Spektakel in Lima, Willian belebt Brasilien

Veröffentlicht: 14. Oktober 2015 in CONMEBOL, FIFA World Cup Qualifiers 2018
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Am zweiten Spieltag der CONMEBOL-WM-Qualifikation schlug Uruguay in der Neuauflage des WM-Achtelfinales von 2014 Kolumbien überraschend klar mit 3:0 und setzte sich damit an die Tabellenspitze. Auch Ecuadors Weste ist nach dem 2:0 gegen Bolivien weiterhin blütenweiß. Chile schlug Peru in einem vor allem in der ersten Halbzeit atemberaubenden Spiel mit 4:3, Brasilien sicherte sich dank Doppelpacker Willian einen 3:1-Erfolg gegen Venezuela. Das ersatzgeschwächte Argentinien kam in Paraguay nicht über ein 0:0 hinaus.

Tabelle:  1. Uruguay (6 Punkte/5:0 Tore), 2. Ecuador (6/4:0), 3. Chile (6/6:3), 4. Paraguay (4/1:0), 5. Brasilien (3/3:3),  6. Kolumbien (3/2:3),  7. Argentinien (1/0:2), 8. Peru (0/3:6), 9. Venezuela (0/1:4), 10. Bolivien (0/0:4)

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Kicken in Pfützen: Leonel Morales und Antonio Valencia hatten in Quito mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen.

Ecuador – Bolivien 2:0

Sintflutartige Regenfälle hatten den Platz im Estadio Olímpico Atahualpa von Quito zu einer einzigen Sumpflandschaft verwandelt. Trotz zahlreicher Pfützen und anhaltenden Dauerniederschlag entschied Schiedsrichter Sandro Ricci (Brasilien) aber dennoch, die Partie anzupfeifen. Das Spiel litt natürlich unter den Bedingungen, insbesondere die überlegenen Hausherren wurden bei ihren Bemühungen, die Abwehr der Bolivianer mit spielerischen Mitteln zu knacken, häufig durch das Geläuf behindert. So war ein Kopfball von Valencia, der in einer wahren Spielertraube hängenblieb, noch die beste Gelegenheit der ersten halben Stunde (12.).

Bolivien, das in der Qualifikation für die WM in Brasilien gerade einmal zwei (!) Punkte auswärts geholt hatte, wäre in der 33. Minute um ein Haar in Führung gegangen. Campos traf mit seinem Freistoß vom rechten Sechzehnereck aber nur das linke Kreuzeck (33.). Vier Minuten darauf dribbelte sich Valencia auf rechts durch mehrere Gegenspieler und Wasserpfützen, geriet dann aber ins Stolpern und traf nur das Außennetz (37.). Auch ein Distanzversuch von Bolaños fand nicht den Weg auf das Tor (41.), sodass es mit 0:0 in die Kabinen ging.

Die Halbzeitpause nutzen die Helfer, um den Platz einigermaßaßen bespielbar zu machen. Das Vorhaben gelang, denn bei nachlassenden Regen schaffte es die „Tricolor“ zunehmend, ihre Überlegenheit auch in Abschlüsse umzumünzen. Boliviens Keeper Vaca entschärfte aber einen weiteren Fernschuss von Bolaños (49.). „La Verde“ verengte mit einer Fünferkette geschickt die Räume und setzte gelegentlich Nadelstiche. Duk schoss nach einem Konter über das Tor (56.), Domínguez parierte einen weiteren Freistoß von Campos (70.).

Es war jedoch der Auftakt für die Schlussphase, in der die Hausherren mit aller Macht drückten. Doch Vaca wuchs nun über sich hinaus und hielt sowohl einen Montero-Schuss (71.) als auch einen Mina-Kopfball (73.). Bei Cazares‘ flachem Hammer wäre der Keeper aber machtlos gewesen, doch diesmal kam den Bolivianern das Aluminium, genauer gesagt der linke Pfosten, zu Hilfe (78.). Keine drei Minuten später war wieder Vaca gefordert, doch auch Joker Martínez konnte den 37-jährigen mit seinem Kopfball nicht bezwingen (81.).

