EM-Quali Play-Offs: Durstrecken und Debüts

Veröffentlicht: 12. November 2015 in EURO Qualifiers 2016, UEFA
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Von Donnerstag bis Dienstag kämpfen die acht verbliebenen Gruppendritten um die vier verbleibenden EM-Tickets. Norwegen und Ungarn wollen nach langen Durstrecken wieder bei einem großen Turnier mitwirken, Bosnien peilt gegen Irland nach der ersten WM- auch die erste EM-Teilnahme an. Außerdem: das nordische Duell zwischen Schweden und Dänemark sowie die Ukraine gegen Slowenien.

Norwegen vs. Ungarn: Duell der Sehnsüchte

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So wie hier gegen Malta wollen Norwegen um Tettey und Skjelbred auch gegen Ungarn jubeln.

Norwegen war lange Zeit klarer Dritter hinter dem Spitzenduo der Gruppe H. Doch ein Ausrutscher der Kroaten gegen Aserbaidschan, sowie zwei Siege gegen Bulgarien und ein 2:0-Erfolg über Kroatien hievten die „Wikinger“ im September auf einmal auf Platz Zwei. Eine Niederlage am letzten Spieltag nach Führung in Italien nach anfänglicher Führung bedeutete, das die Skandinavier doch den Umweg über die Play-Offs gehen müssen. Die Sehnsucht nach einer Teilnahme ist groß: Seit der Jahrtausendwende waren die Norweger nicht mehr bei einem Turnier dabei, zuletzt bei der EURO 2000 und der WM 1998. Trainer Per-Mathias Høgmo coacht eine Mannschaft, deren Stärke die Geschlossenheit ist. Weder offensiv (13 Tore), noch defensiv (10 Tore) brillierte Norwegen in der Quali, setzte sich aber gegen die unbequemen Bulgaren (2:1, 1:0) und auch in Oslo gegen Kroatien durch. Um dem Platz Tor duellieren sich die Bundesliga-Keeper Jarstein (Hertha) und Nyland (Ingolstadt). In der Viererkette davor sind Hovland (Nürnberg), Elabdellaoui (Olympiacos Piräus, zuvor u.a. Braunschweig) und Forren (Molde) gesetzt, wobei letzterer auch bei Standards enorme Gefahr nach vorne ausstrahlt. Auch im Mittelfeld tummeln sich mit Nordtveit (Gladbach) Kapitän Skjelbred (Hertha) Bundesliga-Spieler, die von Johansen (Celtic), Tettey (Norwich) und Top-Talent Ødegaard (Real Madrid), der als einer der wenigen für kreative Ideen zuständig ist, unterstützt werden. Insbesondere im Sturm drückt der Schuh. Da Hoffenheims Elyounoussi weiter verletzt ist, gibt Alexander Søderlund (Rosenborg) in der Regel die Sturmspitze, Alternativen sind rar. Mit Play-Offs machten die „Wikinger“ schon mehrmals negative Erfahrungen. Bei der Qualifikation für die EM 2004 gab es gegen Spanien zwei Niederlagen (1:2, 0:3), 2006 scheiterte man an der Tschechischen Republik (0:1, 0:1). Zuhause sind die Skandinavier seit drei Pflichtspielen ungeschlagen, für das Rückspiel droht aber gleich vier wichtigen Spielern (Forren, Søderlund, Nordtveit, Høgli) eine Gelbsperre. Høgmo betont, dass sein Team sich noch in der Entwicklung befindet. Eine Turnierteilnahme würde diese sicherlich vorantreiben.

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Ungarns Nationalelf will nach gut dreißig Jahren wieder an einem großen Turnier teilnehmen.

