Ramsey und Bale filetieren Russland – Wales Gruppensieger!

Veröffentlicht: 20. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Wales hat sich durch einen absolut verdienten 3:0-Erfolg über erneut enttäuschende Russen Rang Eins in Gruppe B gesichert. Die „Drachen“ waren dabei von Beginn an tonangebend und bestraften zwei Fehler des Gegners mit einer 2:0-Führung nach gerade einmal zwanzig Minuten. Auch danach leistete die Sbórnaja kaum Gegenwehr, lediglich Keeper Akinféev zeigte Normalform und verhinderte einen höheren Rückstand. Superstar Bale legte Mitte der zweiten Halbzeit das dritte Tor nach, entschieden war die Partie aber schon davor. Während bei den Coleman-Schützlingen nach Schlusspfiff aller Anlass zum Jubeln bestand, endete eine in jeder Hinsicht enttäuschende EM für Russland mit Platz Vier in der Gruppe.

Die Männer des Tages unter sich: Aaron Ramsey und Gareth Bale lieferten gegen schwache Russen ganz starke Leistungen ab.

Angesichts von gerade mal einem Zähler auf dem Konto musste für Leonid Slúckijs Russen ein Sieg her, um die Chancen auf das Achtelfinale am Leben zu erhalten. Gegenüber der 1:2-Niederlage gegen die Slowakei, bei der seine Schützlinge sowohl offensiv als auch defensiv enttäuscht hatten, brachte der Coach vier neue Spieler. Kombárov, Glušakóv, Mamáev und Širókov ersetzten Golovín, Neustädter, Ščénnikov und den an der Leiste verletzten Šátov.

Wales war dem Erzrivalen England spät mit 1:2 unterlegen. Chris Coleman schickte sein Team in einem flexiblen 5-3-2 auf den Rasen, in dem vor allem Ramsey viele Freiheiten genoss. An der Seite von Bale im Sturm durfte sich dieses Mal Vokes versuchen, Robson-Kanu musste auf die Bank.

Früher Weichensteller: Aaron Ramsey bejubelt sein sehenswertes Tor zum 1:0.

Die Weichen in Toulouse waren schnell gestellt. Die Waliser agierten von Beginn an hellwach und druckvoll. Bereits in der ersten Minute testete Bale Keeper Akinféev, Vokes lauerte, stand bei seinem Abstauber aber im Abseits. 95% (!) gewonnene Zweikämpfe sagten alles über den Einsatz der Waliser aus und mit freundlicher Unterstützung des Gegners wurde die Überlegenheit ins Ergebnis übertragen. Nach einem Fehlpass von Kokórin im Mittelfeld steckte Allen ganz stark auf den in die Spitze gestarteten Ramsey durch. Der Arsenal-Mann stand knapp nicht im Abseits und chippte das Leder leicht über Akinféev hinweg in die Maschen (11.).

Debüt-Tor: Taylor hat Akinféev im Nachschuss bezwungen – 2:0.

Die Russen waren durch den Rückstand nur noch verunsicherter, eigene Angriffe gab es wegen teilweise horrender Abspielfehler kaum. Die „Drachen“ dagegen drückten weiter auf das Gaspedal und hatten auch in der zwanzigsten Minute das Glück auf ihrer Seite. Bale dribbelte sich durch das Mittelfeld, als dann endlich mit Širókov ein Gegenspieler dazwischen ging, spitzelte dieser das Spielgerät zum links völlig freien Taylor. Der Außenverteidiger scheiterte zuerst aus sieben Metern an Akinféev, verwertete den Abpraller aber dann zu seinem ersten Länderspieltor (20.).

Die Begegnung entwickelte sich für die Sbórnaja zum Desaster. Gegen die schnellen, bissigen und lauffreudigen Waliser fanden Širókov und Co. kein Mittel, bei der ersten eigenen Gelegenheit musste der Zufall helfen. Einen weiten Abschlag von Akinféev konnte Williams nicht klären, sodass Dzjúba frei vor Hennessey auftauchte, dieser aber stark parierte (27.). Als Wachmacher taugte diese Szene aber nicht.

Ganz im Gegenteil: Bis zur Pause schien es, als würde nur Akinféev ein Debakel verhindern. Vokes brachte nach Gunter-Flanke nicht genügend Druck hinter seinem Kopfball (26.), und wurde dann von Bale nach einen dessen zahlreicher Sololäufe mustergültig bedient, scheiterte aber aus halbrechter Position an einer Fußabwehr des Keepers (30.). Ruhe kehrte keine ein: Bale köpfte nach Ramsey-Flanke hauchzart drüber, die Fahne war aber oben (30.), dann ging der Superstar im Duell mit Berezúckij zu Boden, ein Elfmeterpfiff blieb aber aus (31.).

In jeder Szene zu schnell für Russlands behäbige Abwehr: Wales im Allgemeinen und Gareth Bale im Besonderen.

Wales‘ Zweikampfquote war zwar etwas gesunken (86%), gegen die mit langen Bällen operierenden Russen reichte das aber vollkommen aus. Akinféev entschärfte einen Ramsey-Distanzhammer unorthodox (33.), dann war wieder Bale zur Stelle. Aber sowohl aus spitzem Winkel (38.) als auch nach einem weiteren Sololauf (40.) fand der Madrilene seinen Meister in Akinféev. Bis auf einen abgefälschten Distanzschuss von Kokórin (35.) und einen weiteren Versuch von Smólov (45.+1) hatten die Slúckij-Schützlinge dem nichts entgegenzusetzen und waren mit dem 0:2 zur Pause noch gut bedient.

