Pellè setzt das Sahnehäubchen

Veröffentlicht: 13. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Italien hat ein Ausrufezeichen gesetzt und das als Mitfavorit auf den Titel kolportierte Belgien mit 2:0 bezwungen. Bei den „Roten Teufeln“ enttäuschte vor allem die hochkarätig besetzte Offensive um De Bruyne und Hazard, die gegen taktische exzellent eingestellte Italiener nur zu wenigen brauchbaren Abschlüssen kam. Dabei zeigten die Südeuropäer keinesfalls Mauerfußball, sondern setzten immer wieder Nadelstiche und verbuchten sogar ein Chancenplus. Ein traumhafter Bonucci-Pass auf Giaccherini leitete das 0:1 ein, in der Nachspielzeit setzte Pellè sogar noch das Sahnehäubchen.

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Luftsprünge nach Abpfiff: Italien hatte sich den frenetischen Jubel verdient.

Belgiens Trainer Marc Wilmots konnte zwar auf eine exquisit bestückte Offensivabteilung um Hazard, Fellaini, De Bruyne und Lukaku zurückgreifen, in der Abwehr drückte aber der Schuh. Trotz Keeper Courtois hatte das Team seit sieben Spielen immer mindestens ein Gegentor kassiert – selbst in Andorra. Die verletzungsbedingten Ausfälle der Fachkräfte Kompany, Engels, Boyata und Lombaerts verschärften diese Situation nur noch. Dennoch liefen mit Ciman, Alderweireld, Vermaelen und Vertonghen durchaus fähige und international erprobte Akteure auf.

Italiens Startelf hatte vor allem eines: Erfahrung, der Altersschnitt lagt bei 31,5 Jahren – EM-Rekord! Trainer Conte formierte seine Schützlinge im 3-5-2-System. Barzagli, Bonucci und Chiellini bildeten eine Dreierkette vor Altmeister Buffon, auf den Außen kamen Candreva und Darmian sowohl Offfensiv- als auch Defensivaufgaben nach. An vorderster Front sollten Pellè und Éder für Tore sorgen.

Belgien bemühte sich redlich, der Favoritenrolle gerecht zu werden und bereits früh die Initiative zu ergreifen, zeigte sich gegen gut sortierte Italiener aber uninspiriert. So war ein Distanzschuss von Nainggolan aus der zehnten Minute lange Zeit die einzige Prüfung, die Buffon zu meistern hatte. Insgesamt war das Spiel in der Anfangsphase zäh, da Italien auf erst einmal auf Defensive setzte und selbst wenig unternahm. So war es bezeichnend, dass es mit Nainggolan ein defensiver Mittelfeldspieler war, des sein Glück aus der Distanz versuchte, aber links vorbei schoss (22.).

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Die Führung für Italien: Giaccherini bezwingt Courtois.

Nach knapp einer halben Stunde wagte sich die „Squadra Azzurra“ immer häufiger aus der eigenen Hälfte und bewies dabei die größere Zielstrebigkeit. Ein Schlenzer von Pellè verfehlte das von Courtois gehütete Tor noch (29.), drei Minuten später lag der Ball im Netz. Bonucci schlug aus dem Mittelfeld einen maßgeschneiderten Pass in die Spitze. Dort war Giaccherini im Rücken von Alderweireld entwischt, nahm das Spielgerät mit links mit und schoss es mit rechts an Courtois vorbei in die Maschen (32.).

Eine Antwort Belgiens? Blieb aus. Anstatt sich nun endgültig auf die Defensive zu versteifen, nutzen Candreva und Co. die Gunst der Stunde und drängten auf das zweite Tor. Der Lazio-Profi selbst forderte Courtois mit einem harten Fernschuss (35.), dann herrschte nach einer Ecke Chaos in Belgiens Hintermannschaft. Nach einem Abstimmungsfehler zwischen Courtois und Fellaini köpfte Parolo den Ball zu Pellè, dessen Kopfball aus sechs Metern links vorbei flog (36.). Kurz vor dem Halbzeitpfiff sendete die Wilmots-Truppe dann durch einen Witsel-Fernschuss (39.) und De Bruyne, der nach starkem Zuspiel von Fellaini vom Torschützen Giaccherini geblockt wurde (41.), zwei Lebenszeichen.

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Kein Durchkommen: Belgien und Axel Witsel waren gegen De Rossi und Co. häufig nur zweiter Sieger.

