Perišić und Kalinić schocken den Titelverteidiger

Veröffentlicht: 21. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Kroatien hat sich durch einen 2:1-Erfolg über Titelverteidiger Spanien Platz 1 in Gruppe D gesichert. Während die „Feurigen“ damit im Achtelfinale auf einen Drittplatzierten treffen, wartet auf Spanien mit Italien ein schwerer Brocken. Die „Furia Roja“ startete stark, musste sich aber den Vorwurf gefallen lassen, nach der frühen Führung zu wenig in die Offensive investiert zu haben. Die Kroaten versuchten viel, glichen mit dem Pausenpfiff nicht unverdient aus und setzten kurz vor dem Ende durch Perišić den entscheidenden Punch. Zuvor hatte Sergio Ramos per Elfmeter Spaniens beste Gelegenheit liegengelassen.

Jubellauf: Ivan Perišić legte den Ausgleich auf und erzielte das 2:1 selbst.

Kroatien hatte gegen die Tschechische Republik zwar einen 2:0-Vorsprung aus der Hand gegeben, das 2:2 sicherte aber dennoch so gut wie den Einzug ins Achtelfinale. Deutschlands Sieg am Vortag hatte diesen bestätigt: Selbst im Falle einer Niederlage und dem Abrutschen auf Rang 3 wären die Kroaten somit sicher weiter. Trainer Ante Čačić wechselte daher im „Spiel um Platz 1“ gleich fünfmal Personal. Neben den angeschlagenen Modrić (Adduktorenzerrung) wurden auch Vida, Strinić, Brozović und Mandžukić geschont. Für sie erhielten Jedvaj, Vrsaljko, Rog, Pjaca und Nikola Kalinić Einsatzzeiten.

Anders dagegen Spaniens Coach Vicente del Bosque: Er setzte auf Konstanz und schickte wie bereits in den ersten beiden Gruppenspielen dieselbe Startelf auf das Feld. Im Sturm begann damit Morata, der beim 3:0 gegen die Türkei durch seinen Doppelpack maßgeblich zum vorzeitigen Weiterkommen beigetragen hatte.

Da war noch alles in Ordnung: Álvaro Morata bringt die „Furia Roja“ in Front.

Die Partie startete durchaus attraktiv, die Kroaten versteckten sich nicht und verbuchten durch Rog (4.) und Srna (6.) erste Abschlüsse. Das Tor erzielten aber die Spanier. Silva zog von rechts nach innen und steckte dann herrlich für Fàbregas durch, der frei vor Subašić uneigennützig querlegte. Morata musste nur noch einschieben – Turniertreffer Nummer 3 für den 23-jährigen (7.). Nolito, ebenfalls gegen die Türkei erfolgreich, hätte nach Silva-Flanke um ein Haar nachgelegt, seine Direktabnahme zischte aber rechts am Tor vorbei (9.).

Die Weichen schienen gestellt, doch die „Feurigen“ ergaben sich nicht in ihr Schicksal, sondern suchten nach einer Antwort. Mandžukić-Ersatz Kalinić zwang de Gea mit einem satten Distanzversuch zu einer ersten Parade (12.).

Mittelfeldduelle: Milan Badelj gegen Sergio Busquets.

Auch zwei Minuten später standen die beiden im Mittelpunkt. Der Fiorentina-Stürmer luchste dem etwas zu lässig agierenden Schlussmann nach Juanfran-Rückpass das Spielgerät ab und spitzelte es zu Rakitić. Der nahm aus vom Strafraumrand Maß, hatte aber gleich doppeltes Pech – sein Heber prallte erst an die Latte, dann an den Pfosten und von dort ins Feld zurück (14.).

Um das Feuer der Kroaten einzudämmen, warf die „Furia Roja“ ihre Passmaschine an und versuchte mit Ballbesitz das Geschehen auf dem Rasen zu beruhigen. Dies gelang auch, denn fortan dominierten Iniesta und Co. ohne allerdings wirklich zwingend zu werden. Silva bereitete Subašić mit einem 20-Meter-Schuss leichte Probleme (23.), Nolitos Abschluss wurde von Ćorluka zur Ecke geklärt (28.). Tempo kam aber kaum auf.

Ausgleich: Kalinić trifft per Hacke zum 1:1.

Bis zur Pause standen folglich nur Halbchancen auf dem Programm. Perišić setzte sich bei einer Srna-Flanke gegen Juanfran durch, köpfte aber klar drüber (39.). Auf der Gegenseite wurde Sergio Ramos nach Nolito-Ecke ebenfalls per Kopf gefährlich, erwischte die Kugel aber nicht richtig (42.).

Dennoch sollte noch vor dem Kabinengang der Ausgleich fallen. Perišić tanzte auf der linken Außenbahn Juanfran aus und flankte anschließend an den Fünfmeterraum. Dort war Kalinić eingelaufen und streichelte den Ball mit der Hacke ins kurze Eck (45.). Ein Tor der Marke „Spitzenklasse“ brachte den Mannen vom Balkan das etwas überraschende 1:1. Spanien hatte damit erstmals seit 734 Minuten wieder ein Gegentor bei einer Europameisterschaft hinnehmen müssen.

