EM-Quali Dienstag: Türkei & Kroatien dabei, Play-Offs für Norwegen & Bosnien, Niederlande raus

Veröffentlicht: 12. November 2015 in EURO Qualifiers 2016, UEFA
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Der abschließende Dienstag der EM-Qualifikation brachte eine dramatische Wendung. Dank eines späten 1:0-Erfolgs über Island und kasachischer Schützenhilfe fährt die Türkei als bester Gruppendritter direkt zur Europameisterschaft, die Niederlande ist raus. Bosnien setzte sich im „Endspiel“ auf Zypern mit 3:2 durch und steht nach Israels 1:3 in Belgien ebenso in den Play-Offs wie Norwegen, das trotz 1:0-Führung Italien unterlag und damit Kroatien den Vortritt lassen musste.

Gruppe A: İnan und Quat erlösen die Türkei, Fiasko für die Niederlande

Anfang vom Ende: Hoffenheims Kadeřábek erzielt das 0:1 in Amsterdam.

Die Niederlande musste ihr Heimspiel gegen die Tschechische Republik gewinnen und zeitgleich auf isländische Schützenhilfe hoffen. Oranje startete dabei gut und bereits in der ersten Minute musste Čech gegen El Ghazi eine Parade zeigen. Auch Sneijder verbuchte eine gute Chance, setzte den Ball aber drüber. Doch der Anfangssturm entpuppte sich bald als Strohfeuer. Die Tschechen zeigten sich deutlich motivierter als noch gegen die Türkei, hielten dagegen und wurden prompt durch Darida gefährlich. Die zweite Chance saß dann: Skalák bediente rechts im Strafraum Kadeřábek und der aufgerückte Hoffenheimer traf an Zoet vorbei ins kurze Eck (24.). Doch damit nicht genug. Die Vrba-Truppe riss nun das Spiel an sich und legte sich ins Zeug. In der 35. Minute schlief dann die komplette Hintermannschaft der Hausherren. Nach Gebre Selassies Einwurf auf der linken Seite leitete Necid den Ball auf Šural weiter, der spielend an van Dijk vorbeizog und ebenso locker zum 0:2 einschob (35.). Trainer Blind brachte van Persie für Riedewald, gefährlich wurden die Niederländer dennoch nicht. Als Depay nach Sneijder-Pass einmal durchbrach wurde er vom grätschenden Suchý von den Beinen geholt. Schiedsrichter Skomina (Slowenien) schickte den Innenverteidiger mit Rot vom Platz (43.). Mit Abwehrspieler Procházka für Angreifer Necid vervollständigte Vrba seine Defensive wieder und selbst in Unterzahl blieben die Gäste besser. In der 66. Minute dann ein Sinnbild der Oranje-Quali: van Persie köpfte einen Freistoß von Skalák unbedrängt ins eigene Tor. Gerade als bei Huntelaar und Co. die Lichter ausgingen, traf der Schalker nach einer Sneijder-Ecke (70.). Ein Aufbäumen blieb aber aus. Zwar verkürzte van Persie nach einer Kopfballverlängerung des ebenfalls eingewechselten Dost auf 2:3 (83.), mehr als Ergebniskosmetik war das aber nicht mehr. Während die Tschechen sich den Gruppensieg sicherten, findet erstmals seit 1984 eine Europameisterschaft ohne die Niederlande statt.

Kapitän Arda Turan und Co. zeigten gegen Island wenig, dürfen aber trotzdem das EM-Ticket feiern.