Wenige Sekunden später war aber auch er machtlos. Bolaños bediente 25 Meter vor dem Tor Cazares, startete rechts in den Sechzehner durch und wurde von seinem Teamkameraden mit einem perfekten Heber bedient. Im eins gegen eins behielt der Brasilien-Legionär diesmal die Oberhand und tunnelte den entgegenstürzenden Keeper zur verdienten Führung (81.). Bolivien kam nicht mehr auf, auch wenn Vaca mit einer erneuten Glanztat Bolaños ein zweites Erfolgserlebnis verwehrte (85.).

In der Nachspielzeit sollte der Keeper noch einmal in den Mittelpunkt rücken. Caicedo entging nach Martínez-Zuspiel zwar noch den Grätschen zweier Verteidiger, wurde dann aber vom Torwart gelegt – Elfmeter (90.+3)! Der Gefoulte trat selbst an und verwandelte mit der letzten Aktion des Spiels sicher in die Mitte (90.+5). Ecuador steht damit nach zwei Spielen mit blütenweißer Weste da, Bolivien wartet noch auf den ersten Punkt oder Torerfolg.

Statistik:

Tore: 1:0 M. Bolaños (81., Rechtsschuss, Cazares), 2:0 Caicedo (90.+5, Foulelfmeter, Linksschuss, Vaca an Caicedo)

Aufstellung (Ecuador): A. Domínguez – J. C. Paredes, Achilier, Erazo, W. Ayoví – P. Quinóñez, Noboa – A. Valencia, Montero – Caicedo, M. Bolaños

Aufstellung (Bolivien): Vaca – Zampiery, Eguino, Marteli, Zenteno, Flores – Veizaga, Galindo – Campos, Morales – Duk

Wechsel (Ecuador): 46. Cazares für P. Quinóñez, 61. Mina für Achilier, 75. F. Martínez für J. C. Paredes

Wechsel (Bolivien): 63. Meleán für Galindo, 84. G. Álvarez für Duk, 86. Ríos für Morales

Bank (Ecuador): Banguera (Tor), Dreer (Tor), Bagüí, Guagua, Arroyo, Á. Bolaños, S. Castillo, Ibarra, Á. Mena

Bank (Bolivien): Lampe (Tor), Salvatierra (Tor), Hurtado, Pedraza, R. Cardozo, R. Castro, Chumacero, Gamarra, Arce

Gelbe Karten: Achilier (23., Foulspiel), A. Domínguez (62., Meckern) – Eguino (22., Foulspiel), Morales (54., Foulspiel), Zenteno (70., Foulspiel), Vaca (90.+3, Foulspiel), Campos (90.+4, Meckern)

Schiedsrichter: Sandro Ricci (Brasilien) – Emerson De Carvalho (Brasilien), Marcelo Van Gasse (Brasilien) – Wilton Sampaio (Brasilien)

Anstoßzeit und Spielort: 13. Oktober 2015/16:00 Uhr (UTC-5), Estadio Olímpico Atahualpa/Quito

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Durchgesetzt: Uruguays Kapitän Godín erzielt das 1:0 für die „Celeste“.

Uruguay – Kolumbien 3:0

Beide Teams waren mit 2:0-Erfolgen in die Qualifikation gestartet, Uruguay in Bolivien und Kolumbien gegen Peru. Während Uru-Coach Tabárez den verletzten Cristian Rodríguez und Abel Hernández durch Rolan und Maxi Pereira ersetzte nahm sein Gegenüber Pekerman keine Änderungen vor. Im WM-Achtelfinale hatten sich die „Cafeteros“ mit 2:0 durchgesetzt, in der WM-Qualifikation warteten sie jedoch seit 1973 auf einen Sieg in Uruguay.

