Nur Modrić belohnt Kroatien

Veröffentlicht: 12. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
Schlagwörter:, , ,

Kroatien hat im Eröffnungsspiel der Gruppe D einen hochverdienten 1:0-Erfolg über die Türkei eingefahren. Im Parc des Princes von Paris waren die „Feurigen“ dabei die klar spielbestimmende Mannschaft und belohnten sich durch die Pausenführung von Modrić. Auch nach dem Seitentausch blieben Rakitić und Co. am Drücker, ließen aber beste Gelegenheiten liegen und hatten bei zwei Aluminium-Treffern Pech. Die Türkei dagegen enttäuschte in einer intensiv und hart geführten Partie insbesondere in der Offensive und hatte Glück, am Ende keine höhere Niederlage zu kassieren.

Das Tor des Tages: Luka Modrić (nicht im Bild) überwindet Volkan Babacan aus der Distanz.

Mit kasachischer Schützenhilfe hatte sich die Türkei als bester Gruppendritter direkt für die EM qualifiziert. Vor Anpfiff ruhten die Hoffnungen vor allem auf Kapitän Arda Turan und Leverkusens Freistoßkünstler Hakan Çalhanoğlu. Im Sturm durfte sich Cenk Tosun von Meister Beşiktaş İstanbul versuchen, Burak Yılmaz blieb erst einmal auf der Bank.

Kroatiens Trainer Ante Čačić konnte insbesondere im Mittelfeld auf beneidenswerte Qualität zurückgreifen. Neben Champions League-Sieger Modrić liefen dort Rakitić, Brozović und Badelj auf. Die einzige Spitze gab Mandžukić, ihn sollte vor allem Rechtsverteidiger und Kapitän Darijo Srna mit Flanken füttern.

Die Elf vom Balkan gab auch von Beginn an die Richtung vor. Bereits in der zweiten Minute flankte Srna das erste Mal in den Strafraum, Rakitić lenkte den Ball nur knapp am Tor vorbei (2.). Insbesondere in den Zweikämpfen zeigten sich die Kroaten bissiger, zudem kreierten sie über den permanent mit aufrückenden Srna immer wieder Gefahr. Nach zwanzig Minuten ohne Torszenen fand Perišić seinen Inter-Teamkollegen Brozović, der seinen Kopfball aber nicht auf das Tor brachte (23.).

Schiedsrichter Jonas Eriksson verwarnt Cenk Tosun nach dessen Ellbogeneinsatz gegen Vedran Ćorluka.

Zwar waren auch die Türken um ein sauberes Offensivspiel bemüht, über Ansätze kamen sie dabei aber nicht heraus. Anders die Kroaten: Keeper Volkan Babacan faustete eine weitere Srna-Flanke an den Strafraumrand, dort lauerte Badelj, platzierte seinen Abschluss aber genau auf den türkischen Schlussmann (28.). Quasi aus dem Nichts wurde es dann auf einmal vor dem anderen Tor brenzlig: Gökhan Gönul brachte den Ball von rechts in die Gefahrenzone, Ozan Tufan stieg am Fünfer hoch, doch auch ihm fehlte das Zielwasser – Subašić war nicht groß gefordert, da das Kunstleder genau bei ihm landete (29.).

Die nicht zimperlich geführte Partie, in der Referee Jonas Eriksson (Schweden) eine großzügige Linie fuhr, forderte bald darauf ihr erstes Opfer. Cenk Tosun erwischte mit dem Ellenbogen Ćorluka im Luftduell, der blutend behandelt werden musste. Davon unbeeindruckt drängten die Kroaten weiter nach vorne. Ein Mandžukić-Drehschuss landete in den Armen von Volkan Babacan (39.), kurz darauf war es dann aber soweit.

Ein unorthodoxer Fallrückzieher-Klärungsschlag von Selçuk İnan landete 22 Meter vor dem Tor bei Modric, der den Ball Volley nahm und perfekt traf. Kurz vor Volkan Babacan setzte der tückische Schuss noch einmal auf und fand den Weg ins linke Eck (41.). Die Pausenführung der „Vatreni“ (Feurigen) war verdient, auch wenn Hakan Balta nach einer Ecke von Caner Erkin immerhin nochmal ein Lebenszeichen sendete. Der Kopfball des in Deutschland geborenen Innenverteidigers landete am Außennetz (45.+1).

Alle Augen auf den Ball: Srnas Freistoß knallt gegen die Latte.

Halbzeit Zwei begann mit einem geblockten Versuch vom eingewechselten Volkan Şen (48.) und einem überharten Einsteigen von Hakan Balta gegen Mandžukić, das den Verteidiger eine berechtigte Gelbe Karte einbrachte (48.). Anders Volkan Şen, der Srna am Knie traf (49.) und Ozan Tufan für ein taktisches Foul an Rakitić (51.) – beide blieben verschont. Das letztere Einsteigen zog einen Freistoß aus 18 Metern zentraler Position nach sich. Srna trat an und zirkelte den Ball an den Querbalken. Volkan Babacan wäre machtlos gewesen (52.).

