Arnór Ingvi Traustason komplettiert Islands Märchen

Veröffentlicht: 22. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Island steht bei seiner ersten EM-Teilnahme im Achtelfinale – die Blau-Weißen schlugen Österreich mit 2:1. Gegen die unter Siegzwang stehende ÖFB-Elf startete der Debütant schwungvoll und belohnte sich durch die Führung von Jón Daði Böðvarsson. Erst der Gegentreffer weckte Alaba und Co., die in der Folge anrannten, durch Dragović aber die beste Gelegenheit vom Punkt aus liegen ließen. Durch den zur Pause eingewechselten Schöpf gelang schließlich der Ausgleich, danach hielt Islands Bollwerk wieder. Mit dem letzten Angriff sorgten zwei Joker für die Entscheidung und vollbrachten damit Historisches.

Islands Spieler feiern ihren ersten EM-Sieg.

Islands Trainerduo Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrímsson schenkte derselben Startelf wie schon beim 1:1 gegen Ungarn das Vertrauen.

Österreichs Coach Marcel Koller dagegen baute nach dem 0:0 gegen Portugal um. Auf dem Papier wurde die Aufstellung sogar defensiver, mit dem von seiner Gelb-Rot-Sperre zurückkommenden Dragović brachte der Schweizer einen weiteren Innenverteidiger für den offensiven Harnik. Damit wurde aus dem üblichen 4-2-3-1 ein 5-2-3, wobei die Außenverteidiger Klein und Fuchs weit nach vorne rückten. Alaba begann als falsche Neun im Sturmzentrum.

Gewaltschuss: Jóhann Berg Guðmundsson ließ früh das Aluminium erzittern.

Es waren nicht die etwas mehr unter Druck steckenden Österreicher, die in Paris für das erste Ausrufezeichen sorgten. Jóhann Berg Guðmundsson nahm aus 20 Metern Maß, der Ball knallte an das linke Kreuzeck (2.). Auch ansonsten zeigten sich die Isländer hellwach, suchten selbst den Weg nach vorne und erarbeiteten sich ein Übergewicht. Für eine Schrecksekunde sorgte aber Keeper Hannes Þór Halldórsson, der sich den Ball erst von Arnautović abluchsen ließ, dann aber noch klären konnte (11.).

Nach 15 Minuten konnte sich Team Austria erneut beim Aluminium bedanken. Gylfi Þór Sigurðsson gelang um ein Haar ein Kunstschuss, seine direkte Ecke landete am Pfosten (15.). Noch in derselben Minute probierte sich Innenverteidiger Kári Árnason als Distanzschütze und streifte das Tornetz (15.).

Eingenetzt: Jón Daði Böðvarsson bezwingt Robert Almer zum 1:0.

Die Führung für Island lag in der Luft und war wenig später auch beschlossene Sache. Kapitän Aron Einar Gunnarsson sorgte mit einem weiten Einwurf für Chaos in Österreichs Defensive, Kári Árnason verlängerte per Kopf, am Fünfmeterraum setzte sich Jón Daði Böðvarsson gegen Baumgartlinger durch und schoss im Fallen ein (18.).

Alaba und Co. brauchten etwas, um diesen Schock zu verdauen und versuchten erst einmal, über Ballbesitz ihre Sicherheit im Passspiel zu finden. Erst nach 29 Minuten feuerte Arnautović den nächsten Torschuss ab, konnte Hannes Þór Halldórsson aber nicht wirklich auf die Probe stellen (29.). Eine Zeigerumdrehung später erreichte der England-Legionär eine Baumgartlinger-Flanke, setzte den Ball aber klar drüber (30.).

Chance vergeben: Dragović setzt den Elfmeter an den Pfosten.

Dennoch: Die Koller-Schützlinge kamen immer besser in Fahrt und hatten wenig später die dicke Gelegenheit zum Ausgleich. Ari Freyr Skúlason hielt Alaba bei einem hohen Zuspiel am Arm fest. Der Bayern-Spieler ging zu Boden, Schiedsrichter Marciniak (Polen) entschied auf Elfmeter (36.). Dragović übernahm die Verantwortung, machte es aber zu genau: Sein harter Flachschuss landete am linken Außenpfosten (37.).

