Unglückliches Eigentor stoppt Island

Veröffentlicht: 18. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Island hat den ersten Sieg bei einer Europameisterschaft knapp verpasst. Beim 1:1 gegen Ungarn lagen die Nordmänner dabei lange Zeit durch einen verwandelten Elfmeter von Gylfi Þór Sigurðsson in Front, mussten in der 88. Minute aber den Ausgleich durch ein unglückliches Eigentor hinnehmen. Die Magyaren hatten mehr vom Spiel, taten sich aber gegen konzentriert verteidigende Isländer extrem schwer und lagen zur Pause mit Blick auf das Chancenverhältnis nicht unverdient zurück. Nach dem Seitentausch rannten Kleinheisler und Co. an, kamen aber kaum zu gefährlichen Szenen. Die beste Kombination der Storck-Schützlinge brachte unter Mithilfe des Gegners den Ausgleich. In der Nachspielzeit hätte Eiður Smári Guðjohnsen um ein Haar für ein isländisches Happy End gesorgt.

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Spätes Pech: Birkir Már Sævarsson bugsiert das Spielgerät zum 1:1-Endstand ins eigene Tor.

EM-Neuling Island hatte beim Debüt dank einer starken Abwehrleistung nicht unverdient einen Punkt gegen das hochfavorisierte Portugal geholt. Das Trainerduo Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrímsson schenkte denselben elf Spielern das Vertrauen, die gegen Cristiano Ronaldo und Co. ein 1:1 erreicht hatten.

Ungarn hatte gegen Österreich ebenfalls für eine Überraschung gesorgt und die ÖFB-Elf mit 2:0 bezwungen. Trainer Bernd Storck nahm dennoch drei Veränderungen vor. Fiola musste mit einer Knöchelverletzung auf der Bank bleiben, Juhász rückte für ihn in die Startelf. Außerdem erhielten Stieber (Torschütze des 2:0) und Priskin (Vorbereiter des 2:0) den Vorzug vor Szalai und Németh.

In Marseille starteten beide Teams sichtlich nervös, war das Aufeinandertreffen doch wegweisend für das weitere Abschneiden im Turnier. Etwas mehr investierten die Ungarn, kamen in einer intensiv geführten Anfangsphase aber nicht gefährlich vor das gegnerische Tor. Anders die Isländer: Einen weiten Einwurf von Kapitän Aron Einar Gunnarsson verlängerte der aufgerückte Verteidiger Kári Árnason zu Jón Daði Böðvarsson, dessen Kopfball auf dem Tornetz landete (10.).

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Zweikämpfe prägten das Spiel vor der Pause: Hier ist Gylfi Þór Sigurðsson vor Nagy am Ball.

Zwar zeigten sich Stieber und Co. sehr bemüht und versuchten, die gut organisierte isländische Defensive spielerisch zu knacken, generierten aber allenfalls Halbchancen wie etwa einen Priskin-Kopfball nach Dzsudzsák-Freistoß (14.). Der EM-Debütant aus dem hohen Norden stand sicher, offensiv setzte man aber weitestgehend nur auf die brandgefährlichen Standards.

In der 31. Minute half dann Kádár mit. Birkir Bjarnason wollte rechts im Sechzehner Jóhann Berg Guðmundsson bedienen, der Pass geriet aber zu lang. Ungarns Linksverteidiger ließ sich aber von Jóhann Berg Guðmundsson abkochen, sodass der Flügelspieler aus sieben Metern zum Abschluss kam. Király hatte aber aufgepasst und verhinderte den Rückstand per Fußabwehr (31.).

Auch die Storck-Truppe setzte kurz darauf ein erstes Ausrufezeichen. Nach einer Ecke versuchte sich Kleinheisler mit einem Schlenzer, der das lange Eck nur knapp verfehlte (34.). Doch die Isländer wurden selbst zunehmend mutiger, störten eher und brachten Ungarns Defensive so durchaus in Bedrängnis. Nach einer Balleroberung setzte Jón Daði Böðvarsson seinen Sturmpartner Kolbeinn Sigþórsson in Szene, Guzmics blockte den Abschluss des Quali-Goalgetters aber noch ab (38.).

