Gnadenlos effektive Türken hoffen dank Burak Yılmaz und Ozan Tufan

Veröffentlicht: 21. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Für die Tschechische Republik ist die Europameisterschaft nach einem 0:2 gegen die Türkei im „Spiel um Platz 3“ der Gruppe D beendet. Zwar waren die Vrba-Schützlinge insbesondere in Halbzeit Eins spielbestimmend und verbuchten mehrere Chancen, das Tor erzielten aber die gnadenlos effektiven Türken mit ihrer einzigen Gelegenheit. Nach der Pause fehlte den Vrba-Schützlingen gegen einen konzentriert verteidigenden Gegner die Ideen. Nach 65 Minuten musste Čech und Co. sogar einen weiteren Nackenschlag hinnehmen – Ozan Tufan erhöhte aus Abseitsposition. Diesen Vorsprung brachte die konterstarke Terim-Truppe sicher nach Hause und blickt gespannt auf die verbleibenden Gruppenspiele, die über ihr weiteres Schicksal entscheiden.

Das Tor, das die Türkei hoffen lässt: Ozan Tufan trifft in der 65. Minute zum 0:2.

Der tschechische Trainer Pavel Vrba veränderte die Elf, die bei der von Fanauschreitungen überschatteten Aufholjagd gegen Kroatien (2:2) begonnen hatte, auf vier Positionen. Pudil, Pavelka, Dočkal und Necid, der per Elfmeter den Ausgleich markiert hatte, erhielten im „Spiel um Platz 3“ das Vertrauen des Trainers. Für sie mussten Limberský, Skalák und Lafata weichen, zudem war für Rosický die EM nach einem gegen Kroatien erlittenen Muskelfaserriss bereits beendet.

Die türkische Nationalelf und Coach Fetih Terim hatten sich nach dem klaren 0:3 gegen Spanien viel Kritik anhören müssen. Der erfahrene Übungsleiter reagierte darauf mit drei Umstellungen. İsmail Köybaşı, Talent Emre Mor und Volkan Şen durften sich anstelle von Caner Erkin, Hakan Çalhanoğlu und Oğuzhan Özyakup beweisen.

Perfekter Abschluss: Burak Yılmaz nutzt die erste türkische Chance zur frühen Führung.

Für beide Teams zählte nur ein Sieg, sollte die EM nicht bereits nach der Vorrunde vorbei sein. Den besseren Start in Lens erwischten dabei die Tschechen, die viel Druck aufbauten und die Türken in deren Hälfte drängten. Logische Folge war auch eine erste Torannäherung von Darida nach einer Necid-Hereingabe (5.). Die Türkei dagegen setzte auf Konter – und nutzte ihre erste solche Gelegenheit eiskalt zur Führung.

Emre Mor eroberte noch in der eigenen Hälfte den Ball und rannte nach Doppelpass mit Gökhan Gönül auf der rechten Außenbahn auf und davon. Seine folgende Hereingabe fand gegen die unsortierte tschechische Defensive am Fünfmeterraum Burak Yılmaz, der halbhoch ins rechte Eck vollendete – Čech war chancenlos (10.). Damit übernahmen die Südosteuropäer Rang 3, mussten aber tunlichst nachlegen, um ihr schlechtes Torverhältnis (1:4) aufzubessern.

Sivok trifft per Kopf nur den Pfosten. Volkan Babacan wäre geschlagen gewesen.

Die Vrba-Schützlinge brauchten ein paar Minuten, um sich von diesem Nackenschlag zu erholen, legten dann aber prompt den Vorwärtsgang ein. Ein Darida-Distanzschuss wurde von Hakan Balta noch abgefälscht – Ecke (16.). Dočkal fand bei dieser den Kopf des aufgerückten Sivok, doch der Türkei-Legionär scheiterte am linken Pfosten (16.). Es entwickelte sich ein wilder Schlagabtausch, wobei die zunehmende Hektik viele Ballverluste zufolge hatte, sodass es stets offen blieb.

Die deutlich besseren Möglichkeiten hatten die aktiveren Tschechen. Über Dočkal und Plašil wurde Kadeřábek rechts im Sechzehner freigespielt, doch der Außenverteidiger scheiterte aus spitzem Winkel an Volkan Babacan (24.). Eine Direktabnahme von Necid nach Krejčí-Vorarbeit verfehlte das Tor knapp (24.), dann verlängerte die Sturmspitze per Kopf zum sehr offensiv ausgerichteten Kadeřábek, doch der Hoffeheimer konnten die Kugel per Grätsche nur noch neben das Tor lenken (31.).

Eines von vielen taktischen Fouls: Pavelka sieht Gelb.

Mit der Hektik kam auch Härte ins Spiel, die Akteure boten neben emotionalen Zweikämpfen auch einige taktische Fouls. Schiedsrichter William Collum (Schottland) zückte binnen vier Minuten dreimal Gelb. Das nächste fußballerische Ausrufezeichen setzte Plašil, den spektakulären Distanzhammer des Mittelfeldmannes entschärfte Volkan Babacan aber brillant (38.). Der Ausgleich wäre längst überfällig gewesen, doch Arda Turan und Co. retteten die wichtige Führung in die Halbzeitpause.

