Dank Effizienz und Einsatz: EM-Debütant Island ringt Portugal Remis ab

Veröffentlicht: 14. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
Schlagwörter:, , ,

Nach Ungarns Sieg über Österreich bot auch das zweite Spiel der Gruppe F eine Überraschung. Portugal schien gegen den EM-Debütanten Island nach starkem Start des Außenseiters in die Spur gefunden zu haben, ging durch Nani in Front und hielt den Druck aufrecht. Fünf Minuten nach der Pause nutzte allerdings Birkir Bjarnason die zweite Chance der Nordmänner zum Ausgleich. Dieser schien die Kräfte der Isländer wieder zu erwecken, denn fortan fand Portugal trotz klarer Überlegenheit nur selten einen Weg durch die gegnerische Abwehr – und wenn dann war Torwart Hannes Þór Halldórsson zur Stelle.

Kampfstark: Island (hier: Gylfi Þór Sigurðsson gegen Vieirinha und André Gomes) präsentierte sich beim Debüt beeindruckend.

Portugals Coach Fernando Santos setzte auf ein 4-4-2-System anstelle des gewohnten 4-3-3, wobei Superstar Cristiano Ronaldo an der Seite von Nani die vorderste Position besetzte. In der Abwehrzentrale erhielt Pepe Unterstützung vom mittlerweile 38-jährigen Ricardo Carvalho.

Das isländische Trainerduo Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrímsson griff wenig überraschend zum 4-4-2-System, das während der Qualifikation bereits verwendet wurde. Im Sturm erhielt Lauterns Jón Daði Böðvarsson den Vorzug vor Augsburgs Alfreð Finnbogason und lief damit an der Seite von Kolbeinn Sigþórsson auf.

Anfangsnervosität? Fehlanzeige! Die Isländer starteten schwungvoll und suchten sofort den Weg nach vorne. In der dritten Minute bediente Jón Daði Böðvarsson den Ex-Hoffenheimer Gylfi Þór Sigurðsson, der halblinks vor Portugals Schlussmann Rui Patrício auftauchte, aber etwas zu zentral abschloss, sodass dieser parieren konnte und auch den Nachschuss sicherte. Mit viel Laufarbeit, Leidenschaft und Pressing machten die Debütanten der Seleção das Leben schwer – in der ersten Viertelstunde gewannen Cristiano Ronaldo und Co. gerade mal ein Drittel ihrer Zweikämpfe.

Vieirinha versuchte sich daher mit einem Distanzschuss, Keeper Hannes Þór Halldórsson riss aber die Hände rechtzeitig hoch und parierte ohne Probleme (18.). Es war aber der Auftakt zu einer starken Phase des klaren Favoriten. In der 21. Minute fand Cristiano Ronaldo mit einer Flanke drei Meter vor dem Tor Nani, doch Hannes Þór Halldórsson parierte den Kopfball des Angreifers spektakulär per Fußabwehr. Zwei Zeigerumdrehungen darauf durfte der Superstar nach Vieirinha-Vorarbeit selbst köpfen, verfehlte das Tor aber (23.).

Nani bejubelt das 1:0 mit Vorlagengeber André Gomes.

Das Pendel schwang nun aber immer zu Gunsten der Portugiesen aus, die insbesondere über ihre rechte Angriffsseite zu guten Szenen kamen. Nach einem weiten Ball von Pepe war Cristiano Ronaldo durch, bei seinem Abschluss profitierte Hannes Þór Halldórsson davon, dass der Superstar den Ball nicht richtig traf (26.). Islands Nadelstiche wurden immer seltener und so war das 1:0 bald darauf fällig. Wieder ging es über rechts, Vieirinha setzte André Gomes in Szene, der den Ball flach an den ersten Pfosten spielte. Dort lauerte Nani weitestgehend ungedeckt und ließ Hannes Þór Halldórsson aus kurzer Distanz keine Chance (31.).

Die Südeuropäer wollten noch vor der Pause das zweite Tor nachlegen und schnürten die Nordmänner in der eigenen Hälfte ein. Zwar funktionierten nun Passspiel und Abwehr beim Favoriten, wirklich gefährliche Abschlüsse blieben jedoch aus, sodass der Außenseiter den Spielstand in die Halbzeitpause brachte.

Historischer Moment: Birkir Bjarnason hat soeben das 1:1 erzielt.

Die Stabilität vom Beginn des Spiels fand der Außenseiter aber nicht wieder. Portugal drückte sofort auf einen weiteren Treffer, Cristiano Ronaldo verzog vom Strafraumrand (47.). Gerade als es schien, dass der EM-Debütant einbrechen würde, fiel das 1:1. Jón Daði Böðvarsson legte auf der rechten Außenbahn für Jóhann Berg Guðmundsson zurück, der seinen Platz zu einer präzisen Flanke nutzte. Vieirinha stand schlecht, in seinem Rücken lauerte Birkir Bjarnason und donnerte den Ball mit einer herrlichen Direktabnahme unhaltbar in die Maschen (50.). Die Freude über das erste EM-Tor überhaupt war auch auf den Rängen ausgelassen, wo 7.000 Isländer frenetisch feierten.

Es war ein Treffer mit Wirkung. Während Portugal die durch die Führung gewonnene Sicherheit im Spiel mehr und mehr abhandenkam, schienen die Isländer nun wie ausgewechselt. Einsatz und Laufarbeit aus der Anfangsphase waren wieder da, voller Leidenschaft wurde das Remis verteidigt. Erst nach einer Stunde feuerte André Gomes einen Versuch ab (60.), ebenso wie Raphaël Guerreiro wenig später konnte er Hannes Þór Halldórsson aber nicht wirklich testen (61.).