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Gylfi Þór Sigurðsson, Birkir Bjarnason und Kolbeinn Sigþórsson bejubeln das 1:0.

Bei der folgenden Ecke wurde es kurios. Die Hereingabe von Jóhann Berg Guðmundsson schnappte sich Király, ließ das Spielgerät aber fallen. Kapitän Aron Einar Gunnarsson wollte abstauben, wurde aber von Kádár mit dem Körper geblockt und wohl auch leicht am Fuß getroffen. Schiedsrichter Karasëv (Russland) stand gut und entschied sofort auf Elfmeter, woran auch die ungarischen Proteste nichts änderten (38.). Der Ex-Hoffenheimer Gylfi Þór Sigurðsson übernahm die Verantwortung und zeigte sich gewohnt sicher. Links unten schlug es ein, Király war nach rechts gesprungen (39.). Das 1:0 war gleichzeitig auch der Pausenstand.

In Halbzeit Zwei bot sich über weite Strecken folgendes Bild: Die Magyaren rannten an, agierten dabei aber zu plan- und harmlos, während die Blau-Weißen auf Konter setzten. Kleinheisler versuchte sich aus der Distanz (50., 58.), entfachte damit aber ebenso wenig Gefahr wie ein künstlerisch wertvoller Fallrückzieher von Jón Daði Böðvarsson nach Kopfballverlängerung von Kolbeinn Sigþórsson (57.). Deutlich brenzliger wurde es nach einer Stunde. Nach einer starken Flanke von Gylfi Þór Sigurðsson setzte Kolbeinn Sigþórsson seinen Kopfball nur knapp am Gehäuse vorbei. Das Schiedsrichterteam hatte aber ohnehin – zu Unrecht – auf Abseits entschieden (60.).

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Unglücksmoment: Birkir Már Sævarsson grätscht den Ball vor dem lauernden Böde über die Linie.

Storck versuchten mit den Einwechslungen von Nikolić und Böde für Stieber und Priskin neue Impulse zu setzen, der Erfolg war aber begrenzt. Im Strafraum machten Kleinheisler und Co. keinen Stich, die Abschlüsse blieben ungefährlich. Hannes Þór Halldórsson sicherte einen Freistoß von Dzsudzsák im Nachfassen (66.), Bödes Kullerball aus an und für sich guter Abschlussposition war bezeichnend für die ungarischen Bemühungen (72.). Auch ein weiterer Freistoßversuch von Dzsudzsák konnte Hannes Þór Halldórsson nur sehr bedingt fordern (76.).

Die Schlussphase wurde hektisch – Schiedsrichter Karasëv verteilte fünf gelbe Karten. Unter den Verwarnten war auch Islands Joker Alfreð Finnbogason, der damit gegen Österreich gesperrt fehlen wird. Storck ging nun volles Risiko, nahm mit Juhász einen Innenverteidiger raus und brachte Szalai. Der Ausgleich war auch wenig später fällig, wenn auch ohne Mitwirkung des Jokers. Die Puskás-Erben warfen einmal die Kombinationsmaschine an: Durch schnelles Kurzpassspiel setzten Nagy und Kleinheisler Nikolić rechts im Sechzehner in Szene. Der Joker gab von der Grundlinie flach in die Mitte, Birkir Már Sævarsson musste vor dem lauernden Böde retten, grätschte den Ball aber ins eigene Netz (88.).

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Nah dran: Eiður Smári Guðjohnsen verpasst in letzter Sekunde den Siegtreffer.

