Priskin und Stieber schocken Österreich

Veröffentlicht: 14. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Ungarn gelang durch einen 2:0-Sieg über Österreich die erste Überraschung der EM-Endrunde. Nach Alabas Pfostentreffer in der ersten Minute neutralisierten sich die Teams dabei weitestgehend auf mäßigen Niveau. Nach einer Stunde brachte ein starker Spielzug über Kleinheisler und Szalai die Magyaren in Front, vier Minuten später musste Österreichs Dragović mit Gelb-Rot vom Feld. In Unterzahl verlor Austria endgültig den Faden, Joker Stieber legte kurz vor Ende das 2:0 nach. Ungarn – zuletzt 1986 bei einem Turnier vertreten – gelang dadurch ein traumhafter Auftakt, die Koller-Elf dagegen ließ die Form der beeindruckenden Qualifikation völlig vermissen.

Die Entscheidung: Zoltán Stieber überlupft Almer zum 2:0-Endstand.

Mit geballter Bundesligaerfahrung wollte Marcel Koller Österreich zum ersten EM-Sieg überhaupt führen. In der Startelf gab es keine Überraschungen, der Schweizer Trainer vertraute auf die Elf, die mit beeindruckenden Leistungen (neun Siege, ein Remis) die erste EM-Qualifikation aus eigener Kraft bewerkstelligt hatte.

Bei den Ungarn, die ebenfalls eine lange Durststrecke von 30 Jahren ohne Turnierteilnahme beendet hatten, durfte Torwartlegende Király von Anfang an spielen und wurde damit zum ältesten EM-Teilnehmer der Geschichte (40 Jahre, 74 Tage). Als Sturmspitze agierte der bei Hannover und Hoffenheim glücklose Szalai, ihm zur Seite standen Bremens Kleinheisler, der in den Play-Offs gegen Norwegen eine entscheidende Rolle gespielt hatte, Kapitän Dzsudzsák und der 37-jährige Gera.

In Bordeaux hätten die Männer aus der Alpenrepublik um ein Haar einen Traumstart hingelegt. Gerade einmal 32 Sekunden waren vergangen, als Alaba aus knapp 25 Metern abzog und den Ball an den rechten Pfosten setzte (1.). Die Storck-Elf feuerte ihrerseits in Person von Kleinheisler einen ersten Warnschuss ab, der Almer allerdings bei weitem nicht so viel Schweiß auf die Stirn trieb (4.). Gegen anfangs forsche Österreicher waren die Magyaren erst einmal um Ruhe bedacht, konnten eine weitere gute Gelegenheit aber nicht verhindern. Arnautović bediente Alaba im Strafraum, der Bayern-Star konnte Király mit seinem folgenden Flachschuss aber nur bedingt prüfen (10.).

In einer umkämpften ersten Hälfte hatten es die Offensivkräfte, hier Ádám Szalai, meist schwer.

Diesen Anfangsschwung konnte die Koller-Truppe nicht aufrechterhalten. Die 22 Akteure gingen sehr beherzt zu Werke, das spielerische Element blieb aber auf der Strecke. Insbesondere die Puskás-Erben arbeiteten sich über Zweikämpfe immer besser ins Spiel, die seltenen gefährlichen Szenen gehörten aber dem Gegner. Király entschärfte einen 15-Meter-Aufsetzer von Junuzović – zuvor hatte Janko stark per Kopf abgelegt (35.). Knapper wurde es sechs Zeigerumdrehungen später: Junuzović schickte Arnautović auf links, dessen flache Hereingabe erreichte am zweiten Pfosten Harnik, der jedoch mit dem rechten Fuß seinen eigenen linken anschoss, sodass keine Gefahr entstand (41.).

Kurz vor der Pause kamen auch die Ungarn erstmals der Führung nahe: Kleinheisler hatte das Auge für den rechts gestarteten Dzsudzsák, der aus sieben Metern aber am langen Eck vorbei schoss (43.). Es war der Schlusspunkt einer fahrigen ersten Hälfte.

Schockmoment: Szalai hat Ungarn soeben mit 1:0 in Führung geschossen.

Bei allem Bemühen und Willen der Koller-Schützlinge: Wirkliche gute Kombinationen und durchdachte Angriffe waren Mangelware. Zwar blieb auch der Gegner im Angriffsspiel weitestgehend harmlos und leistete sich viele einfache Fehler, insgesamt boten Arnautović und Co. gemessen an den Erwartungen aber zu wenig. Dzsudzsák gehörte die erste Gelegenheit der neuen Spielhälfte, seinen Distanzhammer lenkte Almer über den Querbalken (55.). Vier Minuten später musste der bereits in der ersten Halbzeit angeschlagene Junuzović raus, Sabitzer ersetzte ihn.