Das Spitzenspiel startete verhalten, in der 13. Minute verletzte sich Cáceres – Torschütze zum 1:0 in Bolivien – im Zweikampf mit Cuadrado am Knöchel und musste kurz darauf ausgewechselt werden. Dennoch nahmen die Urus das Heft des Handelns langsam in die Hand. Ein Stuani-Kopfball, der genau auf Ospina kam, war die erste ernstzunehmende Torannäherung (20.). Neun Minuten später kam Godín dem Führungstor schon näher, seinem Versuch nach einem Sánchez-Freistoß fehlte allerdings ein guter Meter (29.).

Auch der Kapitän hatte am ersten Spieltag getroffen und legte in der 34. Minute sein sechstes Länderspieltor nach. Nach Sánchez‘ Ecke von rechts setzte sich der Atlético-Verteidiger gegen drei Kolumbianer durch, sein folgender Hechtkopfball schlug wuchtig unter der Latte ein. Das 1:0 war auch der Pausenstand in einer Partie, die eher Fouls und Fehlpässe als hochklassigen Fußball bot.

Sechs Zeigerumdrehungen nach Wiederanpfiff baute die „Celeste“ ihre Führung aus. Bei einem weiten Diagonalball von Lodeiro drehte sich Stuani geschickt weg und nahm so Zapata und Arias aus dem Spiel. Der Ball kam zu Rolan durch, der Ospina aus fünf Metern lässig überlupfte (51.). Die Führung war nicht unverdient, präsentierten sich die Kolumbianer doch ohne den verletzen James Rodríguez ideenlos und kaum zwingend. Murillo hatte in der 55. Minute die dicke Chance auf den Anschluss, sein Kopfball landete jedoch am Lattenkreuz (55.).

Pekerman reagierte auf den harmlosen Auftritt seiner Mannschaft, brachte zuerst Torres und Castillo und achtzehn Minuten vor dem Ende Falcao für Arias, womit die Gäste auf eine Dreierkette umstellten. Abgesehen von einem weiteren, diesmal harmlosen Murillo-Kopfball (78.) war der Ertrag aber gleich null. Uruguay verteidigte die Führung gut und kam durch Álvaro Pereira (66.) und Maxi Pereira, der eine chaotische Situation in Kolumbiens Defensive fast bestraft hätte (74.), zu kleineren Gelegenheiten.

Eine solche nutzte der eingewechselte Abel Hernández zum 3:0-Endstand. Einen weiten Schlag von Muslera verlängerte Stuani per Kopf zum England-Legionär, der rechts im Sechzehner Murillo abkochte und das Spielgerät quasi von der Grundlinie aus hoch ins kurze Eck drosch (88.). Zum Abschluss eines rundum misslungenen Abends für die Gäste leistete sich Cuadrado in der Nachspielzeit noch eine Tätlichkeit. Im Zweikampf mit Rolan schlug er dem Stürmer den Ellbogen in das Gesicht und musste völlig zurecht mit Rot vom Feld (90.+3).

Statistik:

Tore: 1:0 Godín (34., Kopfball, C. A. Sánchez), 2:0 Rolan (51., Rechtsschuss, Lodeiro), 3:0 A. Hernández (88., Linksschuss, Stuani)

Aufstellung (Uruguay): Muslera – Maxi Pereira, Giménez, Godín, M. Cáceres – Corujo, Á. González – C. A. Sánchez, Á. Pereira – Stuani, Rolan

Aufstellung (Kolumbien): Ospina – Arias, Zapata, J. Murillo, Fabra – C. Sánchez – Guarín, Cardona – Cuadrado – T. Gutiérrez, Bacca

Wechsel (Uruguay): 19. Lodeiro für M. Cáceres, 72. A. Hernández für C. A. Sánchez, 86. Nández für Á. González

Wechsel (Kolumbien): 58. F. Castillo für T. Gutiérrez, 58. M. Torres für Guarín, 72. Falcao für Arias

Bank (Uruguay): Campaña (Tor), M. Silva (Tor), Coates, G. Silva, De Arrascaeta, Lozano, Mayada, J. Rodríguez, M. Santos

