Piqué bricht die tschechischen Herzen

Veröffentlicht: 13. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Die Tschechische Republik hätte um ein Haar für die erste Überraschung der Europameisterschaft gesorgt. Gegen Titelverteidiger Spanien boten Čech und Co. eine starke Defensivleistung, ließen kaum Chancen zu und hätten nach einer Stunde sogar in Führung gehen können. Drei Minuten vor dem Ende machte sich aber der Dauerdruck der Iberer bezahlt: Eine Iniesta-Flanke veredelte der aufgerückte Piqué zum Goldenen Tor.

Der entscheidende Moment: Gerard Piqué köpft das späte 1:0.

Trainer Vicente del Bosque hatte im Vorfeld des Turniers bereits für Diskussionen gesorgt, da prominente Namen wie Diego Costa und Juan Mata im Aufgebot fehlten. Zu Turnierstart bot er eine weitere Überraschung: Im Tor durfte de Gea anstelle von Altmeister Casillas beginnen. Die Sturmspitze besetzte Morata, Aduriz und Vázquez saßen auf der Bank. Die Fäden im Spiel der extrem erfahrenen Elf (zusammen fast 1000 Länderspiele) sollte Iniesta ziehen.

Gegen so viel geballte Erfahrung konterte der tschechische Coach Pavel Vrba mit seinen eigenen Veteranen Petr Čech und Tomáš Rosický, wobei letzterer die Kapitänsbinde trug. Auf der rechten Außenbahn begann Hoffenheims Kadeřábek in der Viererkette, erhielt hier aber vom defensiv ausgerichteten Gebre Selassie Unterstützung, der den Vorzug vor Dočkal erhielt.

Nach einem mutigen Start des Außenseiters bot sich den 29.400 Zuschauern im ausverkauften Stade Municipal von Toulouse das erwartete Bild: Der Titelverteidiger kontrollierte das Spiel, die Tschechen zogen sich in die eigene Hälfte zurück und machten die Räume eng, um das gefürchtete Kombinationsspiel des Gegners zu stören. Dennoch gab es in der 16. Minute die erste gute Gelegenheit für die Iberer: Silva setzte sich rechts durch und gab flach an den Fünfmeterraum, wo Morata hereingrätschte. Čech bekam den Ball an die Brust, reagierte aber dennoch stark.

Ausgebremst: Pavel Kadeřábek stoppt Jordi Alba. 

In Strafraumnähe sahen sich Silva und Co. gleich mit mehreren Gegenspielern konfrontiert. Hubník und Co. verrichteten viel Laufarbeit und schlossen so die Räume, die das Vertikalspiel der Spanier gelegentlich reißen konnte. In der 29. Minute fand dann Iniestas Zuspiel den aus abseitsverdächtiger Position gestarteten Morata, Čech lenkte dessen Abschluss aber zur Ecke. Derartige Chancen blieben rar, weswegen die „Furia Roja“ es auch mal aus der Distanz versuchte. Iniesta und Jordi Alba (beide 40.) konnten den Schlussmann aber nicht wirklich herausfordern. Kurz vor der Pause deuteten die Mitteleuropäer ihr gefährliches Konterspiel an. Darida bediente Necid, der aus 15 Metern aber genau auf de Gea zielte (45.).

Was die Spanier nicht vermochten – Čech zu überwinden – hätte Hubník fast Sekunden nach Wiederanpfiff geschafft. Der Ex-Herthaner klärte eine Nolito-Hereingabe an den eigenen Außenpfosten (46.). Wenig später wurde ein Versuch von Sergio Ramos geblockt (47.). Diesen Anfangsdruck überstanden die Tschechen aber und setzten nach einer Stunde auch in der Offensive Akzente. Bei einem Krejčí-Standard war Hubník mit aufgerückt, grätschte den Ball aber in die Fänge von de Gea (57.). Acht Minuten später sorgte wieder ein Standard des Flügelspielers für Gefahr, Gebre Selassie legte per Kopf für Kadeřábek ab, doch Fàbregas ging in höchster Not dazwischen (65.).

