Berezúckij lässt Englands Horrorserie bestehen

Veröffentlicht: 11. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Es bleibt dabei: England kann sein Auftaktspiel bei Europameisterschaften nicht gewinnen. Gegen Russland dominierten die „Three Lions“ zwar insbesondere in der ersten Halbzeit das Geschehen auf dem Rasen klar, die wenigen Hochkaräter ließen Sterling und Co. aber liegen. Die Sbórnaja beschränkte sich weitestgehend aufs Verteidigen und startete erst in der zweiten Hälfte eigene Angriffsbemühungen. Ein Freistoßtor von Dier schien dann die Männer von der Insel erlöst zu haben. Doch in der Nachspielzeit schlug Berezúckij eiskalt zu.

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Hart und Smalling sind machtlos: Berezúckij (nicht im Bild) gleicht in der Nachspielzeit aus.

Die Qual der Wahl hatte Englands Trainer Roy Hodgson im Angriff: Vardy? Kane? Rashford? Rooney? Sturridge? Der 68-jährige überraschte und bot Kapitän Rooney an der Seite von Youngstar Alli im Mittelfeld auf. Die Sturmspitze besetzte Kane, ihn flankierten Lallana (rechts) und Sterling (links).

Schalkes Roman Neustädter, rechtzeitig zur EURO eingebürgert, war der einzige Legionär in Russlands Startelf und besetzte zusammen mit Golovín die Doppelsechs. Im Sturm startete wenig überraschend Quali-Torjäger Dzjúba, in der Innenverteidigung die Veteranen Ignašévič (36 Jahre) und Kapitän Vasílij Berezúckij (33 Jahre).

Nach dem Anpfiff von Referee Nicola Rizzoli (Italien) im vollen Stade Vélodrome übernahm England rasch die Kontrolle über das Spiel und versuchte durch schnelle Spielzüge über die Außenbahnen die russische Defensive zu knacken. Die Folgen waren einige kleinere Gelegenheiten: Allis Fernschuss flog drüber (4.), dann kombinierten Walker und Lallana stark, Akinféev lenkte den Schuss des Liverpool-Akteurs mit einem Reflex über die Latte (7.). Zwei Minuten später verlängerte Alli eine Sterling-Flanke per Kopf, Kane verpasste knapp (9.). Englands Sturmspitze leitete die nächste Szene ein, seine Ecke köpfte Smalling in die Arme von Akinféev (12.).

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Raheem Sterling, hier gegen Roman Neustädter, war in der ersten Halbzeit einer der Aktivposten.

Russland ging offensiv sehr vorsichtig vor, einziges Rezept waren meist hohe Bälle auf Dzjúba. Wenig überraschend kam der erste Abschluss per Standard: Šátovs Freistoß fand den aufgerückten Ignašévič, dessen Kopfball landete bei Hart (15.). Es war einer der seltenen Akzente der Osteuropäer, die ansonsten in der Defensive ausgelastet waren. Insbesondere Walker und Lallana sorgten für Gefahr, letzterer schoss nach Doppelpass mit seinem Außenverteidiger aus sieben Metern am langen Eck vorbei (22.).

70 Prozent Ballbesitz und eine bessere Zweikampfquote (66 Prozent) für das Mutterland des Fußballs sprachen eine deutliche Sprache, auch der Zug zum Tor fehlte nicht. Bis zur Pause gab es aber nur noch eine gute Gelegenheit. Der starke Alli legte mustergültig für Rooney auf, der Kapitän platzierte seinen Direktschuss aber genau auf Keeper Akinféev (35.). Dennoch war das torlose Remis zur Pause für die Sbórnaja schmeichelhaft.

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Passt: Eric Dier markiert per Freistoß das 1:0.

Ihre Passivität ließen die Russen in der Kabine zurück, denn mit Wiederanpfiff störten Neustädter und Co. früher, hielten den Gegner so vom eigenen Tor weg und starteten eigene Angriffe. Resultat davon war allerdings eine weitgehende Pattsituation im Mittelfeld, Torszenen wurden seltener. Rooneys Freistoß streifte noch das Tornetz (55.), Dier prüfte nach einer Ecke den eigenen Torwart – Hart war der Aufgabe gewachsen (59.). Vier Minuten später die erste echte Gelegenheit des künftigen WM-Gastgebers: Smólov nahm aus knapp 20 Metern Maß und setzte den Ball nur knapp am rechten Pfosten vorbei (63.).