Für die Türkei hätte bereits ein Punktgewinn genügt, um Platz Drei zu sichern. Ein Sieg über Island und ein Erfolg Kasachstans über Lettland im Parallelspiel dagegen ermöglichten den Terim-Schützlingen es sogar, Ungarn als besten Dritten abzufangen und sich so direkt für die EM zu qualifizieren. In Konya starteten aber die Gäste aus dem hohen Norden besser, erst nach zwanzig Minuten kamen die Hausherren langsam in die Partie. Mehr als zwei Abschlüsse von Oğuzhan Özyakup und Volkan Şen, die beide das Tor klar verfehlten, bekamen die lautstarken Zuschauer aber nicht zu sehen. Insbesondere von den Türken kam viel zu wenig, Island stand sicher und setzte vereinzelt Nadelstiche. Da Jón Daði Böðvarsson aber in aussichtsreicher Position verstolperte kamen aber auch die bereits qualifizierten Lagerbäck-Schützlinge zu keiner guten Chance. Wenn überhaupt möglich verflachte das Geschehen in Halbzeit Zwei nur noch weiter. Island hielt gegen ideenlose und seltsam unmotivierte Türken die Null und hatte durch einen Kopfball von Kolbeinn Sigþórsson, der das Ziel klar verfehlte, sogar die beste „Gelegenheit“ einer unterdurchschnittlichen Partie. Auch die Nachricht von Kasachstans Führung gegen Lettland brachte keinen Druck in die Angriffe der Terim-Truppe. Stattdessen traf eingewechselte Gökhan Töre bei einem frustgeladenen Einsteigen die rechte Wade von Jón Daði Böðvarsson und musste völlig zu Recht mit Rot vom Feld (77.). In Unterzahl traf Arda Turan nach einer Einzelaktion das Außennetz, ansonsten blieb die Leistung mau. In der 89. Minute legte sich dann Selçuk İnan aus 24 Metern halblinker Entfernung den Ball zurecht und versenkte den folgenden Freistoß perfekt im linken Winkel (89.). Nach Schlusspfiff durfte dank kasachischer Hilfe die Jubelfeier beginnen, wobei die zu vorige „Leistung“ die wenigsten Fans störte.

Die Heldenrolle in späteren Erinnerungen wird neben Selçuk İnan aber auch Islambek Quat innehaben. Der Mittelfeldmann erzielte in Riga den 1:0-Siegtreffer für Kasachstan, wodurch die Zentralasiaten die Gastgeber auf Rang Sechs verwiesen. Daher wurden die türkischen Ergebnisse gegen Lettland (1:1, 1:1) aus der Wertung gestrichen, sodass Ungarn noch überflügelt werden konnte. Der Sieg der Gäste war dabei völlig verdient, dass die Balten nach einer passablen Anfangsphase und einer ersten Annäherung von Zjuzins ihre Beteiligung am Spielgeschehen aufgaben. Lediglich Keeper Vaņins stemmte sich gegen eine Niederlage und verhinderte durch Paraden gegen Quat und Engel einen Rückstand. In der 65. Minute verlängerte dann Nöserbaev in den Lauf von Quat, der von zwei Verteidigern bei seinem Lauf in den Sechzehner nicht gestört wurde und schließlich im Fallen einschob. Ein Aufbäumen der Letten blieb aus, vielmehr verpassten Šomkó und Nöserbaev einen höheren Sieg, da Vaņins im Gegensatz zu seinen Vorderleute nicht aufgab.

Tabelle: 1. Tschechische Republik (22 Punkte/19:14 Tore), 2. Island (20/17:6), 3. Türkei (18/14:9), 4. Niederlande (13/17:14), 5. Kasachstan (5/7:18), 6. Lettland (5/6:19)

Gruppe B: Medunjanin-Doppelpack bringt Bosnien in die Play-Offs

Umzingelt, aber doch überlegen: Belgien und Origi hatten gegen Israel kaum Probleme.

Israel musste in Belgien gewinnen, um noch Chancen auf die Play-Offs zu haben. Abgesehen von einem Zahavi-Freistoß, der am Pfosten landete (21.), kam von den Gästen aber nichts. Das bereits qualifizierte Belgien hatte in Brüssel das Heft fest in der Hand und erspielte sich in den ersten fünf Minuten gleich drei Gelegenheiten von Hazard, De Bruyne und Nainggolan. Auch danach blieb Torwart Marciano überbeschäftigt und durfte Schüsse von Fellaini und Mertens parieren. Insgesamt musste der in Belgien spielende Schlussmann sechs Paraden zeigen, die Hausherren feuerten 26 Torschüsse ab. Lukaku sollte des überfällige 1:0 nicht gelingen, der Stürmer umspielte zwar Marciano, traf dann aber nur das Außennetz. Bei Kompanys Kopfball wiederum war der 26-jährige wieder auf dem Posten. Beim 1:0 von Mertens, der von De Bruyne bedient links im Strafraum abzog und ins kurze Eck traf, sah der Schlussmann aber nicht gut aus (64.). Eine gute Viertelstunde später setzte De Bruyne einen Freistoß aus 23 Metern halblinker Position in die Maschen, wieder traf Marciano eine Teilschuld (78.). Israels Abwehr zerfiel nun, Hazard hatte nach Mertens-Zuspiel jede Menge Platz im Strafraum und vollendete lässig (84.). Israels Hoffnungen waren längst dahin, Hemeds Kopfballtor nach Zahavi-Flanke hatte nur noch statistischen Wert (88.). Belgien fährt damit nach Startproblemen als Gruppensieger zur EURO.