Bank (Kolumbien): Bonilla (Tor), C. Vargas (Tor), Balanta, Meza, Palacios, W. Barrios, A. Mejía, Borré, Jackson Martínez

Gelbe Karten: Corujo (57., Foulspiel) – J. Murillo (36., Foulspiel), F. Castillo (61., Foulspiel), Arias (67., Foulspiel)

Rote Karte: Cuadrado (90.+3, Tätlichkeit, Rolan)

Schiedsrichter: Heber Lopes (Brasilien) – Kleber Gil (Brasilien), Bruno Boschilia (Brasilien) – Luiz Flávio de Oliveira (Brasilien)

Anstoßzeit und Spielort: 13. Oktober 2015/20:00 Uhr (UTC-3), Estadio Centenario/Montevideo

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Blieb einmal mehr blass: Javier Pastore, hier im Duell mit Víctor Cáceres und Richard Ortiz.

Paraguay – Argentinien 0:0

Nach der 0:2-Pleite gegen Ecuador nahm Argentiniens Coach Gerardo Martino fünf Änderungen in allen Mannschaftsteilen vor. Sein Kollege Ramón Díaz ermöglichte Lezcano das Debüt anstelle von Augsburgs Bobadilla, der aus persönlichen Gründen fehlte. Am ersten Spieltag hatten die „Guaraní“ etwas glücklich drei Punkte aus Venezuela entführt (1:0).

Engagement und Willen war in den Anfangsminuten vorhanden, allerdings neutralisierten diese den Spielfluss. Einen ersten guten Angriff brachte die Albiceleste in der 12. Minute aufs Feld, Torwart Silva begrub eine gefährliche Hereingabe von Lavezzi unter sich. Leichte Vorteile hatten allerdings die Gastgeber. Derlis González, Torschütze gegen Venezuela, feuerte aus gut 30 Metern einen Freistoß in Richtung Romero, der den Flachschuss um den Pfosten drehte (16.). Drei Minuten später versuchte sich Ortigoza aus der Distanz, ihm fehlte allerdings die Präzision seines Teamkollegen (19.).

Nach gut zwanzig Minuten kamen die ersatzgeschwächten Gäste zunehmend besser in die Partie. Ein Ballverlust von Samudio gegen Di María ermöglichte Tevez eine hundertprozentige Chance zur Führung, doch der Boca-Stürmer setzte seinen Kopfball aus fünf Metern über das Tor (21.). Insbesondere Di María sorgte immer wieder für Gefahr, doch auch dem Flügelstürmer fehlte im Abschluss die Präzision (30.). Defensiv agierten die Martino-Schützlinge zudem alles andere alles fehlerfrei. Nach einem Otamendi-Rückpass schoss Romero den Rücken von Lezcano an und hätte Glück, dass der Ball nicht ins Tor sprang (34.).

Richtig Bewegung kam in der Schlussphase der ersten Hälfte auf. Erst musste Mittelfeldmotor Ortigoza bei der „Albiroja“ verletzt vom Feld (38.), dann wurde es vor den Toren spannend. Silva parierte zweimal stark gegen Lavezzi (40., 45.+2), der aktive Lezcano testete auf der Gegenseite Romero (39.). Da auch Tevez aus der Distanz nicht gut genug zielte (45.) blieb es zu Kabinengang beim torlosen Remis.

Den Schwung der letzten Minuten konnten die Teams nicht über die Pause retten, vielmehr kam die Zerfahrenheit der Anfangsphase zurück. Abschlüsse waren selten und entsprangen meist Einzelaktionen. Bei Argentinien waren diese meist von Di María, doch dem PSG-Profi fehlten jeweils ein paar Zentimeter (53., 68., 70.). Bei Paraguays Versuchen durch Bruno Valdez (61.) und Víctor Cáceres (75.) waren argentinische Abwehrbeine im Weg.