Auch Ungarn erlebte am letzten Spieltag einen Rückschlag. Bis in die 89. Minute des letzten Qualispieltags waren die „Magyaren“ als bester Gruppendritter qualifiziert, bis der Türkei das entscheidende Tor gelang. Somit geht es für Trainer Bernd Storck und Co. in die Play-Offs. Für Stürmer Németh sind die beiden Spielen „die wichtigsten meiner Karriere“. Seit der WM 1986 waren die Erben von Puskás und Co. nicht mehr für eine WM und EM qualifiziert, das Warten soll nun ein Ende haben. Topspieler hat Storck, der für den bei Hertha unter Vertrag stehenden Dárdai übernahm, kaum im Team, das Gros der Akteure verdient ihr Geld in der heimischen Liga. Im Tor steht der mittlerweile 39-jährige Király, der in Oslo vor seinem 100. Länderspiel steht. Auch Stürmer Szalai (Hoffenheim) und Flügelspieler Stieber (Hamburg) sind aus der Bundesliga bekannt. Kapitän Balázs Dzsudzsák spielt mittlerweile bei Bursapor. Ein echter Knipser fehlt, in zehn Spielen gelangen neun Spielern elf Tore. An das einzige jemals absolvierte Play-Off haben die Ungarn schlechte Erfahrungen: 1:7 und 0:5 lauteten die Resultate 1997, als es gegen Jugoslawien um die WM 1998 in Frankreich ging. Gegen Norwegen gelang seit 30 Jahren (sechs Spiele) kein Sieg mehr. In Oslo fehlt zudem Abwehrchef Juhász gelb-gesperrt. Ein Schicksal, das im Rückspiel in Budapest vier seiner Mitspieler (Dzsudzsák, Gera, Elek, Németh) treffen könnte. Dementsprechend gilt es, sich durch ein Auswärtstor eine gute Ausgangsposition zu verschaffen, wie auch Kapitän Dzsudzsák anmerkt.

Vorschau:

Anpfiff: 20.45 Uhr, Ullevaal Stadium/Oslo

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England)

Mögliche Aufstellung (NOR): Nyland – Elabdellaoui, Forren, Hovland, Høgli – Skjelbred, Johansen, Tettey, Berget – Henriksen – Søderlund

Fraglich (NOR): Høgli (Rückenprobleme)

Mögliche Aufstellung (HUN): Király – Leandro, Kádár, Guzmics, Fiola – Elek, Nagy – Dzsudzsák, Gera, Németh – Nikolić

Gesperrt (HUN): Juhász (3. Gelbe Karte)

Bosnien-Herzegowina vs. Irland: Zmajevi gegen Shamrock

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Bosnien will die erste EM-Teilnahme überhaupt sichern.

Das Bosnien-Herzegowina überhaupt die Play-Offs erreicht, erwarteten nach den ersten Spielen die wenigsten. Der WM-Teilnehmer war als Favorit in Gruppe B gestartet, nach Niederlagegen gegen Zypern (1:2 H) und Israel (0:3) hatten die „Zmajevi“ (Drachen) gerade einmal zwei Punkte aus vier Spielen auf dem Konto. Trainer Safet Sušić musste gehen, unter Nachfolger Mehmed Baždarević stabilisierten sich die Leistungen. Zudem profitierte man von Ausrutschern der Konkurrenz, die wichtigen eigenen Partien gegen Israel (3:1), Wales (2:0) und Zypern (3:2) gewannen Pjanić und Co. Damit bleibt die Chance auf die erste EM-Qualifikation überhaupt erhalten, nach der eher enttäuschenden WM mit Aus in der Gruppenphase sehen viel Fans in der Quali ein Muss. Schließlich ist das Team namhaft besetzt. Torwart Begović spielt bei Chelsea momentan sogar regelmäßig, da die Nummer 1 Courtois verletzt ist. Doch sowohl im Nationaltrikot als auch für den Verein leistete sich der Schlussmann zuletzt Patzer. Die Abwehr mit Šunjić (Stuttgart), Spahić (Hamburg), Bičakčić (Hoffenheim), Mujdža (Freiburg) und Kolašinac (Schalke) besteht fast nur aus Bundesligaspielern. Auch im Mittelfeld ist das Team mit Regisseur Pjanić (AS Rom), Medunjanin (La Coruña), Lulić (Lazio Rom), dem Ex-Hoffenheimer Salihovic (Guizhou Rehne) und Višća (İstanbul BB) gut besetzt. Nur im Sturm drückt der Schuh etwas. Kapitän Džeko (AS Rom) war zuletzt verletzt, Ibišević (Hertha) gesperrt. Ersatzmann Milan Đurić erzielte gegen Wales und Zypern wichtige Tore. Verletzungssorgen gibt es keine, nur Abräumer Bešić sitzt im Hinspiel noch seine Rotsperre ab. Jedoch müssen gleich sechs vorbelastete Spieler (Begović, Džeko, Hadžić, Pjanić, Spahić, Šunjić) vorsichtig sein. Play-Offs wecken beim Team von Balkan aber eher schlechte Erinnerungen. Gegen Portugal (EM 2012, 0:0, 2:6 und WM 2010, 0:1, 0:1) gab es zweimal bittere Erfahrungen. Gegen Irland sind die Bosnier diesmal Favorit. Das ausverkaufte Stadion in Zenica wird auf jeden Fall hinter dem Team stehen.

