Brady versetzt Irland in Ekstase

Veröffentlicht: 22. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Irland hat es geschafft! Die „Boys in Green“ haben nach einem hart errungenen 1:0-Sieg über Italien erstmals die EM-Gruppenphase überstanden. Gegen eine auf acht Positionen veränderte „Squadra Azzurra“ waren die Iren über die gesamte Spieldauer die dominierende Mannschaft, fanden gegen die gewohnt solide Abwehr um Bonucci und Co. aber kaum Mittel. Die Schlussviertelstunde wurde dann dramatisch. Insigne traf bei einem der wenigen italienischen Angriffen den Pfosten, Joker Hoolahan scheiterte freistehend vor Sirigu. Dann erlöste Brady per Kopf die Mannen von der Grünen Insel und die irische Partynacht in Lille konnte beginnen.

Robbie Brady feiert sein entscheidendes Tor – Irland steht erstmals in der nächsten Runde.

Italien hatte sich durch das 1:0 gegen Schweden sowohl das Weiterkommen als auch den Gruppensieg gesichert. Trainer Antonio Conte setzte daher im letzten Spiel der Vorrunde auf Rotation. Gleich acht Akteure wurden geschont, lediglich Barzagli, Bonucci und Florenzi blieben in der Startelf. Sirigu (Tor), Ogbonna, Thiago Motta, Bernardeschi, Sturaro, De Sciglio, Zaza und Immobile erhielten damit eine Chance, sich zu empfehlen.

Irland brauchte nach dem 0:3 gegen Belgien einen Sieg, sollte nicht schon wie 2012 das Aus nach drei Spielen erfolgen. Coach Martin O’Neill tauschte viermal Personal, darunter beide Innenverteidiger. Clark und O’Shea nahmen ebenso wie Whelan und Hoolahan auf der Bank Platz. Duffy und Keogh verteidigten stattdessen zentral, McClean verstärkte das Mittelfeld und Murphy lief an der Seite von Long im Sturm auf.

Enges Duell: Hier duellieren sich Hendrick und Sturaro.

Trotz vermeintlicher B-Elf der Italiener: Die Kontrahenten schenkten sich in Lille von Beginn an nichts und gingen einsatzfreudig in die Zweikämpfe. Die Iren übernahmen die Spielkontrolle, Barzagli und Co. setzten wie gewohnt auf eine dicht geordnete Defensive und schnelle Konter. Die erste Gelegenheit gehörte dennoch den „Boys in Green“: Hendrick verfehlte aus der Distanz das Kreuzeck nur knapp (9.).

Derartige Gelegenheiten waren aber Mangelware. Italien unternahm nach vorne nur wenig, die bemühten Iren bissen sich an der Abwehr des EM-Finalisten von 2012 zumeist die Zähne aus. Aus dem Spiel heraus ging wenig, also mussten Standards der O’Neill-Truppe helfen. Sirigu parierte einen Murphy-Kopfball nach Ecke von Brady stark (21.), gut zehn Minuten darauf verschätze sich der Buffon-Ersatz bei einer weiteren Brady-Ecke aber und hatte Glück, dass Duffy den Ball aus spitzem Winkel nicht mehr auf das Tor brachte (32.).

Hochkochende Emotionen: Hier geraten Sirigu und Long aneinander.

Spielerisch ließ die Partie zu wünschen übrig, an Intensität fehlte ihr aber nichts. Weder auf den Rängen, wo tausende Iren frenetisch ihr Team nach vorne trieben, noch auf dem Rasen. Ein Beispiel bot die 39. Minute: Sirigu klärte vor Duffy und wurde anschließend vom irischen Innenverteidiger gefoult. Long gab dem liegenbleibenden Keeper ein paar Worte mit, der daraufhin den Stürmer anrempelte. Schiedsrichter Haţegan (Rumänien) bedachte beide mit einer Gelben Karte.

Erst in der 43. Minute verbuchten die Italiener ihre erste brauchbare Offensivaktion. McCarthy konnte nicht weit genug klären, Immobile nahm aus der Distanz Maß und schoss nur knapp links vorbei. Keine sechzig Minuten später forderten die Iren Elfmeter: Murphy hatte McClean links im Sechzehner bedient, der Mittelfeldmann ging nach einem harten Rempler von Bernardeschi zu Boden – für Haţegan war das Einsteigen nicht strafstoßwürdig. Eine knifflige Entscheidung (44.).

Wesley Hoolahan lässt hier noch eine dicke Gelegenheit aus, bereitete kurz darauf aber das Siegtor vor.