Martino brachte zur Schlussoffensive Lamela und Juves Dybala und im Zusammenspiel mit dem starken Di María kreierten die Joker in der 87. Minute auch den letzten Hochkaräter der Partie, doch Dybala knallte das Spielgerät aus spitzem Winkel über die Latte (87.). Argentinien bleibt damit nach 180 Quali-Minuten ohne Tor, im November warten mit Brasilien (H) und Kolumbien (A) schwere Aufgaben. Paraguay kann mit vier Zählern dagegen entspannter in die Partien gegen Peru (A) und Bolivien (H) gehen.

Statistik:

Tore: keine

Aufstellung (Paraguay): A. Silva – B. Valdez, Da Silva, P. Aguilar, Samudio – V. Cáceres – Ortigoza, Ortiz – D. González – L. Barrios, Lezcano

Aufstellung (Argentinien): S. Romero – Zabaleta, Otamendi, Funes Mori, Mas – Kranevitter, Mascherano – Pastore – Di María, Tevez, Lavezzi

Wechsel (Paraguay): 38. Aranda für Ortigoza, 68. Santander für L. Barrios, 77. Ó. Romero für D. González

Wechsel (Argentinien): 68. Lamela für Pastore, 74. Dybala für Tevez, 84. Gaitán für Lavezzi

Bank (Paraguay): A. Aguilar (Tor), Centurión (Tor), G. Gómez, Mencia, Piris, Fabbro, H. Pérez, J. R. Rojas, Benítez

Bank (Argentinien): Guzmán (Tor), Marchesín (Tor), Casco, Demichelis, Roncaglia, Pereyra, Correa

Gelbe Karten: Santander (70., Foulspiel), B. Valdez (75., Foulspiel) – Zabaleta (34., Handspiel), Funes Mori (74., Foulspiel)

Schiedsrichter: Andrés Cunha (Uruguay) – Mauricio Espinosa (Uruguay), Miguel Nievas (Uruguay) – Christian Ferreyra (Uruguay)

Anstoßzeit und Spielort: 13. Oktober 2015/21:00 Uhr (UTC-3), Estadio Defensores del Chaco/Asunción

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Schuss ins Glück: Willian (links) erhöht auf 2:0.

Brasilien – Venezuela 3:1

Der erste Heimauftritt von Brasilien in einem Pflichtspiel nach der Heim-WM sorgte bei Fans und Verantwortlichen für Sorgenfalten. Neymar fehlte nach seinem Platzverweise bei der Copa weiterhin gesperrt, zudem sorgte die 0:2-Niederlage in Chile für Ernüchterung. Coach Dunga tauschte daher vier Mal Personal, gab Alisson im Tor den Vorzug vor Jefferson und brachte außerdem Dani Alves, Marquinhos und Ricardo Oliveira für den verletzten David Luiz, Marcelo und Hulk. Auch Venezuela strotzte nicht vor Selbstvertrauen. Am ersten Spieltag unterlag man aufgrund eines schweren Abwehrfehlers Paraguay mit 0:1, zudem machte die Statistik wenig Mut: Nur eines von den letzten 22 Spielen gegen Brasilien konnte gewonnen werden, bei der Copa bedeutete das 1:2 in der Vorrunde das Aus.

Keine 40 Sekunden waren in Fortaleza vergangen, da lag der Favorit auch schon in Front. Luiz Gustavos Balleroberung brachte Willian ins Spiel, der rechts in den Strafraum eilte und aufs kurze Eck schoss. Torwart Baroja bekam zwar beide Hände an den Ball, konnte diesen dadurch aber nicht daran hindern, über ihn hinweg in die Maschen einzuschlagen (1.). Zwar antworteten die Gäste prompt durch einen Freistoß von Seijas, der Alisson etwas Mühe bereitete (4.), in der Folge war aber die Seleção das bessere Team.

Der WM-Gastgeber strotzte sichtlich nicht vor Selbstvertrauen, brachte seine individuelle Klasse aber immerhin stellenweise auf das Feld und profitierte dabei auch von zahlreichen Fehlern der nervösen venezolanischen Defensive. Miranda köpfte nach einer Ecke daneben (8.), Baroja leistete ein Stück weit Wiedergutmachung, als er nach einer Hereingabe von Filipe Luís gegen Ricardo Oliveira parierte (13.). Insbesondere über die Außen, wo Willian und Douglas Costa häufig die Seiten tauschten, brachten die Gastgeber die „Vinotintos“ immer wieder in Bedrängnis.