Island hatte sich in der Defensive eingerichtet, doch die Konter der Nordmänner blieben gefährlich. Knapp sechzig Sekunden nach dem vergebenen Elfmeter schob Birkir Bjarnason nach Pass von Jóhann Berg Guðmundsson ein, die Abseitsfahne war aber zuvor hochgegangen (38.). Dennoch: Der Angriff unterstrich die Gefährlichkeit des EM-Debütanten. Baumgartlingers satter Fernschuss, den Hannes Þór Halldórsson über die Latte lenkte (42.), war der Schlusspunkt einer sehr unterhaltsamen ersten Halbzeit.

Rassige Zweikämpfe wechselten sich mit Torszenen ab. Hier streiten Alaba und Aron Einar Gunnarsson um das Spielgerät.

Mit Sturmtank Janko und Kreativspieler Schöpf für die defensiven Ilsanker und Prödl begann Österreichs Aufholjagd. Die erste Chance hatten aber die Isländer: Wieder warf Aron Einar Gunnarsson weit ein und Kári Árnason verlängerte, Birkir Bjarnason war eingelaufen, setzte seine Direktabnahme aus zwölf Metern aber drüber (46.). Prompt war der Innenverteidiger im eigenen Strafraum gefordert und blockte einen Alaba-Schuss (47.).

Es folgte eine kuriose Szene: Der am Boden liegende Ari Freyr Skúlason rollte unfreiwillig in die Beine von Sabitzer und brachte den Österreicher damit zu Fall. Schiedsrichter Marciniak ließ diesmal Gnade vor Recht ergehen und pfiff nicht (48.). Der muntere Schlagabtausch ging trotzdem weiter. Gylfi Þór Sigurðsson verzog nach feinem Solo aus halblinker Position nur knapp (49.).

Alessandro Schöpf traf erst zum Ausgleich, scheiterte dann aber hier an Hannes Þór Halldórsson.

Dann war Schöpf an der Reihe. Erst wurde der Joker vom starken Kári Árnason geblockt (53.), dann visierte der Schalke-Profi das rechte obere Eck an, kam aber nicht an Hannes Þór Halldórsson vorbei (55.). Auf der Gegenseite schoss Jón Daði Böðvarsson nach einem Zusammenspiel mit Sturmpartner Kolbeinn Sigþórsson drüber (57.).

Ein solcher Angriff sollte den Isländern aber zum Verhängnis werden. Der Ball ging im Mittelfeld verloren, sodass sich seltene Räume für die Österreicher boten. Alaba setzte Schöpf in Szene, der Joker trickste sich diesmal an Kári Árnason vorbei und traf aus 15 Metern präzise ins linke untere Eck – 1:1, alles war wieder offen in Saint-Denis (60.).

Auf den Rückschlag antwortete der Debütant mit einem feinen Angriffszug. Über Birkir Bjarnason und Kolbeinn Sigþórsson gelangte das Spielgerät zu Gylfi Þór Sigurðsson, doch dessen Innenspann-Schuss konnte Almer parieren (65.). Dann brannte es wieder im anderen Sechzehner. Janko lenkte eine Sabitzer-Hereingabe nur knapp am Tor vorbei (69.).

Unter Beobachtung: Auch Stürmer Jón Daði Böðvarsson half wie hier gegen Sabitzer in der Defensive aus.

Ein Unentschieden hätte Island für Platz Drei genügt, demzufolge war die Rollenverteilung in der Schlussphase klar. Alaba und Co. warfen alles nach vorne, um das Vorrundenaus noch abzuwenden. Alaba und Janko ermöglichten Schöpf eine Großchance, doch Hannes Þór Halldórsson rettete per Fußabwehr (73.). Bei einem Konter der Nordmänner landete der Ball nach einer Hereingabe von Theódór Elmar Bjarnason am Arm von Klein – auch hier blieb die Pfeife stumm (75.).

