spielen im Oktober schnappt sich die Türkei Platz 3

Ein wahres Endspiel stand für die Türkei und die Niederlande in Konya an. Beide Teams hatten zuletzt gepatzt, wodurch zumindest Platz Drei im direkten Vergleich umkämpft war. Den idealen Start erwischten die Hausherren: Arda Turan schickte Oğuzhan Özyakup steil, der frei vor Cilessen den Keeper cool per Heber überwand (8.). Wie schon gegen Island konnte Oranje das gute Passspiel kaum entfalten, sodass Narsinghs Chance eine der wenigen war. Anders die giftigen Türken: Serdar Aziz köpfte einen Çalhanoğlu-Freistoß drüber, in der 26. Minute schlugen die Rot-Weißen durch Arda Turan aber zu. Der Kapitän stahl Blind auf der linken Seite den Ball, marschierte in den Sechzehner und zog ab. Cilessen ließ den Schuss ins kurze Eck passieren – 0:2! Diesen Vorsprung verwalteten die auf Konter lauernden Terim-Schützlinge nun konsequent, nur selten kamen die Gäste gefährlich auf. Ein Kopfball von Wijnaldum, sowie zwei Versuche des eingewechselten de Jong – mehr ging nicht. Zur Krönung des niederländischen Debakels übersah Schiedsrichter Mateu Lahoz (Spanien) auch noch ein klares Foul von Caner Erkin an Riedwald, sodass der Linksverteidiger Burak Yılmaz bedienen konnte, der unter die Latte einschoss (85.). Im Schlussspurt warten Island und die Tschechische Republik auf die Türkei, die Niederlande muss gegen Kasachstan und die Tschechen ran.

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Das 2:0 von Herthas Darida, der hier ausgiebig gefeiert wird, war die Vorentscheidung in Lettland

Letztere durften dank der Schützenhilfe und des eigenen Erfolges in Lettland bereits die erfolgreiche Qualifikation feiern. In Riga startete die „Repre“ stark und belohnte sich bereits in der 13. Minute. Nach Doppelpass mit Šural drang Linksverteidiger Limberský in den Strafraum ein und versenkte den Ball im langen Eck – es war sein erster Länderspieltreffer im 34. Spiel. Auch das 0:2 war eine Premiere. Der schussstarke Darida nahm aus gut 23 Metern Maß und erzielte ein herrliches Tor – auch sein erstes im Nationaltrikot (25.). Mit der scheinbar beruhigenden Führung im Rücken ließen es die Gäste ruhiger angehen, sodass die Letten immer besser ins Spiel fanden. Čech musste gegen Zjuzins und Tarasovs starke Paraden auspacken, in der 73. Minute war er aber machtlos als ein leicht abgefälschter Zjuzins-Schuss mit Hilfe des Innenpfostens den Weg ins Tor fand. Nun war zittern angesagt, doch letztlich wurde Lettland nicht mehr gefährlich, sodass die Vrba-Schützlinge nach dem Schlusspfiff des deutschen Schiedsrichters Aytekin ausgelassen die Qualifikation feiern durften.

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Auch Island darf jubeln: Nach dem 1:0-Sieg in Amsterdam reichte ein maues 0:0 gegen Kasachstan

Feiern war auch auf Island angesagt, dessen Elf sich zum ersten Mal überhaupt für ein internationales Turnier qualifizierte. Ironischerweise war es gegen Kasachstan aber die klar schwächste Leistung, die den Erfolg sicherte. Gegen die giftigen, früh störenden Kasachen fanden die Hausherren überhaupt nicht ins Spiel, erst nach über einen halben Stunde gab es Abschlüsse von Gylfi Þór Sigurðsson (34.), Jóhann Berg Guðmundsson (40.) und Kolbeinn Sigþórsson (44.). Besserung trat auch nach der Pause nicht ein, Jón Daði Böðvarsson hatte die einzigen beiden Gelegenheiten in einem schwachen Spiel (47., 71.). Passend dazu musste Islands Kapitän Aron Einar Gunnarsson kurz vor Abpfiff wegen wiederholten Foulspiels mit Gelb-Rot vom Feld (89.). Am Ende war das in Reykjavík aber allen egal, denn das 0:0 reichte auch so für die Qualifikation nach einer beeindruckenden Kampagne. Auch Kasachstan darf sich für eine starke Leistung feiern und könnte im Oktober das Zünglein an der Waage sein, wenn Oranje in Astana vorspielt.