Lies sich zu Recht feiern: Haris Medunjanin war mit zwei Toren maßgeblich an Bosniens Sieg auf Zypern beteiligt.

Für Zypern und Bosnien-Herzegowina ging es um fiel: Der Sieger würde in die Play-Offs einziehen und damit die Chance auf die erste EM-Teilnahme überhaupt am Leben erhalten. In Nicosia waren es dabei die Gäste, die den ersten Erfolg verbuchten. Medunjanin – seit zwei Jahren ohne Länderspieltor – zog aus 25 Metern direkt ab, sein Schuss drehte sich perfekt ins linke Eck (13.). Ibišević hätte die Partie nach einem Abwehrfehler gar frühzeitig entscheiden können, scheiterte aber frei vor Georgallides am Pfosten (24.). Die Zyprer erholten sich rasch vom Rückschlag und kamen bald zurück ins Spiel – auch mit Hilfe von Begović. In der 26. Minute hatte der Keeper Probleme mit einem Laban-Freistoß, konnten den anschließenden Schuss von Mytidis aber parieren. Nicht so sechs Minuten später. Efrem kombinierte sich mit Antoniades in den Strafraum und zog aus halblinker Position ab. Begović versprang der haltbare Schuss, sodass Charalambides aus kurzer Distanz den Ball über die Linie drücken konnte (32.). Mit dem Schwung in Rücken griff Zypern weiter an und wurde vier Minuten vor der Pause belohnt. Diesmal kombinierten sich Demetriou und Makridis an die Grundlinie, die folgende Hereingabe drückte Mytidis am ersten Pfosten ins kurze Eck (41.). Lange sollte die Freude über die Führung nicht anhalten. Wieder nur drei Zeigerumdrehungen später legte Lulić sich auf der linken Außenbahn zurecht, seine Flanke konnte der allein gelassene Medunjanin am rechten Eck des Fünfmeterraums problemlos verwerten (44.). Nach der Pause beruhigte sich das Geschehen, erst zwanzig Minuten nach Wiederbeginn bot sich ein Hochkaräter für Ibišević. Die folgende Ecke wurde geklärt, Lulić flankte daraufhin noch einmal herein, der eingewechselte Đurić stieg am höchsten und köpfte zum 2:3 ein (67.). Auf diesen Rückschlag hatten die Zyprer keine Antwort mehr, sodass Bosnien sich dank des Sieges für die Play-Offs qualifiziert.

Abgedreht: Aaron Ramsey brachte Wales gegen Andorra in der 50. Minute in Front, die Party in Cardiff begann schon vorher.

In Cardiff herrschte zum abschließen Gruppenspiel der bereits qualifizierten Waliser gegen Schlusslicht Andorra Partystimmung. Doch wie schon im Hinspiel (2:1, Doppelpack Bale) verteidigten die Kicker aus den Pyrenäen das eigene Tor verbissen und bereiteten den Favoriten Probleme. Zudem war Torwart Pol gut aufgelegt, parierte gegen Bale, Gunter und sogar gegen den eigenen Mann Llovera nach dessen missglückter Abwehraktion. Ein sich stark senkender Kopfball vom Ramsey in Minute 44 wurde ebenfalls vom 32-jährigen entschärft, sodass zur Pause ein überraschendes 0:0 stand. Dieses hatte jedoch nur für fünf weitere Minuten Bestand. Pol konnte einen Williams-Kopfball nach Bale-Flanke noch abwehren, war gegen Ramseys Abstauber aber machtlos (50.). Andorra, dessen 39-jähriger Kapitän Sonejee sein letztes Länderspiel absolvierte, verteidigte jedoch weiter hartnäckig. Ramsey verzog nach einem Solo knapp, Williams und Vokes vermochten es nicht, Pol aus kurzer Distanz zu überwinden. So war es passenderweise Bale, der nach Vaughan-Flanke aus der Drehung einschoss und den 2:0-Endstand markierte (86.).