Slúckij reagierte zur Pause und brachte Alekséj Berezúckij für seinen Zwillingsbruder Vasílij und wenig später Golovín für Širókov, am Geschehen auf dem Rasen änderte das aber wenig. Bereits in Minute 47 musste Akinféev erneut gegen den enteilten Bale retten. Bei den Osteuropäern geriet dann sogar ein Wechsel zur Lachnummer. Kapitän Širókov ging vom Feld, Ersatzspieler Golovín fand aber dann aber niemanden, der die Binde an sich nehmen wollte. Schließlich erbarmte sich Akinféev. Der Torwart war einziger Russe in Normalform und stand weiter im Mittelpunkt. Ramsey schickte Bale, doch auch dieses Duell entschied der 30-jährige für sich (55.).

Endlich ist er drin: Gareth Bale erzielt den 3:0-Endstand und überwindet Nemesis Akinféev.

Nach einer Stunde schonten sich dann die Rot-Weißen und ließen die Russen zu mehr Ballbesitz kommen – ohne dabei selbst in Bedrängnis zu geraten. Bale versuchte sich per Freistoß, anders als in den ersten beiden Gruppenspielen fehlte aber das Zielwasser (58.). Die statischen und unkreativen Offensivbemühungen der Sbórnaja boten dagegen Ramsey und Kollegen jede Menge Platz für Konter. Einen solchen veredelte schließlich Bale und durfte endlich jubeln. Gunter überließ für Ramsey, der nach innen zog und links im Sechzehner per Schnittstellenpass Bale fand. Diesmal blieb der Millionenmann cool und schoss aus sieben Metern per Außenrist an Akinféev vorbei ein (67.).

Jegliche Zweifel am Ausgang des Spiels waren damit vom Tisch, die „Drachen“ blieben gegen zunehmend frustrierte Russen weiterhin das klar bessere Team, standen absolut sicher und schonten bereits ihre Kräfte, wobei die Gegenangriffe stets Gefahr versprühten. Für den einmal mehr maßlos enttäuschenden WM-Gastgeber von 2018 kam Dzjúba gegen Ende zu zwei Möglichkeiten, setzte das Spielgerät aber sowohl nach Mamáev-Flanke (85.) als auch nach einer kurz abgewehrten Ecke drüber (90.+2). Ein Ehrentreffer wäre aber auch nicht verdient gewesen.

Vereinter Jubel: Fans und Spieler von „Cymru“ dürfen sich auf das Achtelfinale freuen.

Dank des auch in der Höhe gerechten Erfolges und des Remis im Parallelspiel stehen die „Drachen“ damit bei ihrer ersten EM-Teilnahme im Achtelfinale und treffen am Samstag (25. Juni) um 18 Uhr auf einen der Dritten aus Gruppe A, C oder B. Für Russland ist als Vierter ein rundum enttäuschendes Turnier vorbei, bis zur WM im eigenen Land haben die Osteuropäer jede Menge Arbeit vor sich.

Statistik:

Tore: 0:1 Ramsey (11., Rechtsschuss, Allen), 0:2 Taylor (20., Linksschuss, ohne Vorarbeit), 0:3 Bale (67., Linksschuss, Ramsey)

Aufstellung (Russland): Akinféev – Smól’nikov, V. Berezúckij, Ignašévič, Kombárov – Glušakóv – Širókov, Mamáev – Kokórin, Dzjúba, Smólov

Aufstellung (Wales): Hennessey – Gunter, Chester, A. Williams, Davies, Taylor – Allen, Ramsey, Ledley – Vokes, Bale

Wechsel (Russland): 46. A. Berezúckij für V. Berezúckij, 52. Golovín für Širókov, 70. Samédov für Smólov

Wechsel (Wales): 74. Edwards für Allen, 76. King für Ledley, 83. Church für Vokes

Bank (Russland): Guilherme (Tor), Lodýgin (Tor), Ščénnikov, Šíškin, Ivanóv, Jusúpov, Neustädter, Šátov, Torbínskij

Bank (Wales): D. Ward (Tor), Fôn Williams (Tor), Collins, Richards, Cotterill, Vaughan, G. Williams, J. Williams, Robson-Kanu

Gelbe Karten: Mamáev (64., Foulspiel) – Vokes (16., Foulspiel)

Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden) – Mathias Klasenius (Schweden), Daniel Wärnmark (Schweden) – Stefan Johanesson (Schweden), Markus Strömbergsson (Schweden) – Daniele Orsato (Italien) – Mauro Tonolini (Italien)

Anstoßzeit und Spielort: 20. Juni 2016/21:00 Uhr (UTC+2), Stadium Municipal/Toulouse

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Kommentare
  1. […] hatte die Gruppe B als Erster beendet und beim 3:0 gegen Russland eine sehr überzeugende Leistung geboten. Trainer Chris Coleman verzichtete wenig überraschend auf Änderungen an seiner Startelf. Vor […]

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