Nachdem der ekstatische Jubeln der Ungarn – inklusive einiger Knaller aus dem Fanblock – vorbei war, versuchten die Isländer in der Nachspielzeit noch einmal ihr Glück. Es wurde dramatisch: Lang hielt Alfreð Finnbogason an der Sechzehnerlinie fest, das Foul begann außerhalb, endete aber wohl knapp im Strafraum. Karasëv entschied auf Freistoß in zentraler Position (90.+4). Der flache Versuch von Spezialist Gylfi Þór Sigurðsson wurde von der Mauer abgeblockt, das Spielgerät landete aber vor den Füßen vom eingewechselten Altstar Eiður Smári Guðjohnsen. Der zog aus zwölf Metern ab, mit Gera fälschte ein anderer Oldie den Ball noch hauchdünn neben den rechten Pfosten ab (90.+5). Danach war Schluss.

Island musste damit einen späten Rückschlag im Kampf um das Weiterkommen hinnehmen, kann das Achtelfinale aber weiterhin aus eigener Kraft erreichen. Am dritten Spieltag geht es gegen Österreich (Mittwoch, 18 Uhr). Ungarn hat mit vier Punkten exzellente Chancen auf das Weiterkommen und trifft zum Abschluss der Gruppenphase ebenfalls am Mittwoch um 18 Uhr auf Portugal.

Statistik:

Tore: 1:0 Gylfi Þór Sigurðsson (39., Foulelfmeter, Rechtsschuss, Kádár an Aron Einar Gunnarsson), 1:1 Birkir Már Sævarsson (88., Eigentor, Linksschuss, Nikolić)

Aufstellung (Island): Hannes Þór Halldórsson – Birkir Már Sævarsson, Ragnar Sigurðsson, Kári Árnason, Ari Freyr Skúlason – Aron Einar Gunnarsson, Gylfi Þór Sigurðsson – Jóhann Berg Guðmundsson, Birkir Bjarnason – Jón Daði Böðvarsson, Kolbeinn Sigþórsson

Aufstellung (Ungarn): Király – Lang Á., Juhász, Guzmics, Kádár – Nagy, Gera – Dzsudzsák, Kleinheisler, Stieber – Priskin

Wechsel (Island): 65. Emil Hallfreðsson für Aron Einar Gunnarsson, 69. Alfreð Finnbogason für Jón Daði Böðvarsson, 84. Eiður Smári Guðjohnsen für Kolbeinn Sigþórsson

Wechsel (Ungarn): 66. Nikolić für Stieber, 66. Böde für Priskin, 84. Szalai für Juhász

Bank (Island): Ingvar Jónsson (Tor), Ögmundur Kristinsson (Tor), Haukur Heiðar Hauksson, Hjörtur Hermannsson, Hörður Björgvin Magnússon, Sverrir Ingi Ingason, Arnór Ingvi Traustason, Rúnar Már Sigurjónsson, Theódór Elmar Bjarnason

Bank (Ungarn): Dibusz (Tor), Gulácsi (Tor), Bese, Fiola, Korhut, Elek, Lovrencsics, Pintér, Németh

Gelbe Karten: Jóhann Berg Guðmundsson (42., Foulspiel), Alfreð Finnbogason (75., Foulspiel), Birkir Már Sævarsson (77., Foulspiel) – Kádár (81., Foulspiel), Kleinheisler (83., Meckern), Nagy (90.+1, Ballsperre)

Schiedsrichter: Sergéj Karasëv (Russland) – Nikoláj Gólubev (Russland), Tíchon Kalúgin (Russland) – Sergéj Lápočkin (Russland), Sergéj Ivanóv (Russland) – Aljakséj Kul’bákoŭ (Belarus‘) – Vitálju Maljúcinu (Belarus‘)

Anstoßzeit und Spielort: 18. Juni 2016, 18:00 Uhr (UTC+2), Stade Vélodrome/Marseille

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Kommentare
  1. […] Trainerduo Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrímsson schenkte derselben Startelf wie schon beim 1:1 gegen Ungarn das […]

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  2. […] gelb-vorbelasteten Kleinheisler, Kádár und Nagy. Auch Stieber im Priskin fehlten im Vergleich zum späten 1:1 gegen Island in der Startelf. Korhut, Pintér, Elek, Lovrencsics und Szalai begannen für […]

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