Spektakulär: Auch der Fallrückzieher von Aduriz fand nicht den Weg ins tschechische Tor.

Spanien tat sich zunehmend schwerer, ein Geniestreich von Silva hätte Jordi Alba dennoch fast die Führung ermöglicht. Ein Chippass des Manchester-Profis landete beim durchgestarteten Außenverteidiger, der in Mittelstürmerposition das Spielgerät aber nicht kontrollieren konnte. Hubník klärte (70.). Es war das Startsignal für eine weitere spanische Offensivwelle. Silva verzog (73.), Aduriz rutschte ein Kopfballversuch nach Flanke von Sergio Ramos über den Scheitel (79.). Trotz Dauerdrucks schien das Bollwerk der Vrba-Schützlinge zu halten: bis in die 87. Minute.

Dann hatte Iniesta am linken Eck des Strafraums etwas zu viel Platz und hob das Spielgerät gefühlvoll an den Fünfer. Dort war Innenverteidiger Piqué mit aufgerückt und ließ den Ball über den Schädel streichen, sodass dieser ins lange Eck verlängert wurde (87.). Die Erleichterung war groß, der Sieg aber noch nicht gesichert. Tief in der Nachspielzeit fand Krejčí noch einmal Darida im Strafraum, der Herthaner scheiterte aber aus elf Metern an de Gea (90.+2). Damit hielt der Schlussmann nicht nur die drei Punkte, sondern auch die Serie von 601 EM-Minuten ohne Gegentor fest.

Am zweiten Spieltag geht es für die Tschechen gegen Kroatien (Freitag, 18 Uhr), Spanien trifft in Saint-Étienne auf die Türkei (21 Uhr).

Statistik:

Tor: 1:0 Piqué (87., Kopfball, Iniesta)

Aufstellung (Spanien): de Gea – Juanfran, Piqué, Sergio Ramos, Jordi Alba – Busquets – Fàbregas, Iniesta – Silva, Nolito – Morata

Aufstellung (Tschechische Republik): Čech – Kadeřábek, Sivok, Hubník, Limberský – Plašil, Darida – Gebre Selassie, Rosický, Krejčí – Necid

Wechsel (Spanien): 62. Aduriz für Morata, 70. Thiago für Fàbregas, 82. Pedro für Nolito

Wechsel (Tschechische Republik): 75. Lafata für Necid, 86. Šural für Gebre Selassie, 88. Pavelka für Rosický

Bank (Spanien): Casillas (Tor), Sergio Rico (Tor), Azipilicueta, Bartra, Bellerín, San José, Bruno Soriano, Koke, Vázquez

Bank (Tschechische Republik): Koubek (Tor), Vaclík (Tor), Kadlec, Pudil, Dočkal, Kolář, Skalák, Škoda

Gelbe Karte: – Limberský (61., Foulspiel)

Schiedsrichter: Szymon Marciniak (Polen) – Paweł Sokolnicki (Polen), Tomasz Listkiewicz (Polen) – Paweł Raczkowski (Polen), Tomasz Musiał (Polen) – Aljakséj Kul’bákoŭ (Belarus‘) – Vitálju Maljúcinu (Belarus‘)

Anstoßzeit und Spielzeit: 13. Juni 2016/15:00 Uhr (UTC+2), Stadium Municipal/Toulouse

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Kommentare
  1. […] Tschechen hatten gegen Titelverteidiger Spanien lange die Null gehalten, letztendlich aber doch mit 0:1 verloren. Coach Pavel Vrba nahm zwei Änderungen vor. Lafata durfte im Sturm für Necid beginnen, außerdem […]

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  2. […] „Furia Roja“ hatten gegen die Tschechische Republik spät einen 1:0-Arbeitssieg eingefahren. Trainer Vicente del Bosque war mit der Leistung seiner Schützlinge offenbar zufrieden, Wechsel […]

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