Ricardo Quaresma beendet das Grauen

Veröffentlicht: 25. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen von Kroatien und Portugal erwies sich als eine einzige Enttäuschung. Über 120 Minuten scheuten beide Teams fast vollkommen das Risiko, sodass die erste Halbzeit gar ohne Torschuss (!) endete. Taktikfans kamen auf ihre Kosten, in Verlegenheit gerieten beide Abwehrreihen aber keineswegs, auch weil den Offensiven absolut nichts gelang. Erst in den letzten Minuten der Verlängerung gab es so etwas wie Torszenen: Nachdem Perišić den Pfosten traf, entschied Ricardo Quaresma auf der Gegenseite per Abstauber die Partie und machte dem Grauen ein Ende. Zum stellenweise nicht mehr zu ertragenden Spiel passte die Leistung von Schiedsrichter Velasco Carballo (Spanien), der zahlreiche Fouls und sogar zwei Tätlichkeiten übersah.

Ricardo Quaresma staubt ab – die Entscheidung.

Kroatien hatte sich in Gruppe D durch starke Leistungen in den Vordergrund gespielt, zuletzt gar Titelverteidiger Spanien mit 2:1 besiegt und sich so den Gruppensieg gesichert. Trainer Ante Čačić brachte die Stammspieler Modrić, Vida, Strinić, Brozović und Mandžukić zurück in die Anfangsformation. Jedvaj, Vrsaljko, Rog, Pjaca und Nikola Kalinić mussten auf die Bank.

Portugal hatte sich in der Vorrunde überraschend schwer getan, dreimal unentschieden gespielt und am letzten Spieltag nach dreimaligem Rückstand ein 3:3 gegen Ungarn geholt. Coach Fernando Santos nahm vier Umstellungen vor. In der Defensive mussten Vieirinha, Ricardo Carvalho und Eliseu für Cédric, José Fonte und Raphaël Guerreiro weichen. Im Mittelfeld erhielt Adrien Silva den Vorzug vor João Moutinho.

Noch der gefährlichste Kroate: Ivan Perišić.

Angesichts von Namen wie Modrić, Perišić, Mandžukić, Nani und Cristiano Ronaldo durften die Fans in Lens auf ein großes Fußballspiel hoffen. Was die Akteure aber ablieferten, war mehr als enttäuschend. Die Kroaten verbuchten mehr Ballbesitz und gewannen mehr Zweikämpfe, in beiden Strafräumen tat sich aber überhaupt nichts. Vielmehr neutralisierten sich die Akteure auf eher bescheidenem Niveau.

Erst in der 25. Minute tat sich etwas, natürlich per Standard: Raphaël Guerreiro fand per Freistoß den Kopf von Pepe, doch die Abseitsfahne war ohnehin nach oben gegangen. Fünf Minuten darauf versuchte sich Perišić nach einem Lauf über rechts, traf aber nur das Außennetz (30.). Damit waren die „Highlights“ der ersten Halbzeit bereits verbraucht. José Fonte leistete sich zwar noch eine Tätlichkeit – der Innenverteidiger stieg auf das Bein des am Boden liegenden Rakitić (33.) – kam aber ebenso straffrei davon wie Cristiano Ronaldo (21., Tritt gegen Srna), André Gomes und Rakitić (40., beide Rangelei).

Mit Haken und Ösen: die Kartenbilanz täuscht, beide Teams schenkten sich nichts.

Besserung in Halbzeit Zwei? Fehlanzeige! Zwar dauerte es diesmal nicht ganz so lange bis zum ersten brauchbaren Abschluss – Brozović feuerte nach einer kurz ausgeführten Ecke von Rakitić aus dem Rückraum drüber (52.) – abgesehen davon blieb es beim enttäuschend schwachen Geschehen auf dem Rasen. Kein Team wollte zu viel riskieren, insbesondere die in der Vorrunde wackligen Portugiesen setzten auf Defensive. Joker Renato Sanches versuchte sich nach Zusammenspiel mit João Mário einmal, verzog aber klar (57.).

Fast schon Hektik kam nach einer Stunde auf. Erst brachte Srna einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld zu Vida, doch der aufgerückte Verteidiger köpfe links vorbei (61.). Dann hob Adrien Silva den Ball rechts in den kroatischen Sechzehner, wo Strinić Gegenspieler Nani klar an der Hüfte traf. Nach einigen unklaren Momenten wurde die Entscheidung von Schiedsrichter Velasco Carballo klar – Abstoß statt Elfmeter (64.).

Zweikampfbetont: Hier grätscht Srna gegen Renato Sanches.