Im Abschluss, aber auch im Kreieren von Chancen, haperte es jedoch. Bestes Beispiel war dafür die 31. Minute, als Douglas Costa und Oscar am Ende eines vielversprechenden Konters statt des fast schon zwingenden 2:0 nur eine Ecke herausholten. Dani Alves scheiterte per Freistoß (33.), neun Minuten später war es soweit. Filipe Luís setzte sich stark auf der linken Außenbahn durch und gab den Ball parallel zur Strafraumgrenze flach in die Mitte. Oscar ließ das Spielgerät clever passieren, hinter ihm nahm sich Willian der Sache an und vollendete hoch ins linke Eck (42.). Die 2:0-Pausenführung war gegen zahnlose Gäste völlig verdient.

Deren Coach Noel Salvicente reagierte zwar und nahm mit Vargas und Guerra beide Flügelspieler vom Feld, eine Reaktion blieb aber aus. Stattdessen hatten die Weinroten Glück, dass eine Flanke von Douglas Costa nur auf der Latte landete und Luiz Gustavo Augenblicke später vorbei schoss (53.). Auch Baroja zeigte sich nun von seiner guten Seite und entschärfte einen Fernschuss von Oscar (57.). Offensiv ging für den Außenseiter nichts, umso überraschender fiel daher auch der Anschluss.

Eine Seijas-Ecke verlängerte Vizcarrondo klug an den zweiten Pfosten. Dort war Santos eingelaufen und drückte den Ball mit dem Oberschenkel ins Netz (64.). Als Wachmacher fungierte der Treffer aber nicht. Brasilien blieb weiterhin überlegen und war dem dritten Tor nahe. Luiz Gustavo näherte sich erneut an (68.), Ricardo Oliveira war sechs Minuten später erfolgreicher. Bei Douglas Costas aufsetzender Linksflanke schlug Amorebieta am Ball vorbei und ermöglichte es den Stürmer so, aus kurzer Distanz per Kopf den Zwei-Tore-Vorsprung wiederherzustellen (74.). Dieser geriet bis zum Schlusspfiff auch nicht mehr in Gefahr, vielmehr hätten Elias (79.) und der eingewechselte Hulk (90.+2) weitere Treffer nachlegen können.

Brasilien überzeugte zwar nicht wirklich gegen einen schwachen Gegner, darf sich aber über die ersten Punkte und im November über die Rückkehr von Neymar freuen. Die Gegner Argentinien (A) und Peru (H) werden aber wohl andere Hausnummern sein als Venezuela, das gegen Bolivien (A) und Ecuador (H) Punkte muss, soll der Traum von der ersten WM-Teilnahme nicht schon früh beendet sein.

Statistik:

Tore: 1:0 Willian (1., Rechtsschuss, Luiz Gustavo), 2:0 Willian (42., Rechtsschuss, Filipe Luís), 2:1 C. Santos (64., Linksschuss, Vizcarrondo), 3:1 Ricardo Oliveira (74., Kopfball, Douglas Costa)

Aufstellung (Brasilien): Alisson – Dani Alves, Miranda, Marquinhos, Filipe Luís – Elias, Luiz Gustavo – Willian, Oscar, Douglas Costa – Ricardo Oliveira

Aufstellung (Venezuela): Baroja – Rosales, Vizcarrondo, Amorebieta, Cichero – Rincón, Seijas – R. Vargas, Guerra – Rondón, C. Santos

Wechsel (Brasilien): 65. Lucas Lima für Oscar, 75. Kaká für Douglas Costa, 81. Hulk für Ricardo Oliveira

Wechsel (Venezuela): 46. Figuera für Guerra, 46. J. J. Murillo für R. Vargas, 81. A. D. González für Seijas