Gerade noch behoben: de Gea blockt nach einem eigenen Fehler einen Schuss von Jedvaj.

Für einen Hallo-Wach-Effekt sorgte der Ausgleich aber nicht. Auch in den zweiten 45 Minuten versuchte die „Furia Roja“ lediglich durch eigenen Ballbesitz das Ergebnis zu verwalten. Halbchancen wie die von Juanfran (48.) und Morata (54.) waren so das höchste der Gefühle. Deutlich brenzliger wurde es für den erneut unsicheren de Gea. Der Keeper konnte eine Srna-Flanke nicht klären, Jedvaj scheiterte jedoch am Fuß des England-Legionärs ehe Pjaca den Abpraller per Fallrückzieher knapp vorbei setzte (57.).

Gegen gut organisierte Kroaten fehlten bei den Iberern meist die Ideen, Perišić und Co. agierten dagegen geschlossen und sorgten bei ihren Angriffen durchaus für Gefahr. In der 64. Minute ging dann Pjaca umringt von mehreren Spaniern im Sechzehner zu Boden, die Pfeife von Schiedsrichter Kuipers (Niederlande) blieb aber stumm.

Sergio Ramos scheitert vom Punkt an Subašić.

Eine Standardsituation hätte dem Favoriten dann um ein Haar die Führung gebracht. Silva servierte eine Ecke mustergültig auf den Kopf von Sergio Ramos, doch der Madrilene nickte hauchzart rechts vorbei (67.). Der Innenverteidiger sollte aber im Rampenlicht bleiben.

Drei Minuten nach dieser Chance flankte Iniesta aus dem Halbfeld, Vrsaljko kreuzte den Laufweg von Silva und lief diesen nach Ansicht des Schiedsrichtergespanns in die Hacken – Elfmeter (70.). Alle Proteste der Kroaten brachten nur eine Gelbe Karte für Srna ein. Sergio Ramos übernahm schließlich die Ausführung, scheiterte aber mit einem zu zentral geschossenen Versuch an Subašić (72.). Der Keeper hatte seine Linie zwar bereits vor der Ausführung verlassen, wiederholt wurde der Strafstoß aber nicht.

Eingenetzt: Perišić trifft, Piqué kann nur noch abfälschen.

Spanien schien dennoch das Unentschieden, das zum Gruppensieg gereicht hätte, ruhig nach Hause zu bringen. Bis in Minute 87: Kalinić trieb das Leder bei einem Konter auf links nach vorne und schickte schließlich Perišić steil. Der Ex-Wolfsburger zog aus sieben Metern ab, leicht abgefälscht von Piqué fand der Schuss seinen Weg ins kurze Eck – Spiel gedreht (87.).

Zwar versuchte der nun unter Zugzwang geratene Titelverteidiger alles und hatte durch Silva eine letzte Chance (90.+5), prallte letzten Endes aber an den leidenschaftlich verteidigenden Kroaten ab und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht entschieden auf den eigenen Siegtreffer gegangen zu sein. Im Achtelfinale wartet damit Italien (Mo, 27. Juni, 18 Uhr) auf Iniesta und Co., Kroatien bekommt es mit einem Gruppendritten zu tun.

Statistik:

Tore: 0:1 Morata (7., Linksschuss, Fàbregas), 1:1 N. Kalinić (45., Rechtsschuss, Perišić), 2:1 Perišić (87., Linksschuss, N. Kalinić)

Aufstellung (Kroatien): Subašić – Srna, Ćorluka, Jedvaj, Vrsaljko – Rog, Badelj – Pjaca, Rakitić, Perišić – N. Kalinić

Aufstellung (Spanien): de Gea – Juanfran, Piqué, Sergio Ramos, Jordi Alba – Busquets – Fàbregas, Iniesta – Silva, Nolito – Morata

Wechsel (Kroatien): 82. Kovačić für Rog, 90.+2 Čop für Pjaca, 90.+4 Kramarić für Perišić

Wechsel (Spanien): 60. Bruno Soriano für Nolito, 67. Aduriz für Morata, 84. Thiago für Fàbregas

Bank (Kroatien): L. Kalinić (Tor), Vargić (Tor), Schildenfeld, Strinić, Vida, Brozović, Ćorić, Modrić, Mandžukić

Bank (Spanien): Casillas (Tor), Sergio Rico (Tor), Azpilicueta, Bartra, Bellerín, San José, Koke, Pedro, Vázquez

Gelbe Karten: Rog (29., Foulspiel), Vrsaljko (70., Foul), Srna (70., Meckern), Perišić (88., Trikotausziehen) –

Besonderes Vorkommnis: Subašić hält Foulelfmeter von Sergio Ramos (72., Vrsaljko an Silva)

Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande) – Sander van Roekel (Niederlande), Erwin Zeinstra (Niederlande) – Pol van Boekel (Niederlande), Richard Liesveld (Niederlande) – Kassai Viktor (Ungarn) – Ring György (Ungarn)

Anstoßzeit und Spielort: 21. Juni 2016/21:00 Uhr (UTC+2), Nouveau Stade de Bordeaux/Bordeaux

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