Torspektakel in Lyon: Ungarn trotz auch Portugal

Veröffentlicht: 22. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Überraschungsteam Ungarn hat sich in Staffel F den Gruppensieg gesichert. Beim spektakulären 3:3 gegen Favorit Portugal lagen die Magyaren sogar dreimal vorne, mussten gegen um das Weiterkommen kämpfende Portugiesen aber jeweils prompt den Ausgleich hinnehmen. Aus der überaus unterhaltsamen Partie ragten die beiden Doppeltorschützen Dzsudzsák und Cristiano Ronaldo noch heraus. Auch die Seleção durfte am Ende den Einzug ins Achtelfinale feiern, hat nach drei Unentschieden und insgesamt ausbaufähigen Leistungen aber noch ordentlich Luft nach oben.

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An Dramatik, Spannung und Unterhaltung war die Partie kaum zu toppen. Hier klärt Király vor Ricardo Carvalho.

Bereits vor Anpfiff stand Ungarn überraschend als Achtelfinalist fest. Trainer Storck schonte daher die gelb-vorbelasteten Kleinheisler, Kádár und Nagy. Auch Stieber im Priskin fehlten im Vergleich zum späten 1:1 gegen Island in der Startelf. Korhut, Pintér, Elek, Lovrencsics und Szalai begannen für sie.

Portugal hatte beim 0:0 gegen Österreich zahlreiche Chancen ausgelassen und musste daher um das Weiterkommen bangen. Coach Fernando Santos ersetzte den angeschlagenen Raphaël Guerreiro durch Eliseu und brachte mit João Mário einen zusätzlichen Mittelfeldspieler für Angreifer Ricardo Quaresma.

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Treffer versenkt: Gera markiert das 1:0.

Cristiano Ronaldo und Co. standen unter Druck, wenig überraschend waren es also die Südwesteuropäer, die die Spielkontrolle übernahmen. Während in den vorherigen Spielen es aber im Abschluss mangelte, kam die Seleção diesmal gar nicht soweit. Die Ungarn verteidigten stark und erzwangen viele Fehlpässe. Da auch die Standards der Portugiesen massive Mängel aufwiesen, sprang abgesehen von einem spielerischen Übergewicht nichts heraus.

Die defensiv sicheren Magyaren wagten sich nach knapp zwanzig Minuten erstmals nach vorne – und trafen prompt. Ausgerechnet Cristiano Ronaldo klärte eine Dzsudzsák-Ecke im Duell mit Szalai vor den Strafraum. Dort lauerte Gera und traf aus 18 Metern mit links präzise ins rechte untere Eck (19.). Der 37-jährige war nicht der einzige Veteran im Mittelpunkt. Portugal befand sich noch in Schockstarre als der noch ein Jahr ältere Ricardo Carvalho Gegenspieler Elek entwischen ließ – vergeblich reklamierten seine Kollegen auf Abseits. Bedanken durfte sich die Viererkette bei Keeper Rui Patrício, der den Abschluss des Mittelfeldmannes aus spitzem Winkel entschärfte (24.).

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Nani erzielt kurz vor der Pause das wichtige 1:1.

Gegen sichtlich nervöse und noch fahriger agierende Portugiesen hatte Ungarns Defensive leichtes Spiel. Lediglich Cristiano Ronaldo versuchte sich aus gut 40 Metern, Király lenkte den Aufsetzer zur Ecke (29.). Ansonsten fehlten João Moutinho und Co. die Ideen, um die kompakte und lückenlose Abwehr des Außenseiters zu knacken. In der 40. Minute schien dies gelungen zu sein. João Mário drückte den Ball nach Pepe-Querschläger ins Netz. Bei der vorherigen Flanke von Cristiano Ronaldo stand der Abwehrspieler aber im Abseits.

Auf Portugals Ausnahmekönner war dennoch verlass. Zwei Minuten später spielte „CR7“ einen ganz starken Pass auf den links im Strafraum durchgestarteten Nani. Der bezwang Király aus sieben Metern mit einem Schuss ins kurze Eck (42.), sodass es doch noch mit 1:1 in die Pause ging.

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Machtlos: Rui Patrício kann gegen den abgefälschten Freistoß von Dzsudzsák nichts ausrichten.

Beide Trainer brachten mit Bese (für Gera) und Renato Sanches (für João Moutinho) frische Kräfte und es sollte in der Tat eine spektakuläre zweite Hälfte werden. Den Anfang machte Dzsudzsák: Ungarns Kapitän trat aus 26 Metern halbrechter Position zum Freistoß an. André Gomes, der den Standard durch ein Foul an Szalai verursacht hatte, fälschte den Schuss in der Mauer mit dem rechten Oberarm ab, sodass Rui Patrício überrascht wurde und zusehen musste, wie der Ball zentral einschlug (47.).

Und erneut bot sich dem Außenseiter die Chance zum Doppelschlag. Szalai bediente Lovrencsics, doch der Flügelspieler traf aus halblinker Position das Außennetz (49.). Dafür schlug es keine sechzig Sekunden später auf der anderen Seite ein. João Mário brachte von der rechte Bahn eine flache Hereingabe, sieben Meter vor dem Tor spritzte Cristiano Ronaldo in den Ball verlängerte ihn mit der Hacke ins lange Eck – Király war machtlos (50.).