Halbzeit Zwei begann ohne Veränderungen. Irland suchte eine Lücke im italienischen Abwehrverbund, es fehlten aber das Tempo und die spielerischen Mittel. Die Südeuropäer ließen immerhin einmal ihr Offensivpotential aufblitzen. Nach Flanke von De Sciglio setzte Zaza seine Direktabnahme über das Tor (53.). Doch auch die Iren verbuchte eine gute Gelegenheit. Sirigu und Thiago Motta konnte eine Murphy-Hereingabe nicht klären, sodass das Spielgerät bei Coleman landete. Ogbonna blockte den Abschluss des Rechtsverteidigers in höchster Not (57.).

Hochwertige Torszenen waren aber an einer Hand abzuzählen. Bemühen und Einsatz waren Long und Co. nicht abzusprechen, wirklich fordern konnten sie die Defensive der „Squadra Azzurra“ aber nicht. Zu berechenbar waren die hohen Bälle und Standards für die erfahrenen Bonucci, Barzagli und deren Kollegen. Somit blieben nur Schüsse aus der zweiten Reihe. Doch Hendrick (62.), Duffy (65.), McClean (70.) und Joker McGeady (74.) konnten Sirigu nicht mal im Ansatz gefährden.

Eingenetzt: Robbie Brady erlöst Irland per Kopf.

Mit Offensivmann Hoolahan für McCarthy leitete Martin O’Neill die Schlussphase ein – und die hatte es in sich. Erst landete ein flacher Schlenzer des ebenfalls eingewechselten Insigne am rechten Pfosten des irischen Tores – Randolph wäre chancenlos gewesen (77.). Dann waren die Iren an der Reihe: Bonucci schenkte den Ball gegen Hoolahan her, sodass der Joker frei vor Sirigu auftauchte, den Keeper mit seinem unplatzierten Abschluss aber anschoss (84.).

Irlands Fans hatten die hundertprozentige Chance noch gar nicht richtig betrauert, da durften sie doch noch jubeln. Hoolahan hatte im rechten Halbfeld ganz viel Platz und flankte hoch in die Mitte. Wie schon einige Male zuvor wirkte Sirigu beim Herauslaufen wacklig und kam weit aus seinem Kasten, aber nicht an den Ball. Nutznießer war Brady, der eher an das Spielgerät kam und es per Kopf im leeren Tor versenkte (85.). Irland stand im Achtelfinale, das Stadion war am Kochen!

Achtelfinale: Irlands Fans und Spieler hatten allen Grund zum Feiern.

Angetrieben von den euphorisierten Anhängern, die stimmgewaltig sangen, brannte danach nichts mehr für die Iren an, die den Gegner vom eigenen Tor fernhielten, die Nachspielzeit überstanden und sich das letzte Ticket für das Achtelfinale sicherten. In Lille und auf der Insel kannte der Jubel keine Grenzen mehr: Erstmals kamen die „Boys in Green“ über die Vorrunde hinaus! Im Achtelfinale wartet nun Gastgeber Frankreich (Sonntag, 26. Juni um 15 Uhr). Italien trifft am Tag darauf auf Spanien (18 Uhr).

Statistik:

Tor: 0:1 Brady (85., Kopfball, Hoolahan)

Aufstellung (Italien): Sirigu – Barzagli, Bonucci, Ogbonna – Thiago Motta – Bernardeschi, Sturaro, Florenzi, De Sciglio – Zaza, Immobile

Aufstellung (Irland): Randolph – Coleman, Duffy, Keogh, S. Ward – McCarthy – Hendrick, Brady, McClean – Long, Murphy

Wechsel (Italien): 60. Darmian für Bernardeschi, 74. Insigne für Immobile, 81. El Shaarawy für De Sciglio

Wechsel (Irland): 70. McGeady für Murphy, 77. Hoolahan für McCarthy, 90. Quinn für Long

Bank (Italien): Buffon (Tor), Marchetti (Tor), Chiellini, Candreva, De Rossi, Giaccherini, Parolo, Éder, Pellè

Bank (Irland): Given (Tor), Westwood (Tor), Christie, Clark, O’Shea, Meyler, Whelan, Keane, Walters

Gelbe Karten: Sirigu (39., Rangelei), Barzagli (78., Foulspiel), Zaza (87., Meckern), Insigne (90.+1, unsportliches Verhalten) – Long (39., Rangelei), S. Ward (73., Meckern)

Schiedsrichter: Ovidiu Alin Haţegan (Rumänien) – Octavian Şovre (Rumänien), Sebastian Eugen Gheorghe (Rumänien) – Alexandru Dan Tudor (Rumänien), Constantin Sebastian Colțescu (Rumänien) – Anastásios Sidīrópoulos (Griechenland) – Damianós Euthymiádīs (Griechenland)

Anstoßzeit und Spielort: 22. Juni 2016/21:00 Uhr (UTC+2), Stade Pierre-Mauroy/Villeneuve-d’Ascq (Lille)

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