Tabelle: 1. Island (19 Punkte/15:3 Tore), 2. Tschechische Republik (19/16:10), 3. Türkei (12/11:9), 4. Niederlande (10/13:10), 5. Lettland (4/4:16), 6. Kasachstan (2/5:16)

Gruppe B: Wales muss warten, spätes Glück für Belgien

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Simon Church traf in der 94. Minute für Wales, stand aber zuvor im Abseits, sodass die „Drachen“ auf die Quali-Feier noch warten müssen

Noch warten muss dagegen Wales. Ein Sieg gegen Israel hätte für Bale und Co. die sichere Qualifikation bedeutet, doch die „Drachen“ bissen sich an Israels Fünferkette, die von drei defensiven Mittelfeldspielern verstärkt wurde, die Zähne aus. Andy King scheiterte in der achten Minute nach einem starken Pass von Robson-Kanu an Torwart Marciano, den Abpraller köpfte Ramsey über das Tor. So rannten die Hausherren vergeblich an, hatten zwar ein statisches Übergewicht in allen Bereichen, aber kaum Chancen. Erst ein King-Kopfball Mitte der zweiten Halbzeit riss die Fans von den Sitzen, doch Marciano war wieder zur Stelle. Israels einzige Gelegenheit verbuchte Hemed in der 83. Minute, Hennessey lenkte seinen Versuch aber komfortabel über die Latte. Auch Bale und Ramsey war im Finale kein Glück beschieden, sodass die Coleman-Truppe erst im Oktober alles klar machen kann. Gegner sind dann Bosnien (A) und Andorra (H). Israel hält Rang Drei, muss aber noch gegen Belgien (A) und Zypern ran (H).

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Muhamed Bešić kassierte in der zweiten Halbzeit eine Rote Karte nach einer Rudelbildung, Bosnien fuhr auch so einen Pflichtsieg gegen Andorra ein

Den erwarteten Pflichtsieg tütete Bosnien gegen Andorra ein. Ibišević und Džeko scheiterten zwar zuerst an Paraden von Gästekeeper Pol, in der 14. Minute war aber der Durchbruch da. Eine Pjanić-Ecke verlängerte Zec an den zweiten Pfosten zu Bičakčić, der locker einköpfte. Džeko erhöhte nach einer halben Stunde, nachdem Lulić einen Ibišević-Versuch vor seine Füße abgelenkt hatte (30.). Lulić ließ mit einem platzierten Schuss nach einer Kopfball-Ablage von Spahić noch vor der Pause das 3:0 folgen (45.). In der zweiten Halbzeit wurde es hitzig auf den Rasen. Höhepunkt des Ganzen war eine Rangelei nach einem Foul an der Auslinie, Schiedsrichter Hunter (Nordirland) schickte sowohl Bešić als auch Rodríguez daraufhin mit Rot vom Feld (63., 64.). Ibišević traf später noch den Pfosten, doch das fußballerische Element war da schon dem Kampf gewichen. Bosnien liegt nach dem Sieg zwei Punkte hinter Israel und muss damit gegen Wales (H) und Zypern (A) gewinnen.

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Spät, aber wichtig: Eden Hazard schoss Belgien auf Zypern zum Sieg

Ein hartes Stück Arbeit hatte Belgien auf Zypern zu verrichten. In der ersten Halbzeit waren die Gäste klar Herr im fremden Hause, im Abschluss fehlte aber die Präzision und die letzte Durchschlagskraft. Die beste Gelegenheit bot sich dem auffälligen De Bruyne, doch der Ex-Wolfsburger scheiterte kurz vor der Pause im direkten Duell am Torwart Georgallides. In der zweiten Hälfte wurde das Spiel hektisch, viele Angriffe wurden durch leichtfertige Ballverluste unterbrochen, sodass Gelegenheiten selten waren. In der 86. Minute fuhren die „Roten Teufel“ dann einen Konter: De Bruyne spielte einen herrlichen Pass auf den linken Flügel zum durchstartenden Mertens, dessen Rückpass Hazard am Elfmeterpunkt unhaltbar für Georgallides ins Tor hämmerte. Dank des späten Sieges hat Belgien vier Punkte Vorsprung auf Verfolger Israel, ein Sieg in Andorra im Oktober würde bereits für die Qualifikation genügen.

Tabelle: 1. Wales (18 Punkte/9:2 Tore), 2. Belgien (17/17:3), 3. Israel (13/14:9), 4. Bosnien-Herzegowina (11/12:10), 5. Zypern (9/12:13), 6. Andorra (0/3:30)

Gruppe H: Berget schockt Kroatien, De Rossi trifft und fliegt

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Ein Bart zum Fürchten: Jo Inge Berget war maßgeblich an Norwegens Sieg über Kroatien verantwortlich

