Fanauschreitungen überschatten tschechische Aufholjagd

Veröffentlicht: 17. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Kroatien hat trotz eines größtenteils starken Auftrittes die Qualifikation für das Achtelfinale verpasst. Gegen die Tschechische Republik waren die „Vatreni“ über weite Strecken des Spiels die klar tonangebende Mannschaft und bestraften zwei grobe Fehler im gegnerischen Aufbauspiel mit Gegentoren. Von Rosický und Co. kam nur wenig, erst in der 76. Minute gelang Joker Škoda der Anschlusstreffer. Kurz vor Abpfiff sorgten Individuen aus dem kroatischen Fanblock für eine mehrminütige Spielunterbrechung. Nach Wiederanpfiff blieb mit Necid ein weiterer eingewechselter Akteur nervenstark und glich vom Punkt zum 2:2-Endstand aus.

Offensivkräfte im Duell: Rosický bereitete das 1:2 vor, Gegenspieler Brozović das 0:2.

Die Tschechen hatten gegen Titelverteidiger Spanien lange die Null gehalten, letztendlich aber doch mit 0:1 verloren. Coach Pavel Vrba nahm zwei Änderungen vor. Lafata durfte im Sturm für Necid beginnen, außerdem ersetzte der offensivere Skalák den Bremer Gebre Selassie auf der rechten Außenbahn.

Bei den Kroaten gab es nach dem überzeugenden 1:0 gegen die Türkei wenig Grund zur Klage, Nationaltrainer Ante Čačić schickte daher eine unveränderte Startelf auf den Rasen von Saint-Étienne.

Kroatien diktierte von Anpfiff an das Geschehen und gab sofort die Richtung vor. Mandžukić testete Čech erstmals nach einer Srna-Ecke (2.), Badelj setzte einen Flachschuss links vorbei (8.). Zwar kamen die Tschechen nach einer Viertelstunde besser ins Spiel und zunehmend aus der eigenen Hälfte, ihre Offensivbemühungen blieben aber Stückwerk. Anders die Kroaten: Mandžukić entkam bei einem schnellen Gegenangriff auf links, seine Hereingabe verpasste Perišić um einen Sekundenbruchteil (21.).

Rakitić überlupft Čech zum 2:0.

Wie schon gegen die Türkei zeigte das Team vom Balkan ein flüssiges Kombinationsspiel, Chancen waren die logische Folge. Rakitić ließ nach einem Zusammenspiel mit Mandžukić Gegenspieler Hubník alt aussehen, Čech verhinderte das 0:1 (37.). Jedoch nicht für lange: Badelj luchste Plašil im Mittelfeld den Ball ab und schickte Perišić auf links. Der Ex-Bundesligaprofi verwirrte den zu passiv agierenden Sivok mit ein paar Übersteigern und vollendete flach ins lange Eck (37.).

Die Tschechen suchten nach einer Antwort, hatten aber Pech, dass Schiedsrichter Clattenburg (England) ein Foul von Vida an Lafata an der Strafraumgrenze nicht ahndete (39.). So wäre auf der Gegenseite fast das 0:2 gefallen. Vida und Ćorluka behinderten sich bei einem Rakitić-Freistoß aber gegenseitig, sodass der Ball das Tor verfehlte (42.). Der 0:1-Pausenstand aus tschechischer Sicht war damit sogar eher schmeichelhaft.

Die Vrba-Schützlinge starteten in die zweite Hälfte etwas offensiver, der erste Abschluss war aber ein Distanzschuss von Rakitić (46.). Zwar prüfte Krejčí wenig später immerhin einmal Subasic (52.), die durch die offensivere Ausrichtung entstehenden Räume nutzten die Kroaten jedoch für brandgefährliche Konter. Beim 0:2 half aber wieder der Gegner kräftig mit. Hubník spielte den Ball in die Füße von Brozović, der sofort Rakitić bediente. Frei vor Čech ließ der Barcelona-Profi dem Keeper per Chip keine Chance (59.).

Anschlusstreffer: Škoda verkürzt auf 1:2.

Auch danach trat kaum Besserung im tschechischen Spiel ein. Mandžukić hätte alles klar machen können, feuerte aber zu hoch, nachdem ein Klärungsversuch von Kadeřábek vor seinen Füßen landete (66.). Vrba brachte mit Škoda und Šural frische Kräfte, eine Wirkung blieb aber erst einmal aus – auch wegen vieler Fouls und anderweitiger Unterbrechungen, die den Spielfluss störten. Der Anschluss für die bemühten Tschechen fiel schließlich überraschend. Altmeister Rosický flankte mit dem Außenrist an den Elfmeterpunkt. Dort stieg Škoda hoch, war eher am Ball als Ćorluka und köpfte perfekt ins rechte obere Eck (76.).