Bank (Brasilien): Jefferson (Tor), Fabinho, Gil, Marcelo, Fernandinho, Lucas Moura, Renato Augusto

Bank (Venezuela): Contreras (Tor), Ángel, Túñez, Acosta, C. González, Lucena, Falcón, J. Martínez

Gelbe Karten: Douglas Costa (45.+1, Foulspiel) – Vizcarrondo (32., Foulspiel), Rosales (54., Foulspiel), Figuera (90., Foulspiel)

Schiedsrichter: Darío Ubriaco (Uruguay) – Carlos Pastorino (Uruguay), Nicolás Taran (Uruguay) – Fernando Falce (Uruguay)

Anstoßzeit und Spielort: 13. Oktober 2015/22:00 Uhr (UTC-3), Estádio Castelão/Fortaleza

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Christian Cueva sieht in der 23. Minute nach einer Tätlichkeit gegen Valdivia Rot.

Peru – Chile 3:4

Die Neuauflage des Halbfinales der Copa (2:1) erwies sich als ein echtes Spektakel. In der siebten Minute fand ein Isla-Anspiel aus dem Halbfeld neun Meter vor dem Tor den einlaufenden Alexis Sánchez, der schnörkellos ins kurze Eck traf. Die Führung hielt aber kaum 180 Sekunden. Carrillo schickte Farfán mit einem Pass aus dem Fußgelenk, halbrechts in Strafraum zog der Ex-Schalker ab und hatte etwas Glück, dass Bravo den durchaus haltbaren Ball ins kurze Eck durchrutschen ließ (10.).

In diesem Rhythmus ging es weiter: Guerreros Dropkick vom Strafraumrand ging vorbei (14.), Vargas verpasste eine Vidal-Hereingabe um einen Sekundenbruchteil (15.). Dann servierte erneut Bravo Farfán eine Möglichkeit auf dem Silbertablett: Der Keeper versuchte einen Jara-Rückpass vor dem Toraus zu bewahren, grätsche den Ball aber seinem Kontrahenten vor die Füße. Doch der als hängende Spitze aufgebotene „Inka“ schob den Ball überhastete in die Arme des Keepers (20.). Wiederrum nur zwei Minuten später bediente Alexis Sánchez seinen Sturmpartner Vargas, Gallese bekam aber noch eine Hand an dessen Schuss und rettete stark (22.).

Nach dieser Fülle an Torchancen gab es einen negativen Höhepunkt. Hamburgs Díaz unterband einen peruanischen Konter mit einem offensichtlichen Handspiel, in der Folge gab es ein Gerangel zwischen Cueva und Valdivia um den Ball, den der Peruaner für sich entschied. Allerdings brannten bei ihm daraufhin die Sicherungen durch und er warf das Spielgerät Valdivia an den Kopf. Schiedsrichter Pitana (Argentinien) blieb keine andere Wahl, als Rot zu zeigen (23.).

In Überzahl blieb Chile weiterhin das gefährlichere von zwei offensiv ausgerichteten Teams. Erneut Gallese verhindert einen erneuten Rückstand als er einen Distanzhammer von Díaz über den Querbalken lenkte (31.). Auf der Gegenseite sprang Mark Gónzalez Zambrano beim Kopfballduell mit dem Knie ins Kreuz – Elfmeter (34.)! Farfán übernahm die Verantwortung und vollstreckte hart ins linke Eck – Peru führte in Unterzahl (36.).

Auf die Freude folgten allerdings zehn Minuten zum Vergessen für die Gastgeber. Carrillo verletzte sich bei einer Vidal-Grätsche und musste raus, dann drehte der Kontinentalmeister auf. Ein brillanter Chip von Sánchez fand links im Sechzehner Valdivia, der mit viel Übersicht querlegte. Vargas musste aus zwei Metern nur noch einschießen (41.). Doch damit nicht genug. Drei Minuten darauf kombinierten Isla, Vargas und Díaz sich über rechts in den Strafraum, der Hamburger bediente schließlich im Rückraum Sánchez, der präzise ins linke untere Eck traf (44.). Nach verrückten 45 Minuten ging es mit 2:3 in die Halbzeitpause.