Verfolger Norwegen empfing in Oslo Kroatien, mit einem Sieg war sogar die zwischenzeitliche Tabellenführung drin. In den ersten 45 Minuten sahen die Zuschauer vor allem Fehlervermeidungsfußball, folglich entstanden die beiden Großchancen von Forren und Mandžukić durch Standards. Die wie schon gegen Aserbaidschan wenig kreativen Kroaten kamen besser aus der Pause und verbuchten durch Mandžukić schnell zwei Chancen, erhielten dann aber eine kalte Dusche. Der Ball landete nach einem Freistoß bei Forren und dessen abgefälschter Schuss flipperte an den zweiten Pfosten. Dort nahm Berget den Ball an, ließ mit einen angetäuschten Schuss Srna ganz alt aussehen und traf schließlich ins kurze Eck (51.). Achtzehn Minute später eine ähnliche Szene: Henriksen bediente links am Strafraum Berget, der wieder gegen Srna den Schuss antäuschte und dann am Veteranen vorbeizog. Den folgenden Abschluss fälschte Ćorluka noch ab, wieder landete der Ball im kurzen Eck. Auf diesen Schock hatten die „Feurigen“ – von einem Mandžukić-Kopfball einmal abgesehen – keine Antwort mehr. Norwegen setzt sich damit auf Platz Zwei, im Oktober geht es gegen Malta (H) und Italien (A). Kroatien büßte seine gute Position ein und steht damit gegen Bulgarien (H) und Malta (A) unter Druck.

Ohne Relevanz für die Entscheidungen der Gruppe war das Treffen der Schlusslichter Malta und Aserbaidschan. In der zerfahrenen ersten Hälfte war es ein abgefälschter Schuss von Əmirquliyev, der die Gäste in Front brachte (40.). Nach der Pause aber kamen die Gastgeber auf. Effiong fand am Strafraum Mifsud und die Malteser Sturmlegende setze den Ball herrlich ins rechte Eck (55.). Auch Sturmpartner Effiong durfte jubeln, Schembri schickte den gebürtigen Nigerianer steil, der Ağayev mit einem Schuss ins linke Kreuzeck chancenlos ließ (71.). Doch die Truppe von Kaspischen Meer – die durch Qurbanov zwischendurch die Latte getroffen hatte (64.) – geriet nicht in Panik. Əmirquliyev erzielte nach kluger Ablage von Qurbanov mit einem ähnlichen Schuss wie Mifsud den 2:2-Endstand (80.).

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Vom Helden zum Rotsünder: Daniele De Rossi brachte Italien per Elfmeter in Front, musste in der zweiten Halbzeit aber wegen einer Tätlichkeit vom Feld

Italien zeigte sich nach dem schläfrigen 1:0 gegen Malta in Palermo wie ausgewechselt und drückte die Gäste aus Bulgarien tief in die eigene Hälfte. Bei einer Doppelchance von Pellè und El Shaarawy nach nicht einmal einer Minute hatten die Osteuropäer noch Glück, doch dieses war rasch aufgebraucht. Veselin Minev vergaß in seinen Rücken Candreva und traf bei seinem Versuch zu klären nur den Mittelfeldspieler. Elfmeter für Italien, De Rossi verwandelte sicher, musste aber nochmal ran, da Candreva zu früh in den Strafraum gelaufen war. Aber auch im zweiten Anlauf verlud der 32-jährige Torwart Mitrev und erzielte das 1:0 (6.). Der Druck ließ dennoch nicht nach, umso überraschender bot sich Micanski die dicke Ausgleichschance für die Gäste, doch Buffon parierte stark. Danach verhinderte dann Mitrev gegen De Sciglio, Candreva und bei zwei tückischen Schüssen von Parolo eine höhere Führung. In der 55. Minute kochten dann die Gemüter kurz über. Micanski foulte De Rossi im Mittelfeld und trat dann wohl auf das Schienbein des Roma-Akteurs, der sich seinerseits mit einem Tritt revanchierte. Schiedsrichter Karasёv (Russland) zeigte beiden Akteuren für ihre Tätlichkeiten Rot (55., 56.). Am Geschehen auf dem Rasen änderte dies aber wenig, die „Squadra Azzurra“ war weiterhin besser im Spiel, doch auch El Shaarawy hatte nach seinem Solo kein Schussglück, ebenso wenig wie Nedelev mit einem Schlenzer. Bonucci köpfte kurz vor Schluss aus minimaler Distanz über das Tor, sodass Buffon gegen einen Distanzschuss von Milanov nochmal eine Parade zeigen musste. Am Ende stand ein knapper, aber verdienter Erfolg für die Italiener, die als Gruppenerster in die Oktober-Spiele gegen Aserbaidschan (A) und Norwegen (H) gehen.

Tabelle: 1. Italien (18 Punkte/11:5 Tore), 2. Norwegen (16/10:8), 3. Kroatien (14/16:5), 4. Bulgarien (8/7:9), 5. Aserbaidschan (6/6:13), 6. Malta (2/3:13)

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