Die Präzision im finalen Drittel war den ganz in Rot spielenden Tschechen nach dem Kabinengang etwas abhandengekommen, die Abspielfehler häuften sich. Krejčí machte aus einem klugen Pudil-Zuspiel zu wenig (54.), dann sorgten Volkan Babacan und Mehmet Topal kurz für Unruhe bei den türkischen Anhängern, als der Schlussmann eine Kerze seines Innenverteidigers unorthodox klären wollte. Schiedsrichter Collum pfiff jedoch ein Stürmerfoul des unbeteiligten Necid (55.).

Emre Mor erwies sich als belebendes Element und bereitete die wichtige Führung vor.

Die Terim-Truppe verteidigte nun deutlich kompakter und fand zudem häufiger den Weg nach vorne. Insbesondere Emre Mor beschäftigte die gegnerische Defensive und hätte nach einem starken Sololauf fast ein zweites Tor nachgelegt, feuerte aber vom Strafraumrand knapp drüber (58.). Dann war wieder Volkan Babacan gefordert und erneut reagierte der 27-jährige stark: Dočkal hatte sich an die Grundlinie durchgekämpft und auf Darida zurückgelegt, doch der Keeper meisterte den folgenden Flachschuss des Berliners (59.). Zwei Minuten später versuchte sich Necid aus der Distanz, doch auch ihm war kein Glück beschieden (61.).

Vrba hatte mit der Einwechslung von Stürmer Škoda für den defensiven Pavelka ein klares Zeichen gesetzt, das Tor fiel aber wieder auf der anderen Seite. Selçuk İnan brachte einen Freistoß aus dem linken Halbfeld in den vollen Sechzehner, wo Mehmet Topal mit dem Rücken zum Tor den Ball irgendwie auf Ozan Tufan ablegte. Der Mittelfeldmann fand eine Lücke im Meer von Trikots vor sich und donnerte die Kugel aus sechs Metern perfekt ins rechte obere Eck (65.). Einziges Manko: Vorlagengeber Mehmet Topal stand zuvor im Abseits.

Grenzenloser Jubel: Ozan Tufan hat soeben das 0:2 erzielt.

Es war ein Treffer mit Wirkung. Die Tschechen benötigten nun drei Tore für das Weiterkommen, der Glaube daran schien den Vrba-Schützlingen aber zu fehlen, sodass die Türkei nun deutlich einfacher die gegnerischen Angriffsbemühungen eindämmen konnte. Erst in der Schlussphase stürmten Darida und Co. mit dem Mute der Verzweiflung an. Eine Hereingabe des eingewechselten Šural fand fast per Zufall den Weg ins Tor (78.), der Bundesliga-Legionär selbst versuchte sich per Distanzschuss und Heber – ohne Erfolg (81., 85.).

Für die euphorisierten Türken boten sich Kontergelegenheiten, allerdings wurde diese beileibe nicht so gut ausgespielt wie beim 0:1. Olcay Sahan (83.) und Cenk Tosun (90.+2) – beide als Joker gekommen – verpassten es somit, die Ausgangsposition für die Halbmond-Elf weiter zu verbessern. Kurz darauf war der bittere Abend für die Tschechische Republik vorbei, die Türken bejubelten Platz Drei, müssen aber weitere 24 Stunden warten, um ihr endgültiges Schicksal zu erfahren.

Statistik:

Tore: 0:1 Burak Yılmaz (10., Rechtsschuss, Emre Mor), 0:2 Ozan Tufan (65., Rechtsschuss, Mehmet Topal)

Aufstellung (Tschechische Republik): Čech – Kadeřábek, Sivok, Hubník, Pudil – Pavelka – Plašil, Darida – Dočkal, Krejčí – Necid

Aufstellung (Türkei): Volkan Babacan – Gökhan Gönül, Mehmet Topal, Hakan Balta, İsmail Köybaşı – Ozan Tufan, Selçuk İnan, Arda Turan – Emre Mor, Volkan Şen – Burak Yılmaz

Wechsel (Tschechische Republik): 57. Škoda für Pavelka, 71. Šural für Dočkal, 90. Kolář für Plašil

Wechsel (Türkei): 61. Oğuzhan Özyakup für Volkan Şen, 69. Olcay Şahan für Emre Mor, 90. Cenk Tosun für Burak Yılmaz

Bank (Tschechische Republik): Koubek (Tor), Vaclík (Tor), Gebre Selassie, Kadlec, Limberský, Suchý, Skalák, Lafata

Bank (Türkei): Harun Tekin (Tor), Onur Kıvrak (Tor), Ahmet Çalık, Caner Erkin, Semih Kaya, Şener Özbayraklı, Hakan Çalhanoğlu, Nuri Şahin, Yunus Mallı

Gelbe Karten: Plašil (36., Foulspiel), Pavelka (39., Foulspiel), Šural (87., Foulspiel) – İsmail Köybaşı (35., Foulspiel), Hakan Balta (50., Foulspiel)

Schiedsrichter: William Collum (Schottland) – Damien MacGrath (Irland), Francis Connor (Schottland) – Robert Madden (Schottland), John Beaton (Schottland) – Sergéj Lápočkin (Russland) – Nikoláj Gólubev (Russland)

Anstoßzeit und Spielort: 21. Juni 2016/21:00 Uhr (UTC+2), Stade Bollaert-Delelis/Lens

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