Der Wille war den „Roten Teufeln“ nach Wiederbeginn nicht abzusprechen, doch De Bruyne und Co. verzweifelten am schier undurchdringbaren Abwehrnetz. So musste ein Konter her, um für die erste Großchance zu sorgen. De Bruyne fand mit einem Diagonalpass den bis dato blassen Lukaku, der allerdings frei vor Buffon rechts am Tor vorbei schoss (53.). Lange Zeit zum Hadern blieb nicht: Candreva flankte punktgenau auf Pellè, dessen Kopfball Courtois mit einer Glanztat am Überqueren der Linie hinderte (54.).

Belgien war in der Folge überlegen, doch die Südeuropäer verstanden es gut, durch gefährliche Konter immer wieder für Entlastung zu sorgen. Gab es mal Lücken oder Räume griffen Bonucci und Co. auch gern zum taktischen Foul. Tempo kam so selten ins Angriffsspiel des Favoriten, bei dem die Frustration mit jeder Minute weiter wuchs. Wilmots schickte Mertens und Origi für Nainggolan und Lukaku auf das Feld, eine Viertelstunde vor Ende löste der Coach dann sogar die Viererkette auf und brachte mit Ferreira Carrasco einen Flügelstürmer für Rechtsverteidiger Ciman. Wirklich fruchten tat keine dieser Maßnahmen.

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Nach dem 2:0 kurz vor Schluss war selbst Buffon beim Torjubel beteiligt.

Die Angriffswellen der Roten liefen permanent ins Leere, erst in der 82. Minute fand De Bruyne per Flanke Joker Origi, der jedoch aus sechs Metern über das Tor köpfte. Am anderen Ende des Spielfeldes zwang der ebenfalls frisch hereingekommene Immobile Courtois aus 18 Metern zur nächsten Glanztat (84.). Zahlreiche Fehlpässe unterminierten die verzweifelte Schlussoffensive der Belgier, die in den finalen Minuten kaum noch vor das Tor von Buffon kamen.

Stattdessen legte der Weltmeister von 2006 mit einem sehenswerten Gegenangriff nach. Immobile hatte das Auge für den rechts mitgelaufenen Candreva, der frei vor Courtois den Ball überlegt ans linke Fünfereck flankte. Dort lauerte Pellè und wuchtete den Ball per Volley ins Netz (90.+2). Italiens Freude über den verdienten Sieg war ebenso groß wie berechtigt.

Italien spielt am Freitag (15 Uhr) in Toulouse gegen Schweden, Belgien muss den Fehlstart am Samstag zur gleichen Zeit gegen Irland korrigieren.

Statistik:

Tore: 0:1 Giaccherini (32., Rechtsschuss, Bonucci), 0:2 Pellè (90.+2, Rechtsschuss, Candreva)

Aufstellung (Belgien): Courtois – Ciman, Alderweireld, Vermaelen, Vertonghen – Nainggolan, Witsel – De Bruyne, Fellaini, Hazard – R. Lukaku

Aufstellung (Italien): Buffon – Barzagli, Bonucci, Chiellini – De Rossi – Candreva, Parolo, Giaccherini, Darmian – Pellè, Éder

Wechsel (Belgien): 62. Mertens für Nainggolan, 73. Origi für R. Lukaku, 75. Ferreira Carrasco für Ciman

Wechsel (Italien): 58. De Sciglio für Darmian, 75. Immobile für Éder, 78. Thiago Motta für De Rossi

Bank (Belgien): Gillet (Tor), Mignolet (Tor), Denayer, Kabasele, J. Lukaku, Meunier, Dembélé, Batshuayi, Benteke

Bank (Italien): Marchetti (Tor), Sirigu (Tor), Ogbonna, Bernardeschi, El Shaarawy, Florenzi, Sturaro, Insigne, Zaza

Gelbe Karten: Vertonghen (90.+1, unsportliches Verhalten) – Chiellini (65., Foulspiel), Éder (75., Foulspiel), Bonucci (78., Foulspiel), Thiago Motta (84., Foulspiel)

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England) – Simon Beck (England), Jake Collin (England) – Anthony Taylor (England), Andre Marriner (England) – Carlos del Cerro Grande (Spanien) – Juan Carlos Yuste Jiménez (Spanien)

Anstoßzeit und Spielort: 13. Juni 2016/21:00 Uhr (UTC+2), Parc Olympique Lyonnais/Décines-Charpieu (Lyon)

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Kommentare
  1. […] dem starken Auftritt beim 2:0-Auftakterfolg gegen Belgien nahm Italiens Trainer Antonio Conte nur eine Änderung vor. Florenzi ersetzte auf dem rechten […]

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  2. […] Marc Wilmots reagierte nach der 0:2-Niederlage gegen Italien zum Auftakt und tauschte dreimal Personal. Meunier begann als Rechtsverteidiger für Ciman, Dembélé und […]

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