Milik durchbricht Nordirlands Beton

Veröffentlicht: 12. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Nicht Superstar Robert Lewandowski, sondern Sturmpartner Arkadiusz Milik war beim hart erarbeiteten 1:0-Erfolg Polens über Nordirland der Held des Tages. Gegen einen extrem defensiv agierenden EM-Debütanten waren die Rot-Weißen über die gesamte Spieldauer das bessere Team, fanden aber nur selten einen Weg durch den Abwehrbeton. Erst nach Miliks Führungstor weichte dieser etwas auf, offensiv gefährlich wurden Lafferty und Co. aber nie. Da auch die Polen nicht mit letzter Macht auf das zweite Tor drängten, blieb es beim 1:0.

Treffer versenkt: Arkadiusz Milik erlöst sein Land in Minute 51.

Adam Nawałka setzte auf das in der Qualifikation bewährte 4-4-2-System mit dem Sturmduo Lewandowski und Milik. Die offensiven Flügel besetzten Blaszczykowski und der 19-jährige Kapustka, der für den angeschlagenen Grosicki beginnen durfte. Im Tor hatte sich Szczęsny gegen die Konkurrenten Fabiański und Boruc durchgesetzt. Krychowiak vom Europa League-Sieger Sevilla sollte vor der Abwehr für Ordnung sorgen.

Nordirlands Trainer Michael O’Neill baute auf ein 5-4-1-System mit Kyle Lafferty als einziger Spitze. Kapitän Steven Davis war der einzig offensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler, die Strategie der Nordiren war somit klar: Beton anrühren.

Das sollte sich bewahrheiten: Die Polen dominierten das Spiel nach Belieben, verbuchten über 70 Prozent Ballbesitz, kamen aber gegen sich im eigenem Strafraum verschanzenden Nordiren kaum zu Abschlüssen. Zwei kleinere Halbchancen von Milik (5., 8.) waren die einzig nennenswerten Torszenen in der Anfangsphase. Zwar probierten es Błaszczykowski und Jędrzejczyk immer wieder über die Flügel, die Hereingaben und Flanken waren aber leichte Beute für die hochgewachsenen nordirischen Defensivspieler. Tempo kam gegen diese massierte Mauer kaum auf.

Immerhin gelang Milik nach fast einer halben Stunde ein weiterer Abschluss, McGovern hatte mit dem Distanzversuch aber im Nachfassen keine Probleme (29.). Wesentlich knapper wurde es zwei Zeigerumdrehungen später: Piszczek konnte bis an die Grundlinie vordringen und gab zurück auf Milik, der geschickt verzögerte, aus sechs Metern dann aber über das Tor feuerte (31.). Die „Green and White Army“ kam ihrerseits nicht aus der eigenen Hälfte, Ziel war offenbar lediglich, kein Gegentor zu kassieren. Bis zur Pause klappte dies auch, da McGovern einen Volleyschuss von Kapustka über die Querlatte lenkte (39.).

Eng bewacht: Superstar Robert Lewandowski hatte nur wenige Szenen.

Sechs Minuten nach Wiederanpfiff durchbrach dann Milik zur Erleichterung der polnischen Fans den nordirischen Beton. Evans klärte per Kopf nicht weit genug, Mączyński bediente sofort Błaszczykowski auf rechts, der Richtung Grundlinie vordrang, dann aber mit Übersicht an die Sechzehnergrenze legte. Dort lauerte Milik und versenkte das Spielgerät per Flachschuss durch die Beine von Cathcart im rechten unteren Eck (51.).

Nordirlands bisherige Taktik war damit hinfällig, die Umstellung auf Offensive verlief aber nur schleppend. Einziges Resultat war, dass die Polen nun etwas mehr Räume bekamen. Milik nutzte einen solchen und setzte Błaszczykowski rechts in Szene, die Nummer 16 verfehlte das lange Eck aber (68.). Wirklich energisch drängten die Ostmitteleuropäer jedoch nicht auf das entscheidende zweite Tor, sodass die Partie offen blieb. Bei Nordirland kam Washington für Ferguson, O’Neill löste somit die Fünferkette auf (66.). Der Joker hatte auch Nordirlands erste Chance im Spiel und überlief Jędrzejczyk, der bis dahin beschäftigungslose Szczęsny war aber zur Stelle (71.).

Die Hürde Nordirland übersprangen Polen und Bartosz Kapustka letztendlich knapp, aber souverän.

Etwas lebendiger wurde die insgesamt sehr mäßige Begegnung in der Schlussphase. Der eingewechselte Grosicki schoss nach einem Abwehrfehler vorbei (81.), Milik in die Arme von McGovern (82.). In Minute 86 überraschte ein schnell ausgeführter Freistoß Polens Defensive, die Glück hatte, dass Dallas das Spielgerät nicht kontrollieren konnte. Näher sollten die bemühten, aber schlicht zu harmlosen Nordiren nicht mehr an den Ausgleich kommen. Nachdem Krychowiak einen wuchtigen Distanzschuss in die Werbebande geknallt hatte (87.), war Schluss.

Polen, dass den ersten EM-Erfolg überhaupt verbuchte, geht mit Rückenwind in das Duell mit Weltmeister Deutschland am Donnerstag (21 Uhr). Nordirlands Serie von zwölf Spielen ohne Niederlage ist vorbei, für den Debütanten geht es als nächstes gegen die Ukraine (Donnerstag, 18 Uhr).

Statistik:

Tor: 1:0 Milik (51., Linksschuss, Błaszczykowski)

Aufstellung (Polen): Szczęsny – Piszczek, Glik, Pazdan, Jędrzejczyk – Mączyński, Krychowiak – Błaszczykowski, Kapustka – Milik, Lewandowski

Aufstellung (Nordirland): McGovern – McLaughlin, Cathcart, McAuley, J. Evans, Ferguson – Baird – Davis, Norwood – McNair – Lafferty

Wechsel (Polen): 78. Jodłowiec für Mączyński, 80. Grosicki für Błaszczykowski, 88. Peszko für Kapustka

Wechsel (Nordirland): 46. Dallas für McNair, 66. Washington für Ferguson, 76. J. Ward für Baird

Bank (Polen): Boruc (Tor), Fabiański (Tor), Cionek, Salamon, Wawrzyniak, Linetty, Starzyński, Zieliński, Stępiński

Bank (Nordirland): Carroll (Tor), Mannus (Tor), Hodson, Hughes, McCullough, C. Evans, McGinn, Grigg, Magennis

Gelbe Karten: Kapustka (65., Foulspiel), Piszczek (89., Foulspiel) – Cathcart (69., Foulspiel)

Schiedsrichter: Ovidiu Alin Haţegan (Rumänien) – Octavian Şovre (Rumänien), Sebastian Eugen Gheorghe (Rumänien) – Alexandru Dan Tudor (Rumänien), Constantin Sebastian Colțescu (Rumänien) – Anastásios Sidīrópoulos (Griechenland) – Damianós Euthymiádīs (Griechenland)

Anstoßzeit und Spielort: 12. Juni 2016/18:00 Uhr (UTC+2), Allianz Rivera/Nice

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Kommentare
  1. […] ernüchternder war Nordirlands Auftritt beim 0:1 gegen Polen gewesen, der EM-Debütant hatte im Angriffsspiel erheblich Defizite aufgezeigt bekommen. Trainer […]

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  2. […] den Polen hatte sich Stammkeeper Szczęsny beim 1:0 gegen Nordirland am Oberschenkel verletzt und wurde von Fabiański vertreten. Grosicki, der nach längerer Pause […]

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