Die nächste Großchance bot sich dann Rooney: Eine schlecht geklärte Hereingabe von Rose landete beim Kapitän, der aus 15 Metern abzog. Akinféev reagierte stark und lenkte den Schuss noch an die Latte (71.). Knapp 120 Sekunden später machte der Keeper eine weniger gute Figur. Alli holte gegen Ščénnikov am Sechzehnerrand einen fragwürdigen Freistoß raus. Dier trat an und schoss aus 17 Metern zentraler Position mit Wucht und Effet auf das Torwarteck. Akinféev bekam die Hände nicht mehr hoch, sodass das Kunstleder unter der Latte einschlug (73.).

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Reklamieren zwecklos: Beim 1:1 von Kapitän Berezúckij war alles regulär.

Nun waren die Russen gefordert, Trainer Slúckij brachte mit Širókov, Glušakóv und Mamáev gleich drei Mal neues Personal. Eine Lücke in der gegnerischen Defensive fanden diese aber auch nicht. England setzte einzelne Gegenangriffe und nahm so Druck raus und Zeit vor der Uhr. Eine letzte Gelegenheit in der Nachspielzeit konnten sie dennoch nicht verhindern. Ščénnikov flankte von links, der aufgerückte Innenverteidiger Berezúckij übersprang Rose und köpfte über Hart hinweg ins lange Eck. Glušakóv hielt noch den Fuß hin, der Ball war zum Zeitpunkt des Kontaktes wohl aber schon hinter der Linie (90.+2). Wer getroffen hatte war für die Russen in diesem Moment ohnehin zweitrangig.

Auch das neunte EM-Auftaktspiel endete damit nicht mit einem Sieg der „Three Lions“. Am Donnerstag wartet das Insel-interne Duell mit Wales auf Rooney und Co. (15 Uhr). Russland ist bereits einen Tag zuvor gegen die Slowakei im Einsatz (15 Uhr).

Statistik:

Tore: 1:0 Dier (73., direkter Freistoß, Rechtsschuss), 1:1 V. Berezúckij (90.+2, Kopfball, Ščénnikov)

Aufstellung (England): Hart – Walker, Cahill, Smalling, Rose – Dier – Alli, Rooney – Lallana, Sterling – Kane

Aufstellung (Russland): Akinféev – Smól’nikov, V. Berezúckij, Ignašévič, Ščénnikov – Neustädter, Golovín – Kokórin, Šátov, Smólov – Dzjúba

Wechsel (England): 78. Wilshere für Rooney, 87. Milner für Sterling

Wechsel (Russland): 77. Širókov für Golovín, 80. Glušakóv für Neustädter, 85. Mamáev für Smólov

Bank (England): Forster (Tor), Heaton (Tor), Bertrand, Clyne, Stones, Barkley, Henderson, Rashford, Sturridge, Vardy

Bank (Russland): Guilherme (Tor), Lodýgin (Tor), A. Berezúckij, Kombárov, Šíškin, Ivanóv, Jusúpov, Samédov, Torbínskij

Gelbe Karten: Cahill (62., Foulspiel) – Ščénnikov (72., Foulspiel)

Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien) – Elenito Di Liberatore (Italien), Mauro Tonolini (Italien) – Daniele Orsato (Italien), Antonio Damato (Italien) – Anastásios Sidīrópoulos (Griechenland) – Damianós Euthymiádīs (Griechenland)

Anstoßzeit und Spielort: 11. Juni 2016/21:00 Uhr (UTC+2), Stade Vélodrome/Marseille

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Kommentare
  1. […] Berezúckij lässt Englands Horrorserie bestehen […]

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  2. […] Nationaltrainer Roy Hodgson setzte auf die Elf, die gegen Russland ein spätes Gegentor zum 1:1 kassierte. Sein Gegenüber Chris Coleman dagegen nahm drei Änderungen im Vergleich zum 2:1 gegen die […]

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  3. […] Für Russland geht es dabei nicht nur um wichtige Tests vor der Heim-WM, sondern auch um Wiedergutmachung für eine schlechte Europameisterschaft. In Gruppe B wurde die Sbórnaja hinter Wales, England und der Slowakei Letzter. Lediglich gegen die „Three Lions“ gelang hierbei ein Punktgewinn (1:1). […]

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