Die zweite Hälfte begann für Peru, wie die erste endete: Mit hängenden Köpfen. Keine vier Zeigerumdrehungen waren vergangen ehe Mark Gónzalez mit einem hohen Zuspiel Perus entblößte Abwehr aufriss und Sánchez seinen Bewachern davoneilte. Vor Gallese schob der Arsenal-Star den Ball zum mitgelaufenen Vargas, der den Torwart aussteigen ließ und erneut mühelos einschob (49.).

Dieser Nackenschlag nahm den zehn Peruanern sichtlich den Wind aus den Segeln. Zwar bemühten sich die Gastgeber redlich, konnten mit ihren Abschlüssen aber keine Gefahr erzeugen. Anders Chile, das das Ergebnis zwar verwaltete, aber dennoch zu vereinzelten Chancen kam. Gallese entschärfte binnen Sekunden einen Vidal-Fernschuss und den folgenden Volley von Vargas (60.), Mark González‘ Direktabnahme nach einem hohen Zuspiel des eingewechselten Gutiérrez flog links vorbei (66.). Dem unglaublichen Tempo der ersten Hälfte zollten aber beide Teams Tribut, sodass die Partie langsam auslief.

Ein Highlight hatten die Akteure aber noch zu bieten. In der Nachspielzeit schickte Yotún mit einen feinen Außenristpass Guerrero links in den Sechzehner, der schnörkellos ins lange Eck vollendete (90.+2). Es war letztendlich aber nur noch Ergebniskosmetik. Chile geht damit mit der vollen Ausbeute von sechs Punkten in die Novemberpartien gegen Kolumbien (H) und Uruguay (A), Peru muss nach zwei Pleiten gegen Paraguay (H) und Brasilien (A) in die Spur finden.

Statistik:

Tore: 0:1 A. Sánchez (7., Rechtsschuss, Isla), 1:1 Farfán (10., Rechtsschuss, Carrillo), 2:1 Farfán (36., Foulelfmeter, Rechtsschuss, M. González an Zambrano), 2:2 E. Vargas (41., Rechtsschuss, Valdivia), 2:3 A. Sánchez (44., Rechtsschuss, M. Díaz), 2:4 E. Vargas (49., Linksschuss, A. Sánchez), 3:4 Guerrero (90.+2, Rechtsschuss, Yotún)

Aufstellung (Peru): Gallese – Advíncula, Zambrano, Ascues, Yotún – Ballón, Lobatón – Carrillo, Cueva – Farfán – Guerrero

Aufstellung (Chile): Bravo – Isla, Medel, Jara, E. Mena – M. Díaz, Vidal – Valdivia – E. Vargas, A. Sánchez, M. González

Wechsel (Peru): 45. Reyna für Carrillo, 46. Tapia für Lobatón, 73. J. Sánchez für Reyna

Wechsel (Chile): 54. F. Silva für M. Díaz, 65. F. Gutiérrez für Vidal, 82. Orellana für E. Vargas

Bank (Peru): Libman (Tor), Penny (Tor), Céspedes, C. Ramos, Requena, Riojas, Cruzado, Hurtado, Pizarro

Bank (Chile): Herrera (Tor), Tonselli (Tor), Albornoz, Vilches, Beausejour, Carvajal, Mati Fernández, E. Paredes

Gelbe Karten: Zambrano (13., Rangelei) – M. Díaz (24., Handspiel), Isla (51., Foulspiel)

Rote Karte: Cueva (23., Tätlichkeit, Valdivia)

Schiedsrichter: Néstor Pitana (Argentinien) – Diego Bonfa (Argentinien), Ernesto Uziga (Argentinien) – Fernando Rapallini (Argentinien)

Anstoßzeit und Spielort: 13. Oktober 2015/21:15 Uhr (UTC-5), Estadio Nacional del Perú/Lima

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