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Auf Daryl Murphy ruhen zumindest in Zenica Irlands Hoffnungen im Sturm.

Auch Irlands Chancen auf die EM-Teilnahme waren zwischenzeitlich gering, nachdem gegen Konkurrent Schottland nur ein Punkt geholt wurde (0:1, 1:1). Doch ein Patzer der Bravehearts in Georgien und ein eigener Sieg über Weltmeister Deutschland brachte die Iren auf Rang Drei, am letzten Spieltag verlor man gegen Polen (1:2) und verpasste so die Chance auf das direkte Qualiticket. Vor den Play-Offs plagen die Männer von der Grünen Insel und Coach O’Neill Personalsorgen. Die Torhüter Given und Westwood fallen verletzt aus, Abwehrchef O’Shea fehlt ebenso gesperrt wie Angreifer Walters. Auch Long, Siegtorschütze gegen Deutschland, wird verletzt für das Hinspiel ausfallen. Somit wird wohl Daryl Murphy, der in der zweiten englischen Liga für Ipswich Town spielt, im Sturm beginnen. Im Nationaltrikot wartet der 32-jährige aber immer noch auf sein erstes Tor. Mit Coleman, Hoolahan, McCarthy, Whelan und Wilson droht zudem fünf Spielern eine Gelbsperre. Die Aussichten könnten also besser sein für das Team um Sturm-Talisman Robbie Keane. In den bisherigen drei EURO-Play-Offs gab es zwei Pleiten gegen die Niederlande (EM 1996) und die Türkei (EM 2000), erst gegen Außenseiter Estland wurde das Play-Off für die EM 2012 gewonnen.

Vorschau:

Anpfiff: 20.45 Uhr, Stadium Bilino polje/Zenica

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (Deutschland)

Mögliche Aufstellung (BIH): Begović – Mujdža, Vranješ, Šunjić, Spahić – Zukanović, Medunjanin, Pjanić, Lulić – Ibišević, Džeko

Gesperrt (BIH): Bešić (Rot)

Fraglich (BIH): Zec (Rücken), Aničić (Nasenbeinbruch)

Mögliche Aufstellung (IRL): Randolph – Coleman, Keogh, Clark, Ward – McClean, Whelan, McCarthy, Hendrick, Brady – Murphy

Gesperrt/Verletzt (IRL): O’Shea (Gelb-Rot), Walters (3. Gelbe Karte), Given (Knie), Long (Knöchel), Meyler (Knie), Westwood (Knöchel)

Fraglich (IRL): Artur (Leiste)

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