Griezmann knockt Irland aus

Veröffentlicht: 26. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Gastgeber Frankreich ist durch ein 2:1 gegen Irland ins Viertelfinale eingezogen. In Lyon mussten „Les Bleus“ aber ein hartes Stück verrichten. Die Iren erwiesen sich als leidenschaftlicher Gegner, der sicher in der Defensive stand und nach vorne immer wieder Nadelstiche setzte. Bereits in der zweiten Minute verwandelte Brady einen Foulelfmeter zur Führung, bis zur Pause suchten Pogba und Co. vergeblich nach einer Antwort. Die fand schließlich Griezmann: Der Spanien-Legionär schnürte binnen neun Minuten einen Doppelpack und erzwang einen Platzverweis für Duffy. In Überzahl brannte nichts mehr an, die „Équipe Tricolore“ verpasste es vielmehr, das Ergebnis klarer zu gestalten.

Antoine Griezmann köpft hier das 1:1 für Frankreich und drehte das Spiel gegen Irland fast schon im Alleingang.

Letztendlich klar, aber mit mehr Mühe als erwartet hatte sich Frankreich in Gruppe A durchgesetzt. Trainer Didier Deschamps hatte beim 0:0 gegen die Schweiz mit Kanté, Matuidi, Payet und Giroud vier Stammspielern eine Auszeit gegönnt, die in die Startelf zurückkehrten. Cabaye, Sissoko, Coman und Gignac mussten zurück auf die Bank.

Irland hatte durch ein spätes und euphorisch bejubeltes 1:0 über Italien das erste Mal überhaupt die nächste Runde bei einer Europameisterschaft erreicht. Coach Michael O’Neill nahm keine personellen Änderungen an der Startelf vor, die den Sieg über die „Squadra Azzurra“ errungen hatte.

Sicher verwandelt: Brady lässt sich die Chance nicht nehmen, verlädt Lloris und trifft zum 0:1.

Die Partie in Lyon begann mit einer kalten Dusche für den Gastgeber. Nach nicht einmal sechzig Sekunden rutschte Rami bei einer Flanke aus, Murphy stocherte den Ball zu Long. Pogba lief den Stürmer in die Beine, der den Kontakt annahm und zu Boden ging – Elfmeter (1.). Brady, durch sein Siegtor der Held gegen Italien, übernahm die Verantwortung und verlud Lloris. Mit Hilfe des Innenpfostens schlug der Ball rechts unten ein (2.). Es war der zweitschnellste Tor der EM-Geschichte.

Payet und Co. verkrafteten diesen Rückschlag aber durchaus gut und drängten auf den Ausgleich, wobei das Vorhaben, die Iren im eigenen Sechzehner einzuschnüren, nicht wirklich gelang. Die „Boys in Green“ versteckten sich keineswegs, setzten vielmehr immer wieder Nadelstiche und hielten den Gegner so auf Trab. Gefahr entstand für Randolphs Tor meist nur nach hohen Bällen oder Standards. Den Versuchen von Payet (8.), Griezmann (8., 18., 22.) und Giroud (13.) fehlte es aber an der Präzision oder der Härte, um das irische Gehäuse ernsthaft zu gefährden.

Frankreichs bester Abschluss vor der Pause: Randolph entschärft einen Freistoß von Pogba.

Zielstrebiger zeigten sich da die Iren. Lloris war in der 21. Minute geforderte und entschärfte einen Drehschuss von Murphy. Drei Minuten später trat Elfmeter-Verursacher Pogba zum Freistoß an, Randolph war aber auf dem Posten (24.). Frankreich verlor nach der hektischen Anfangsphase etwas an Schwung, sodass bis zur Pause keine weiteren Gelegenheiten gegen leidenschaftlich agierende Iren heraussprangen. Verteidiger Duffy wurde gar im gegnerischen Strafraum gefährlich, köpfte nach Brady-Freistoß aber vorbei (41.).

Trotz allen Einsatzes: Die „Équipe Tricolore“ agierte im und um den Strafraum zu ungenau oder wurde vom Außenseiter noch entscheidend geblockt. Sinnbildlich dafür war eine Szene in der Nachspielzeit. Payet und Griezmann boten sich innerhalb von Sekunden gute Schusschancen, doch jeweils war ein Abwehrbein zur Stelle und konnte die Abschlüsse blocken (45.+1). Die Pausenführung für die Männer von der grünen Insel war somit nicht unverdient.

Musste stets wachsam bleiben: Hugo Lloris rettet hier stark.

Deschamps reagierte zur Pause und brachte mit Coman einen zusätzlichen Mann für die Flügel anstelle des gelbvorbelasteten Abräumers Kanté. Mit Dampf kamen die Franzosen aus der Kabine und zeigten nun die zuvor fehlende Zielstrebigkeit. Nach einem Payet-Freistoß verlängerte Pogba an den zweiten Pfosten, wo der aufgerückte Koscielny nur haarscharf verpassten. Zuvor war aber bereits auf Abseits entschieden worden (48.).