Tabelle: 1. Belgien (23 Punkte/24:5 Tore), 2. Wales (21/11:4), 3. Bosnien-Herzegowina (17/17:12), 4. Israel (13/16:14), 5. Zypern (12/16:17), 6. Andorra (0/4:36)

Gruppe H: Italien dreht Rückstand, Perišić bringt Kroatien zur EURO

Knock-out für Norwegen: Graziano Pellè dreht das Spiel mit seinem Treffer zum 2:1.

Tief stehen und auf Fehler der Italiener lauern. So lautete Norwegens Plan, um in Italien zu gewinnen und so die direkte Qualifikation zu sichern. Bereits nach 50 Sekunden hätte Pellè diesen Plan beinahe über den Haufen geworfen, sein Kopfball verfehlte das Tor aber haarscharf. In der Folge war die Strategie aber erfolgreich. Italien kam nicht gefährlich zum Abschluss, auf der Gegenseite nutzen die Wikinger ihre erste Chance. Chiellini klärte einen Freistoß an die Strafraumgrenze, wo Tettey volley abzog und zum 0:1 traf (23.). Zehn Minuten lang suchte Italien vergeblich nach einer Antwort, dann begann ein wahres Feuerwerk an Chancen. Pellè per Kopf, Soriano, erneut Pellè und Florenzi – alle scheiterten am bärenstarken Nyland. Die Azzurri rannten in Halbzeit Zwei weiter an, doch auch Éder brachte den Ball nicht an Nyland vorbei. Letztendlich war es ein individueller Blackout, der den verdienten Ausgleich brachte. Eine Flanke des eingewechselten Giovinco wollte Aleesami per Brust zu seinem Torwart ablegen, Florenzi spritzte dazwischen und spitzelte den Ball in die Maschen (73.). Statt einer Antwort der Gäste nahm der Sturmlauf der Italiener weiter zu. Nyland verhinderte gegen den auffälligen Giovinco noch das zweite Gegentor. Bei einem Tempogegenstoß war Florenzi auf rechts durch, seine Flanke setzte Pellè per Aufsetzer ins Netz und belohnte sich so für seine engagierte Leistung (82.). Norwegen fand keinen Weg mehr zurück in die Partie und muss daher in die Play-Offs.

Ivan Perišić war einmal mehr Kroatiens Matchwinner. Das 1:0 auf Malta sicherte Platz Zwei. 

Kroatien musste seine Pflichtaufgabe auf Malta erledigen und gleichzeitig auf Unterstützung Italiens hoffen. Der gegen Bulgarien starke Kalinić scheiterte mit einer ersten Chance an Hogg, auch die Malteser kamen durch Effiong zu einem guten Abschluss. Die beruhigende Führung gelang schließlich dem kongenialen Partner von Kalinić, Perišić, der mit einem abgefälschten Halbvolley von der Strafraumgrenze traf (25.). Danach ließ Kroatiens Druck nach, die Gedanken waren sichtlich beim Parallelspiel. Pjaca hatte zwei Chancen, um zu erhöhen, Subašić musste gegen Effiong erneut eingreifen. Da die Hausherren keine wirkliche Schlussoffensive starten konnten, blieb es beim knappen 0:1, das für Kroatien dank italienischer Schützenhilfe reichte.

Keinerlei Relevanz mehr hatte das Spiel zwischen Bulgarien und Aserbaidschan. Popov war in Sofia der aktivste Spieler, feuerte einige Torschüsse ab und legte das 1:0 von Aleksandrov perfekt per Eckball auf, sodass der Flügelspieler nur noch einköpfen musste (20.). Von den blassen Gästen war bis auf einige Fernschüsse, darunter ein guter Versuch von Əmirquliyev, wenig zu sehen. Ohne zu überragen brachte Bulgarien den Sieg nach Hause. Živko Milanov bereitete mit einem entschlossenen Antritt und anschließender Maßflanke das 2:0 auf Rangelov mustergültig vor, der Ex-Cottbuser ließ Ağayev ebenfalls per Kopf keine Chance (56.). Ivo Ivanov und Hristov in der Nachspielzeit ließen weitere gute Gelegenheit aus.

Tabelle: 1. Italien (24 Punkte/16:7 Tore), 2. Kroatien (20/20:5), 3. Norwegen (19/13:10), 4. Bulgarien (11/9:12), 5. Aserbaidschan (6/7:18), 6. Malta (2/3:16)

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