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Cristiano Ronaldo war für Portugal wieder einmal unbezahlbar. Hier markiert der Superstar das 3:3.

Damit fielen zwei Tore in fünf Minuten, doch das war noch nicht genug. Erst verpasste Nani nach einer weiteren João Mário-Hereingabe um ein Haar das dritte Tor (52.), dann lagen die Portugiesen wieder hinten! Diesmal legte Ricardo Carvalho in nahezu identischer Position wie vor dem 2:1 Szalai. Diesen Freistoß setzte Dzsudzsák in die Mauer, doch der Türkei-Legionär schnappte sich den Abpraller, zog nach innen und hielt drauf. Wieder war ein Portugiese dazwischen – diesmal Nani – und fälschte den satten Schuss ins lange Eck ab – 3:2, zum dritten Mal lagen die Ostmitteleuropäer in Front (55.).

Die Antwort Portugals? Folgte sofort. João Mário verfehlte das Tor knapp (57.), sein Trainer brachte mit Ricardo Quaresma einen weiteren offensiven Mann. Eine Einwechslung, die sich sofort auszahlte. Eine Minuten nach seiner Einwechslung flankte der Joker in Anschluss an eine kurze Ecke an den Fünfer, natürlich Cristiano Ronaldo stieg am höchsten – 3:3 (62.).

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Gruppensieg! Ungarn gelang damit definitiv eine der Überraschungen des Turniers

Elek hätte den Wahnsinn in Lyon noch die Krone aufsetzen können, zwei Zeigerumdrehungen nach dem 3:3 traf der Mittelfeldmann nach Lovrencsics-Vorlage aber nur den Innenpfosten (64.). Erst danach kehrte langsam Ruhe ein und die Teams gönnten sich eine Verschnaufpause. Cristiano Ronaldo hatte jedoch noch nicht genug, verfehlte jedoch per Kopf (73., nach Flanke von Nani) und per Direktabnahme (76.) sein Ziel.

Das Tempo war in den finalen Minuten dann aber raus, angesichts der irrsinnigen Schlagzahl zuvor war das aber nur folgerichtig. Beide Mannschaften schienen mit dem Remis zufrieden. Für Ungarn bedeutete es den Gruppensieg, für Portugal aufgrund der mehr erzielten Tore gegenüber Island Platz Zwei. Das späte Siegtor der Nordmänner gegen Österreich ließ die Seleção zwar noch auf Rang Drei zurückfallen, für das Weiterkommen reichte dieser dennoch.

Während Überraschungsteam Ungarn am 26. Juni auf den Zweiten der Gruppe E trifft (21 Uhr), bekommt es Portugal einen Tag zuvor zur gleichen Uhrzeit mit Kroatien zu tun.

Statistik:

Tore: 1:0 Gera (19., Linksschuss, ohne Vorarbeit), 1:1 Nani (42., Linksschuss, Cristiano Ronaldo), 2:1 Dzsudzsák (47., direkter Freistoß, Linksschuss), 2:2 Cristiano Ronaldo (50., Rechtsschuss, João Mário), 3:2 Dzsudzsák (55., Linksschuss, ohne Vorarbeit), 3:3 Cristiano Ronaldo (62., Kopfball, Ricardo Quaresma)

Aufstellung (Ungarn): Király – Lang Á., Juhász, Guzmics, Korhut – Gera – Elek, Pintér – Lovrencsics, Dzsudzsák – Szalai

Aufstellung (Portugal): Rui Patrício – Vieirinha, Pepe, Ricardo Carvalho, Eliseu – William Carvalho – João Moutinho, João Mário, André Gomes – Nani, Cristiano Ronaldo

Wechsel (Ungarn): 46. Bese für Gera, 71. Németh für Szalai, 83. Stieber für Lovrencsics

Wechsel (Portugal): 46. Renato Sanches für João Moutinho, 61. Ricardo Quaresma für André Gomes, 81. Danilo für Nani

Bank (Ungarn): Dibusz (Tor), Gulácsi (Tor), Fiola, Kádár, Kleinheisler, Nagy, Böde, Nikolić, Priskin

Bank (Portugal): Anthony Lopes (Tor), Eduardo (Tor), Bruno Alves, Cédric, José Fonte, Raphaël Guerreiro, Adrien Silva, Rafa Silva, Éder Macedo

Gelbe Karten: Guzmics (13., Foulspiel), Juhász (28., Foulspiel), Gera (34., Foulspiel), Dzsudzsák (56., übertriebener Torjubel) –

Schiedsrichter: Martin Atkinson (England) – Michael Mullarkey (England), Stephen Child (England) – Michael Oliver (England), Craig Pawson (England) – Aljakséj Kul’bákoŭ (Belarus‘) – Vitálju Maljúcinu (Belarus‘)

Anstoßzeit und Spielort: 22. Juni 2016/18:00 Uhr (UTC+2), Parc Olympique Lyonnais/Décines-Charpieu (Lyon)

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