Doch auch vor dem anderen Tor wurde es brenzlig. McClean brachte von links eine schare Hereingabe, die Murphy knapp verpasste ehe Lloris vor Long rettete (52.). Dann waren wieder die Hausherren dran: Payet (53.) und Matuidi (55.) versuchten sich aus der zweiten Reihe.

Chancenlos: Antoine Griezmann vollstreckt zum 2:1.

Für den Ausgleich sollte aber das verbesserte Flügelspiel der Franzosen verantwortlich sein. Payet setzte auf rechts Sagna in Szene, der etwas Platz hatte und diesen zu einer maßgeschneiderten Flanke an den Elfmeterpunkt nutzte. Dort lauerte Griezmann und köpfte hart und platziert ins linke obere Eck ein – Randolph war machtlos (57.).

Die Iren wollten sofort antworten – Ward verfehlte per abgefälschten Distanzschuss sein Ziel (59.) – erhielten wenig später aber eine kalte Dusche. Payet feuerte zuerst drüber (60.), dann legte Giroud einen hohen Ball von Rami in den Lauf von Griezmann ab, der eine klaffende Lücke in Irlands Innenverteidigung nutzte, frei vor Randolph auftauchte und mit einem leicht abgefälschten Schuss ins rechte untere Eck traf (61.). Der bis dato glücklose Stürmer wurde binnen weniger Minuten zum Helden.

Irlands dritter Rückschlag: Duffy muss nach Notbremse an Griezmann mit Rot vom Feld.

Die O’Neill-Schützlinge bemühten sich sichtlich angeknockt um eine Antwort, der nächste Rückschlag folgte aber fünf Minuten später. Wieder setzte Giroud Doppelpacker Griezmann in Szene, der auf Randolph zusteuerte, hauchzart vor dem Sechzehner aber von Duffy per Grätsche von den Beinen geholt wurde. Schiedsrichter Rizzoli (Italien) zückte folgerichtig „Rot“ für den Innenverteidiger wegen der Verhinderung einer klaren Torchance (66.).

Das Pendel schlug damit endgültig in Richtung Frankreich aus. Zwar mühten sich Long und Co. redlich, gegen abgeklärte Franzosen setzten sie aber keinen Stich mehr. Insbesondere der eingewechselte Gignac hatte dagegen Spaß am Spiel, scheiterte aber innerhalb einer Minute erst aus spitzem Winkel nach Coman-Vorarbeit an Randolph und traf dann per Schlenzer die Latte (77.).

Pech für Gignac: Der Joker war in der Schlussphase torhungrig, scheiterte aber mit diesem Schlenzer an der Latte.

So wurde die Schlussphase durchaus unterhaltsam. Randolph entschärfte einen Schuss von Matuidi (81.), Gignac verpasste eine Hereingabe des Mittelfeldmannes knapp (86.) und schoss dann nach starker Vorlage von Payet vorbei (87.). Für die Iren feuerte Walters einen letzten Versuch ab, konnte Lloris aber keine Kopfschmerzen bereiten (86.). In der Nachspielzeit hatte der Mann des Tages sogar noch die Chance auf den Hattrick, nach Pass von Payet gab es im Eins-gegen-Eins aber kein Vorbeikommen an Randolph (90.+3).

Letztendlich war das aber auch egal: Frankreich steht nach einem Arbeitssieg gegen starke Iren im Viertelfinale und trifft dort am 3. Juli um 21 Uhr auf den Gewinner der Partie England – Island.

Statistik:

Tore: 0:1 Brady (2., Foulelfmeter, Linksschuss, Pogba an Long), 1:1 Griezmann (57., Kopfball, Sagna), 2:1 Griezmann (61., Linksschuss, Giroud)

Aufstellung (Frankreich): Lloris – Sagna, Rami, Koscielny, Evra – Kanté – Pogba, Matuidi – Griezmann, Giroud, Payet

Aufstellung (Irland): Randolph – Coleman, Duffy, Keogh, S. Ward – McCarthy – Brady, Hendrick – Long, McClean – Murphy

Wechsel (Frankreich): 46. Coman für Kanté, 73. Gignac für Giroud, 90.+3 Sissoko für Coman

Wechsel (Irland): 65. Walters für Murphy, 68. O’Shea für McClean, 71. Hoolahan für McCarthy

Bank (Frankreich): Costil (Tor), Mandanda (Tor), Digne, Jallet, Mangala, Umtiti, Cabaye, Schneiderlin, Martial

Bank (Irland): Given (Tor), Westwood (Tor), Christie, Clark, McGeady, Meyler, Quinn, Whelan, Keane

Gelbe Karten: Kanté (27., Foulspiel), Rami (44., Foulspiel) – Coleman (25., Foulspiel), Hendrick (41., Ballwegschlagen), Long (72., Meckern)

Rote Karte: Duffy (66., Notbremse, Griezmann)

Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien) – Elenito Di Liberatore (Italien), Mauro Tonolini (Italien) – Daniele Orsato (Italien), Antonio Damato (Italien) – Aljakséj Kul’bákoŭ (Belarus‘) – Vitálju Maljúcinu (Belarus‘)

Anstoßzeit und Spielort: 26. Juni 2016/15:00 Uhr (UTC+2), Parc Olympique Lyonnais/Décines-Charpieu (Lyon)

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