Pechvogel McAuley entscheidet das UK-Derby

Veröffentlicht: 25. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Wales hat sich im UK-internen Derby nach 90 mageren Minuten mühsam mit 1:0 gegen Nordirland durchgesetzt. Die favorisierten „Drachen“ dominierten in Paris fast über die komplette Spielzeit, konnten sich gegen konsequent verteidigende Nordiren aber kaum Chancen erspielen. Die „Green & White Army“ verbuchte selbst Abschlüsse, agierte jedoch ebenso wenig zwingend wie ihr Gegner. Eine Viertelstunde vor dem Ende stellte ein Eigentor den walisischen Viertelfinaleinzug sicher, der Pechvogel war mit Gareth McAuley einer der nordirischen Helden der Vorrunde.

Zähes Ringen: Wales und Nordirland boten viel Einsatz, aber wenig Torchancen.

Wales hatte die Gruppe B als Erster beendet und beim 3:0 gegen Russland eine sehr überzeugende Leistung geboten. Trainer Chris Coleman verzichtete wenig überraschend auf Änderungen an seiner Startelf. Vor Hennessey verteidigte damit eine von Kapitän Ashley Williams geführte Fünferkette, im Mittelfeldzentrum agierten Allen und Ledley sowie der offensiver ausgerichtete Ramsey. Im Sturm begannen Superstar Bale und Vokes.

Trotz einer knappen 0:1-Niederlage gegen Deutschland hatte sich Nordirland als einer der besten Drittplatzierten für das Achtelfinale qualifiziert. Coach Michael O’Neill tauschte lediglich einmal Personal, Lafferty durfte für Washington beginnen und lief neben Jamie Ward im Angriff auf. Die Dreierabwehrreihe wurde vom defensiven Hughes (rechts) und vom offensiven Dallas (links) auf den Flügeln unterstützt. Im zentralen Mittelfeld lief Corry Evans als einziger Sechser auf, vor ihm sollten Davis und Norwood für eine Bindung zwischen Angriff und Abwehr sorgen.

Durchaus manchmal gefordert: Wales‘ Keeper Hennessey klärt hier.

Das Duell der beiden EM-Debütanten war eine zähe Angelegenheit. Zwar waren die Waliser klar favorisiert, doch die Nordiren versteckten sich nicht und verbuchten auch die erste Torannährung. Dallas testete Hennessey mit einem Versuch von außerhalb des Sechzehners (10.). Mehr hatte die Partie vorerst nicht zu bieten. Nach 19 Minuten zappelte der Ball zwar im Netz, Ramsey stand bei seinem Treffer nach Kopfballverlängerung von Vokes aber im Abseits.

Das Risiko scheuten beide Teams, offensives Mittel waren zumeist nur lange Bälle, die die langen Verteidiger aber fast immer problemlos verteidigen konnten. Insbesondere Bale und Co. enttäuschten, der Superstar selbst probierte einiges, kam aber kaum zu brauchbaren Aktionen. Auch die nächste gute Torannäherung gehörte dem Außenseiter. Diesmal versuchte sich Ward als Distanzschütze, erneut parierte Hennessey (22.).

Tat sich lange Zeit sehr schwer: Gareth Bale.

Auch die gefährlicheren Standards konnte die O’Neill-Truppe sich gutschreiben lassen, Zählbares sprang allerdings nicht dabei heraus. Da es bis zur Pause eine tempoarme Begegnung blieb, war das 0:0 zu Kabinengang das einzig logische Ergebnis. Lediglich einen negativen Höhepunkt hatte die erste Halbzeit noch zu bieten: Dallas stieg überhart und mit offener Sohle gegen Bale ein, die folgende Gelbe Karte von Schiedsrichter Atkinson war völlig berechtigt.