Sinnbild: Hannes Þór Halldórsson klärt auch hier von Cristiano Ronaldo.

Stattdessen wäre um ein Haar der Außenseiter in Führung gegangen, Jón Daði Böðvarsson verpasste eine Flanke von Torschütze Birkir Bjarnason aber um eine Fußspitze (65.). Auf der Gegenseite half beinahe der Zufall. Nani verlängerte einen Guerreiro-Freistoß mit den Haarspitzen, das Spielgerät hätte fast den Weg neben den linken Pfosten gefunden (71.). Ein Distanzschuss des ineffektiven Cristiano Ronaldo ging drüber (73.).

Fernando Santos brachte zu Beginn der Schlussphase mit Renato Sanches und Quaresma frische Kräfte. Letzterer testete Hannes Þór Halldórsson gleich mit einem abgefälschten Versuch, der Keeper machte das kurze Eck aber dicht (78.). Vier Minuten später servierte der Joker eine Ecke auf den Kopf von Pepe, dessen Versuch streifte das Tordach (82.). Dann hatte Kapitän Cristiano Ronaldo die erneute Führung auf den Kopf, doch sein Versuch nach Nani-Flanke kam zu harmlos auf Hannes Þór Halldórsson (85.).

Islands Spieler bejubeln den ersten EM-Punkt mit den mitgereisten Fans.

Island kam zwischendrin ab und an zu Entlastung, insbesondere die weiten Einwürfe von Kapitän Aron Einar Gunnarsson sorgten für Alarmstufe Rot in Portugals Strafraum. Alfreð Finnbogason hatte neun Minuten vor Schluss Kolbeinn Sigþórsson ersetzt und der Augsburger stellte das Spiel beinahe endgültig auf den Kopf. Nach Zuspiel von Gylfi Þór Sigurðsson ließ der Angreifer Pepe schlecht aussehen und hielt wuchtig drauf, Rui Patrício konnte die Arme hochreißen und klären (86.).

Auch die Nachspielzeit inklusive zweier Cristiano Ronaldo-Freistöße überstanden die Isländer schadlos und durften so zu ihrem Turnierdebüt gleich den ersten Punktgewinn ausgelassen feiern. Am Samstag treffen Gylfi Þór Sigurðsson und Co. um 18 Uhr auf Ungarn, für Portugal geht es drei Stunden später gegen Österreich.

Statistik:

Tore: 1:0 Nani (31., Rechtsschuss, André Gomes), 1:1 Birkir Bjarnason (50., Rechtsschuss, Jóhann Berg Guðmundsson)

Aufstellung (Portugal): Rui Patrício – Vieirinha, Pepe, Ricardo Carvalho, Raphaël Guerreiro – Danilo – André Gomes, João Mário – João Moutinho – Nani, Cristiano Ronaldo

Aufstellung (Island): Hannes Þór Halldórsson – Birkir Már Sævarsson, Ragnar Sigurðsson, Kári Árnason, Ari Freyr Skúlason – Aron Einar Gunnarsson, Gylfi Þór Sigurðsson – Jóhann Berg Guðmundsson, Birkir Bjarnason – Kolbeinn Sigþórsson, Jón Daði Böðvarsson

Wechsel (Portugal): 71. Renato Sanches für João Moutinho, 76. Ricardo Quaresma für João Mário, 84. Éder Macedo für André Gomes

Wechsel (Island): 81. Alfreð Finnbogason für Kolbeinn Sigþórsson, 90. Theódór Elmar Bjarnason für Jóhann Berg Guðmundsson

Bank (Portugal): Anthony Lopes (Tor), Eduardo (Tor), Bruno Alves, Cédric, Eliseu, José Fonte, Adrien Silva, Rafa Silva, William Carvalho

Bank (Island): Ingvar Jónsson (Tor), Ögmundur Kristinsson (Tor), Haukur Heiðar Hauksson, Hjörtur Hermannsson, Hörður Björgvin Magnússon, Sverrir Ingi Ingason, Arnór Ingvi Traustason, Emil Hallfreðsson, Rúnar Már Sigurjónsson, Eiður Smári Guðjohnsen

Gelbe Karten: – Birkir Bjarnason (55., Foulspiel), Alfreð Finnbogason (90.+4, Handspiel)

Schiedsrichter: Cüneyt Çakır (Türkei) – Bahattin Duran (Türkei), Tarık Ongun (Türkei) – Hüseyin Göçek (Türkei), Barış Şimşek (Türkei) – Carlos del Cerro Grande (Spanien) – Juan Carlos Yuste Jiménez (Spanien)

Anstoßzeit und Spielort: 14. Juni 2016/21:00 Uhr (UTC+2), Stade Geoffroy-Guichard/Saint-Étienne

Advertisements
Kommentare
  1. […] Island hatte beim Debüt dank einer starken Abwehrleistung nicht unverdient einen Punkt gegen das hochfavorisierte Portugal geholt. Das Trainerduo Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrímsson schenkte denselben elf Spielern das […]

    Gefällt mir

  2. […] Nationalcoach Fernando Santos nahm nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Island zu Turnierbeginn zwei Änderungen vor. William Carvalho und Ricardo Quaresma kamen für Danilo und João Mário in […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s