Zwei Minuten später bot sich dem Außenverteidiger die nächste dicke Gelegenheit. Volkan Babacan wehrte eine Hereingabe von Perišić vor die Füße des 34-jährigen ab, der mit dem schwächeren linken Fuß aber rechts vorbei schoss (54.). Bei der Halbmond-Elf ging in der Folge gar nichts mehr, stattdessen wackelte man permanent in der Defensive. Brozović verzog, nachdem er einen Einwurf technisch stark verarbeitet hatte, hauchzart (61.), dann überlief wieder Perišić seinen Gegenspieler Gökhan Gönül auf links, Brozović kam an die Hereingabe nur noch mit der Fußspitze ran und konnte das Spielgerät nicht über die Linie drücken (67.).

Kämpfernatur: Trotz Turban und mehrmals blutender Wunde hielt Innenverteidiger Vedran Ćorluka die volle Spielzeit durch.

Fatih Termin brachte mit Burak Yılmaz und Emre Mor frische Offensivkräfte, nach vorne spielten weiter nur die Kroaten. Mandžukić fand mit einer Flanke drei Meter vor dem Tor Perišić, doch auch dem Kopfball des Ex-Wolfsburgers stand die Latte im Weg (72.). Auch Volkan Babacan hielt sein Team im Rennen, nach einem Strinić-Einwurf lenkte der Keeper einen Brozović-Kopfball über die Latte (79.). Vier Minuten später tauchte wieder Perišić nach feinem Pass von Rakitić halbrechts vor dem Keeper auf, zog aber erneut den Kürzeren (83.).

Die türkische Schlussoffensive blieb fast völlig aus, erst tief in der Nachspielzeit bot sich Hakan Balta eine Chance, Ćorluka – nach seiner Kopfverletzung im ersten Durchgang mehrmals behandelt und mit Turban ausgestattet – grätschte aber dazwischen (90.+3). Es blieb beim hochverdienten Sieg der Rot-Blauen, die sich lediglich eine ausbaufähige Chancenverwertung vorwerfen lassen mussten.

Für beide Teams geht es am Freitag (17. Juni) weiter. Kroatien trifft um 18 Uhr auf die Tschechische Republik, drei Stunden später bekommt es die Türkei mit Titelverteidiger Spanien zu tun.

Statistik:

Tor: 0:1 Modrić (41., Rechtsschuss, ohne Vorarbeit)

Aufstellung (Türkei): Volkan Babacan – Gökhan Gönül, Mehmet Topal, Hakan Balta, Caner Erkin – Selçuk İnan – Hakan Çalhanoğlu, Oğuzhan Özyakup, Ozan Tufan, Arda Turan – Cenk Tosun

Aufstellung (Kroatien): Subašić – Srna, Ćorluka, Vida, Strinić – Modrić, Badelj – Brozović, Rakitić, Perišić – Mandžukić

Wechsel (Türkei): 46. Volkan Şen für Oğuzhan Özyakup, 65. Burak Yılmaz für Arda Turan, 69. Emre Mor für Cenk Tosun

Wechsel (Kroatien): 87. Kramarić für Perišić, 89. Schildenfeld für Rakitić, 90.+3 Pjaca für Mandžukić

Bank (Türkei): Harun Tekin (Tor), Onur Kıvrak (Tor), Ahmet Çalık, İsmail Köybaşı, Semih Kaya, Şener Özbayraklı, Nuri Şahin, Olcay Şahan, Yunus Mallı

Bank (Kroatien): L. Kalinić (Tor), Vargić (Tor), Jedvaj, Vrsaljko, Ćorić, Kovačić, Rog, N. Kalinić

Gelbe Karten: Cenk Tosun (31., Foulspiel), Hakan Balta (48., Foulspiel), Volkan Şen (90.+1, Meckern) – Strinić (80., Foulspiel)

Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden) – Mathias Klasenius (Schweden), Daniel Wärnmark (Schweden) – Stefan Johanesson (Schweden), Markus Strömbergsson (Schweden) – William Collum (Schottland) – Damien McGrath (Irland)

Anstoßzeit und Spielort: 12. Juni 2016/15:00 Uhr (UTC+2), Parc des Princes/Paris

Advertisements
Kommentare
  1. […] den Kroaten gab es nach dem überzeugenden 1:0 gegen die Türkei wenig Grund zur Klage, Nationaltrainer Ante Čačić schickte daher eine unveränderte Startelf auf […]

    Gefällt mir

  2. […] Türkei dagegen war mit dem 0:1 gegen Kroatien mehr als gut bedient gewesen – unter anderem rettete zweimal das Aluminium für das Team von […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s