Die Rot-Weißen kamen mit etwas mehr Schwung aus der Pause, die Vorteile im Ballbesitz kompensierten die Nordiren durch mehr gewonnene Zweikämpfe. Dennoch kam vor McGovern etwas Gefahr auf. Vokes setzte seinen Kopfball nach Ramsey-Flanke rechts vorbei (53.). Auf der Gegenseite war Norwood der nächste Nordire, der sich aus der Distanz versuchte, seinem Schuss fehlte aber die Gefährlichkeit seiner Vorgänger (57.).

Unglücksmoment: McAuley lenkt den Ball ins eigene Netz.

Dann hatte Bale seinen Auftritt. Der Linksfuß, der in der Gruppenphase gegen die Slowakei und England per Freistoß getroffen hatte, legte sich den Ball zurecht, seinen etwas zu zentralen Versuch konnte McGovern aber parieren (58.). Das war es aber auch schon mit Highlights, es kehrte das bekannte Bild ein: Überlegene und defensiv sichere, aber einfallslose Waliser dominierten das Geschehen.

Auch mehrere personelle Wechsel belebten die Partie nicht wirklich, sodass man sich auf eine Verlängerung einstellte. Eine Viertelstunde vor dem Ende fiel aber aus dem Nichts das Führungstor für die „Drachen“: Robson-Kanu kontrollierte mit dem Rücken zum Tor den Ball und verschaffe so Ramsey vor dem Strafraum Platz, der Bale auf dem linken Flügel schickte. Die scharfe Hereingabe des Madrilenen wollte McAuley vor dem hinter ihm reinrutschenden Robson-Kanu klären, grätsche das Spielgerät ins eigene Gehäuse (75.). Ausgerechnet McAuley, der beim 2:0 gegen die Ukraine noch das erste EM-Tor Nordirlands überhaupt erzielt hatte.

Debütant im Viertelfinale: Wales gelang dies als erstes Team seit 1996.

Damit war die O’Neill-Truppe gefordert, der Trainer reagierte auch und brachte mit McGinn und Magennis zwei Offensivkräfte und nahm neben Norwood auch Pechvogel McAuley vom Feld. In Schlagdistanz kamen die tapferen, letztendlich aber offensiv harmlosen Nordiren nicht mehr. Auch in der vierminütigen Nachspielzeit entstand keine Torgefahr, sodass die Waliser trotz einer mageren Leistung den Einzug ins Viertelfinale feiern durften.

Am 1. Juli um 21 Uhr treffen die Waliser damit in Lille auf den Sieger des Achtelfinales zwischen Belgien und Ungarn.

Statistik:

Tor: 1:0 McAuley (75., Eigentor, Rechtsschuss, Bale)

Aufstellung (Wales): Hennessey – Gunter, Chester, A. Williams, Davies, Taylor – Allen, Ledley – Ramsey – Bale, Vokes

Aufstellung (Nordirland): McGovern – Cathcart, McAuley, J. Evans – Hughes, Dallas – C. Evans – Davis, Norwood – J. Ward, Lafferty

Wechsel (Wales): 55. Robson-Kanu für Vokes, 63. J. Williams für Ledley

Wechsel (Nordirland): 69. Washington für J. Ward, 79. McGinn für Norwood, 84. Magennis für McAuley

Bank (Wales): D. Ward (Tor), Fôn Williams (Tor), Collins, Richards, Cotterill, Edwards, King, Vaughan, G. Williams, Church

Bank (Nordirland): Carroll (Tor), Mannus (Tor), Baird, Hodson, Ferguson, McCullough, McLaughlin, McNair, Grigg

Gelbe Karten: Taylor (58., Foulspiel), Ramsey (90.+4, Ballwegschlagen) – Dallas (44., Foulspiel), Davis (67., Foulspiel)

Schiedsrichter: Martin Atkinson (England) – Michael Mullarkey (England), Stephen Child (England) – Michael Oliver (England), Craig Pawson (England) – Felix Brych (Deutschland) – Mark Borsch (Deutschland)

Anstoßzeit und Spielort: 25. Juni 2016/18:00 Uhr (UTC+2), Parc des Princes/Paris

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