Zum ideenlosen Offensivspiel gesellte sich ein kartenscheuer Schiedsrichter. Egal ob Rakitić (69., Foul an Renato Sanches), der (negativ) auffällige Renato Sanches (81., 89.) oder Cédric (85., taktisches Foul) – Karten schien Velasco Carballo nicht dabei zu haben. In der 78. Minute erwischte es dann doch einen Akteur: William Carvalho wurde für ein Halten gegen Brozović verwarnt. Da sich abgesehen davon nichts mehr tat, wurden die 90 Minuten Strafraumvermeidungsfußball um weitere 30 Minuten verlängert.

Die begannen mit einer weiteren Tätlichkeit. Der ohnehin nicht gerade zimperliche Renato Sanches trat diesmal auf das Bein von Modrić, Schiedsrichter Velasco Carballo hatte wieder nichts gesehen (93.). Während Torchancen Mangelware blieben, häuften sich so die Notizen zum Schiedsrichter. Auch Rakitić durfte nach seinem dritten taktischen Foul unbelastet weiterspielen (98.).

Cristiano Ronaldo scheitert hier noch an Subašić, Augenblicke später staubt Ricardo Quaresma ab.

Auch Fußball wurde noch gespielt, denn die Kroaten fassten in den letzten paar Minuten noch einmal Mut. Vida verpasste eine Ecke nur knapp, das Tor wäre leer gewesen, da Rui Patrício beim Herauslaufen zu Boden gegangen war (113.). Auch eine Hereingabe von Perišić fand keinen Abnehmer (116.), ehe Srna den ehemaligen Wolfsburger per Flanke fand, dieser aber per Kopf nur den linken Pfosten traf (116.).

Die Seleção, die Subašić bisher kein einziges Mal geprüft hatte, setzte stattdessen den „Lucky Punch“: Renato Sanches trieb bei einem Konter den Ball durch das Mittelfeld und legte schließlich nach links zu Nani. Dessen Pass landete auf der anderen Seite des Strafraums beim freistehenden Cristiano Ronaldo, der aus leicht spitzem Winkel an Subašić scheiterte. Ricardo Quaresma war mitgelaufen, stand golrichtig und köpfte den Abpraller aus minimaler Distanz über die Linie (117.).

Die letzte Chance: Vida (verdeckt) verfehlt das Tor knapp.

Die „Feurigen“ probierten nun logischerweise nochmal alles und kamen in der Nachspielzeit noch zu einer Chance: Vida fiel im Getümmel der Ball vor die Füße, doch der torgefährlichste Akteur des Spiels konnte auch seine dritte Gelegenheit nicht nutzen – sein Schuss verfehlte den rechten Winkel knapp (120.+2). Unmittelbar darauf hatte das Grauen von Lens ein Ende und die Portugiesen bejubelten einen ebenso unerwarteten wie unattraktiven Erfolg.

Damit steht die erste Viertelfinal-Begegnung fest: Portugal trifft am 30. Juni um 21 Uhr in Marseille auf Polen.

Statistik:

Tor: 0:1 Ricardo Quaresma (117., Kopfball, Cristiano Ronaldo)

Aufstellung (Kroatien): Subašić – Srna, Ćorluka, Vida, Strinić – Modrić, Badelj – Brozović, Rakitić, Perišić – Mandžukić

Aufstellung (Portugal): Rui Patrício – Cédric, Pepe, José Fonte, Raphaël Guerreiro – William Carvalho – Adrien Silva, João Mário, André Gomes – Nani, Cristiano Ronaldo

Wechsel (Kroatien): 88. N. Kalinić für Mandžukić, 110. Pjaca für Rakitić, 120. Kramarić für Ćorluka

Wechsel (Portugal): 50. Renato Sanches für André Gomes, 87. Ricardo Quaresma für João Mário, 108. Danilo für Adrien Silva

Bank (Kroatien): L. Kalinić (Tor), Vargić (Tor), Jedvaj, Schildenfeld, Vrsaljko, Ćorić, Kovačić, Rog, Čop

Bank (Portugal): Anthony Lopes (Tor), Eduardo (Tor), Bruno Alves, Eliseu, Ricardo Carvalho, Vieirinha, João Moutinho, Rafa Silva, Éder Macedo

Gelbe Karte: – William Carvalho (78., Foulspiel)

Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien) – Roberto Alonso Fernández (Spanien), Juan Carlos Yuste Jiménez (Spanien) – Jesús Gil Manzano (Spanien), Carlos del Cerro Grande (Spanien) – Kassai Viktor (Ungarn) – Ring György (Ungarn)

Anstoßzeit und Spielort: 25. Juni 2016/21:00 Uhr (UTC+2), Stade Bollaert-Delelis/Lens

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