Der neue Mann kam gerade recht, um den bis dato besten Angriff des Spiels mitzuerleben. Kleinheisler und Szalai spielten auf engem Raum einen doppelten Doppelpass, sodass der Stürmer frei vor Almer auftauchte und das Spielgerät im Fallen am Schlussmann vorbei ins Tor spitzelte (62.).

Schlüsselszene Nummer Zwei: Im Hintergrund diskutiert Dragović wegen seines Platzverweises, Arnautović konfrontiert den gefoulten Kádár.

Koller reagierte prompt auf den Rückstand und brachte Okotie für den blassen Janko, es hagelte aber bald den nächsten Rückschlag. Hinteregger bolzte das Spielgerät nach einem Standard ins Tor, Schiedsrichter Turpin (Frankreich) hatte aber bereits abgepfiffen und zeigte Dragović Gelb-Rot: Der Verteidiger hatte Augenblicke zuvor Kádár im Kampf um dem Ball mit der Sohle am Fuß getroffen (66.).

Team Austria reagierte mit weiteren Attacken, leistete sich aber eine Vielzahl an Fehlpässen und ließ große Räume für ungarische Konter. Németh visierte vom linken Sechzehnereck das lange Eck an, scheiterte aber einer Almer-Parade (71.), auf der Gegenseite setzte Sabitzer eine Fuchs-Vorlage in die Wolken (73.). Näher am Erfolg waren die Ungarn: Kleinheislers Versuch wurde zur Ecke abgefälscht (74.). Allerdings gingen die Magyaren teils fahrlässig mit den sich bietenden Gelegenheiten um, sodass das Spiel lange offen blieb.

Die vermisste Präzision fanden Alaba und Co. auch in den Schlussminuten nicht, stattdessen machte der eingewechselte Stieber den Deckel drauf. Nach Baumgartlingers Ballverlust schickte Priskin den Joker auf halbrechts, sodass dieser allein auf Almer zulaufen konnte und diesen abgezockt mit einem klasse Heber ins lange Eck bezwang (87.). Ungarns Sieg war damit Geschichte, ein letzter Versuch von Arnautović landete in den Armen von Király (90.+3).

Auch beim Jubel vornedran: Ádám Szalai.

Die Freude der ungarischen Fans dürfte mindestens bis Samstag anhalten, dann treffen die Puskás-Erben um 18 Uhr auf Island. Österreich tritt um 21 Uhr gegen Portugal an, eine weitere Niederlage könnte bereits das Aus bedeuten.

Statistik:

Tore: 0:1 Szalai (62., Rechtsschuss, Kleinheisler), 0:2 Stieber (87., Rechtsschuss, Priskin)

Aufstellung (Österreich): Almer – Klein, Dragović, Hinteregger, Fuchs – Baumgartlinger, Alaba – Harnik, Junuzović, Arnautović – Janko

Aufstellung (Ungarn): Király – Fiola, Guzmics, Lang Á., Kádár – Gera, Nagy – Dzsudzsák, Kleinheisler, Németh – Szalai

Wechsel (Österreich): 59. Sabitzer für Junuzović, 65. Okotie für Janko, 78. Schöpf für Harnik

Wechsel (Ungarn): 69. Priskin für Szalai, 79. Stieber für Kleinheisler, 89. Pintér für Németh

Bank (Österreich): Lindner (Tor), Özcan (Tor), Garics, Prödl, Suttner, Wimmer, Ilsanker, Jantscher, Hinterseer

Bank (Ungarn): Dibusz (Tor), Gulácsi (Tor), Bese, Juhász, Korhut, Elek, Lovrencsics, Böde, Nikolić

Gelbe Karten: Dragović (33., Foulspiel) – Németh (80., Foulspiel)

Gelb-Rote Karte: Dragović (66., wiederholtes Foulspiel)

Schiedsrichter: Clément Turpin (Frankreich) – Frédéric Cano (Frankreich), Nicolas Danos (Frankreich) – Benoît Bastien (Frankreich), Fredy Fautrel (Frankreich) – Jesús Gil Manzano (Spanien) – Roberto Alonso Fernández (Spanien)

Anstoßzeit und Spielort: 14. Juni 2016/18:00 Uhr (UTC+2), Nouveau Stade de Bordeaux/Bordeaux

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Kommentare
  1. […] hatte gegen Österreich ebenfalls für eine Überraschung gesorgt und die ÖFB-Elf mit 2:0 bezwungen. Trainer Bernd Storck nahm dennoch drei Veränderungen vor. Fiola musste mit einer […]

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  2. […] Österreich hatte beim 0:2 gegen Ungarn einen unerwarteten Fehlstart hingelegt. Zu allen Überfluss hatte sich Junuzović am Knöchel […]

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