Die Schlussoffensive der Mitteleuropäer lud die „Vatreni“ zum Kontern ein: Ein Versuch von Brozović nach Rakitić-Vorarbeit wurde zur Ecke abgefälscht (80.), Limberský klärte gerade so vor dem Inter-Legionär (85.). Dann traten unschöne Szenen in den Vordergrund. Chaoten aus dem kroatischen Block warfen Feuerwerkskörper auf das Spielfeld und erzwangen so eine gut fünfminütige Spielunterbrechung.

Nervenstark: Tomáš Necid trifft in der Nachspielzeit vom Punkt zum 2:2.

Nach Wiederbeginn gaben die Tschechen noch einmal alles – und bekamen einen Elfmeter zugesprochen. Vida hatte im Kopfballduell mit Sivok die Hand zu weit oben, die Entscheidung von Schiedsrichter Clattenburg war korrekt (89.). Necid, vor der Zwangspause eingewechselt, übernahm die Verantwortung und zeigte keinerlei Nerven. Mit rechts hämmerte der Stürmer den Ball zentral unter die Latte (89.). In der Nachspielzeit hatten Darida und Co. nun Oberwasser und drängten sogar auf den Siegtreffer, trotz mehrerer brenzliger Szenen blieb es aber beim 2:2.

Kroatien hat mit vier Punkten dennoch ausgezeichnete Chancen auf das Weiterkommen und tritt zum Abschluss der Gruppenphase am Dienstag (21 Uhr) gegen Spanien an. Die Tschechische Republik absolviert zeitgleich das „Spiel um Platz 3“ gegen die Türkei.

Statistik:

Tore: 0:1 Perišić (37., Linksschuss, Badelj), 0:2 Rakitić (59., Rechtsschuss, Brozović), 1:2 Škoda (76., Kopfball, Rosický), 2:2 Necid (89., Handelfmeter, Rechtsschuss, Handspiel: Vida)

Aufstellung (Tschechische Republik): Čech – Kadeřábek, Sivok, Hubník, Limberský – Darida, Plašil – Skalák, Rosický, Krejčí – Lafata

Aufstellung (Kroatien): Subašić – Srna, Ćorluka, Vida, Strinić – Modrić, Badelj – Brozović, Rakitić, Perišić – Mandžukić

Wechsel (Tschechische Republik): 67. Škoda für Lafata, 67. Šural für Skalák, 86. Necid für Plašil

Wechsel (Kroatien): 62. Kovačić für Modrić, 90.+1 Vrsaljko für Strinić, 90.+2 Schildenfeld für Rakitić

Bank (Tschechische Republik): Koubek (Tor), Vaclík (Tor), Gebre Selassie, Kadlec, Pudil, Suchý, Dočkal, Kolář, Pavelka

Bank (Kroatien): L. Kalinić (Tor), Vargić (Tor), Jedvaj, Ćorić, Rog, Čop, N. Kalinić, Kramarić, Pjaca

Gelbe Karten: Sivok (72., Foulspiel) – Badelj (14., Foulspiel), Brozović (74., Foulspiel), Vida (89., Handspiel)

Besonderes Vorkommnis: Aufgrund von Ausschreitungen im kroatischen Fanblock wurde die Partie in der 86. Minute kurzzeitig unterbrochen.

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England) – Simon Beck (England), Jake Collin (England) – Anthony Taylor (England), Andre Marriner (England) – Anastásios Sidīrópoulos (Griechenland) – Damianós Euthymiádīs (Griechenland)

Anstoßzeit und Spielort: 17. Juni 2016/18:00 Uhr (UTC+2), Stade Geoffroy-Guichard/Saint-Étienne

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Kommentare
  1. […] tschechische Trainer Pavel Vrba veränderte die Elf, die bei der von Fanauschreitungen überschatteten Aufholjagd gegen Kroatien (2:2) begonnen hatte, auf vier Positionen. Pudil, Pavelka, Dočkal und Necid, der per Elfmeter den […]

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  2. […] Kroatien hatte gegen die Tschechische Republik zwar einen 2:0-Vorsprung aus der Hand gegeben, das 2:… Deutschlands Sieg am Vortag hatte diesen bestätigt: Selbst im Falle einer Niederlage und dem Abrutschen auf Rang 3 wären die Kroaten somit sicher weiter. Trainer Ante Čačić wechselte daher im „Spiel um Platz 1“ gleich fünfmal Personal. Neben den angeschlagenen Modrić (Adduktorenzerrung) wurden auch Vida, Strinić, Brozović und Mandžukić geschont. Für sie erhielten Jedvaj, Vrsaljko, Rog, Pjaca und Nikola Kalinić Einsatzzeiten. […]

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