Dem ungeheuren Tempo mussten die Akteure in den finalen Minuten Tribut zahlen, insbesondere für die Österreicher kam dies ungelegen. Alaba prüfte per Freistoß den einmal mehr starken Hannes Þór Halldórsson (80.). Mehr gelang trotz Dauerdrucks gegen leidenschaftlich verteidigende Isländer nicht mehr, die sich in jeden Ball warfen und den eigenen Strafraum mit fast allen Feldspielern dichtmachten.

Mit letzter Kraft hinein: Joker Arnór Ingvi Traustason bringt in der 94. Minute Islands ersten EM-Sieg unter Dach und Fach.

Mit dem letzten Angriff des Spiels fiel dann der Siegtreffer – für Island! Österreich war komplett aufgerückt, sodass Joker Theódór Elmar Bjarnason über rechts einen Drei-gegen-Zwei-Konter anführte. Im Sechzehner legte der 29-jährige quer an den zweiten Pfosten, wo mit Arnór Ingvi Traustason ebenfalls ein Joker lauerte und das Spielgerät mit links am sich verzweifelt streckenden Almer vorbei über die Linie grätschte (90.+4). Direkt danach war Schluss, was allerdings im ekstatischen Jubel der Isländer über den ersten EM-Sieg überhaupt unterging.

Für Österreich endet damit auch die zweite EM-Teilnahme bereits in der Vorrunde. Island ist dagegen noch ungeschlagen, schließt die Gruppe F als Zweiter vor Portugal ab und darf sich auf das Achtelfinale gegen England freuen (27. Juni, 21 Uhr).

Statistik:

Tore: 1:0 Jón Daði Böðvarsson (18., Rechtsschuss, Kári Árnason), 1:1 Schöpf (60., Linksschuss, Alaba), 2:1 Arnór Ingvi Traustason (90.+4, Linksschuss, Theódór Elmar Bjarnason)

Aufstellung (Island): Hannes Þór Halldórsson – Birkir Már Sævarsson, Ragnar Sigurðsson, Kári Árnason, Ari Freyr Skúlason – Aron Einar Gunnarsson, Gylfi Þór Sigurðsson – Jóhann Berg Guðmundsson, Birkir Bjarnason – Kolbeinn Sigþórsson, Jón Daði Böðvarsson

Aufstellung (Österreich): Almer – Klein, Prödl, Dragović, Hinteregger, Fuchs – Baumgartlinger, Ilsanker – Sabitzer, Alaba, Arnautović

Wechsel (Island): 71. Theódór Elmar Bjarnason für Jón Daði Böðvarsson, 80. Arnór Ingvi Traustason für Kolbeinn Sigþórsson, 86. Sverrir Ingi Ingason für Jóhann Berg Guðmundsson

Wechsel (Österreich): 46. Janko für Ilsanker, 46. Schöpf für Prödl, 78. Jantscher für Sabitzer

Bank (Island): Ingvar Jónsson (Tor), Ögmundur Kristinsson (Tor), Haukur Heiðar Hauksson, Hjörtur Hermannsson, Hörður Björgvin Magnússon, Emil Hallfreðsson, Rúnar Már Sigurjónsson, Eiður Smári Guðjohnsen

Bank (Österreich): Lindner (Tor), Özcan (Tor), Garics, Suttner, Wimmer, Harnik, Junuzović, Hinterseer, Okotie

Gelbe Karten: Ari Freyr Skúlason (36., Foulspiel), Kolbeinn Sigþórsson (51., Foulspiel), Kári Árnason (78., Foulspiel), Hannes Þór Halldórsson (82., Zeitspiel) – Janko (70., Foulspiel)

Besonderes Vorkommnis: Dragović schießt Foulelfmeter an den linken Pfosten (37., Ari Freyr Skúlason an Alaba)

Schiedsrichter: Szymon Marciniak (Polen) – Paweł Sokolnicki (Polen), Tomasz Listkiewicz (Polen) – Paweł Raczkowski (Polen), Tomasz Musiał (Polen) – Mark Clattenburg (England) – Simon Beck (England)

Anstoßzeit und Spielort: 22. Juni 2016/18:00 Uhr (UTC+2), Stade de France/Saint-Denis (Paris)

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