Hazard dreht auf – Nur Belgien jubelt nach Offensivfest

Veröffentlicht: 26. Juni 2016 in UEFA, UEFA EURO 2016
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Im Duell zwischen Überraschungsmannschaft und bisher hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Geheimfavoriten setzte sich Belgien mit 4:0 gegen Ungarn durch. Der Sieg der „Roten Teufel“ war dabei aber lange nicht so klar, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Nach der frühen Führung durch Alderweireld ließen Hazard und Co. eine Fülle an Chancen liegen, die zuerst unterlegenen Magyaren kamen ab kurz vor der Pause auf und verbuchten ihrerseits gute Einschussmöglichkeiten. So blieb die Partie bis in die Schlussphase offen und hochattraktiv, dann schlug die Stunde von Eden Hazard. Binnen zwei Minuten legte der Chelsea-Profi einen Treffer auf, erzielte einen weiteren selbst und machte so einen Haken hinter Belgiens Einzug ins Viertelfinale.

Ersehnte Entscheidung: Batshuayi überwindet Király und erhöht auf 0:2.

Ungarn hatte als vermeintlicher Underdog der Gruppe F für eine faustdicke Überraschung gesorgt und sich Platz 1 gesichert. Im letzten Spiel hatte man gar Portugal am Rand einer Niederlage, musste sich aber trotz dreimaliger Führung mit einem 3:3 begnügen. Nationaltrainer Bernd Storck hatte dabei mit Nagy und Kádár zwei vorbelastete Spieler geschont, die in die Anfangsformation zurückkehrten und damit Korhut und Elek verdrängten. Ursprünglich sollte auch Kleinheisler mitwirken, der Mittelfeldmann verletzte sich beim Aufwärmen aber am Oberschenkel.

Belgien war in der Gruppenphase nur teilweise den hohen Erwartungen gerecht geworden, letztendlich brachte ein 1:0 gegen Schweden Platz 2 der Gruppe E. Coach Marc Wilmots tauschte im Vergleich zum Sieg gegen die Skandinavier nur auf einer Position: Mertens durfte für Ferreira Carrasco beginnen.

Alderweireld köpft das 1:0 für Belgien, Lukaku hatte noch verpasst.

Lange mussten die knapp 30.000 Zuschauer in Toulouse nicht auf Torszenen warten. Insbesondere die Belgier stiegen von Beginn an auf das Gasbedarf und sorgten dank Vorteilen in den Bereichen Technik und Geschwindigkeit rasch für Verwirrung in der Defensive der Ungarn. De Bruyne (4.) und auf der Gegenseite Lovrencsics (6.) feuerten noch erste Testschüsse ab, es dauerte aber nicht lange, bis Király eingreifen musste und einen Abschluss von Lukaku nach De Bruyne-Flanke zur Ecke lenkte (6.).

In dieser Schlagzahl ging es weiter. De Bruyne testete Ungarns Torwartroutinier per Flachschuss (7.), die bald darauf folgende Führung war trotz des frühen Zeitpunktes folgerichtig. Lang wusste sich gegen De Bruyne nur mit einem Foul zu helfen, der Ex-Bundesligaspieler hob den fälligen Freistoß aus dem rechten Halbfeld selbst vor das Tor. Lukaku verpasste noch, doch der aufgerückte Alderweireld besaß alle Freiheiten und köpfte aus sechs Metern ein (10.).

Immer wieder Király: Hier entschärft der Oldie einen Freistoß von De Bruyne.

In der Gruppenphase hatte der Offensiv-Motor der Belgier noch gestottert, gerade rechtzeitig zum Achtelfinale kamen Hazard und Co. aber scheinbar in Fahrt und kombinierten herrlich. Lukaku schickte De Bruyne auf rechts, bei dessen Schuss aus spitzem Winkel blieb aber Király Sieger (15.). Zwar versuchten sich die Magyaren zu befreien und durchaus selbst offensiv tätig zu werden, spielten so aber gegen die konterstarken Belgier mit dem Feuer.

So entstand die erste „Torchance“ des Außenseiters durch einen Aussetzer von Courtois, der bei einem Rückpass wegrutschte und Glück hatte, dass das Spielgerät am Tor vorbeikullerte (16.). Etwa zehn Minuten später probierte es Dzsudzsák nach einer Einzelaktion, konnte den Chelsea-Keeper aber nicht fordern (24.). An Gelegenheiten mangelte es den „Roten Teufeln“ dagegen nicht, vielmehr waren die Abschlüsse von Alderweireld (20.), Hazard (23.) und De Bruyne (25.) zu harmlos. Auch Sturmtank Lukaku machte es nicht besser und verzog nach Nainggolan-Zuspiel aus vielversprechender Position deutlich (32.).

Aktivster Ungar in der ersten Halbzeit: Kapitän Dzsudzsák Balázs.

Besser machte es da schon De Bruyne per Freistoß, der sich diesmal aus 20 Metern Torentfernung zum direkten Abschluss entschied. Király war jedoch mit den Fingerspitzen noch dran und lenkte den Ball über die Latte – eine Glanztat des 40-jährigen (35.). Drei Minuten später fand sich Belgiens Blondschopf wieder im Duell mit dem Schlussmann, konnte ihn jedoch nach feinem Zuspiel von Lukaku aus spitzem Winkel nicht überwinden (38.).

Während der Favorit also seine Chancen ausließ, konnten sich die Ungarn bei ihrem Schlussmann bedanken, der sie im Spiel hielt. Doch auch offensiv stellte die Storck-Truppe vor der Pause ihre Wettkampffähigkeit unter Beweis. Erst zielte Lovrencsics aus der Distanz nur minimal zu hoch (39.), dann versuchte auch Dzsudzsák sein Glück aus der zweiten Reihe und schoss nur hauchzart rechts vorbei (41.). Beide Male wäre Courtois machtlos gewesen.

Der letzte Aufreger gehörte aber wieder Belgiens Offensive und Király. Erst parierte er gegen Mertens, der von Hazard perfekt bedient worden war, den Abpraller legte Witsel erneut für Mertens auf, doch auch der zweite Versuch fand nicht seinen Weg ins Netz, da Király sich endgültig zum Mann der ersten Halbzeit krönte (42.).

An zahlreichen Angriffen beteiligt: Kevin De Bruyne.

Mit mehr Mut im Angriff präsentierten sich die Ungarn zum Start der zweiten Halbzeit, boten dem Gegner damit aber noch größere Räume zum Konter. So dauerte es nicht einmal eine Minute, da musste Király erneut eingreifen und diesmal gegen Hazard, der aus spitzem Winkel das kurze Eck anvisierte, parieren (46.). Assistiert vom eingewechselten Elek verbuchte dann Szalai den ersten brauchbaren Abschluss für sein Land, zielte aber noch deutlich zu hoch (50.).

In der Folge ergab sich ein echter Schlagabtausch mit einer wahren Fülle an Torchancen. De Bruyne schoss nach Lukaku-Vorlage vorbei (51.), Szalai verfehlte das Tor nach Dzsudzsák-Flanke und unter Bedrängnis von Vermaelen um Zentimeter (54.). Mertens bugsierte eine Vertonghen-Flanke aus kürzester Distanz über den Querbalken (59.), auch Nainggolan fehlte nach Rücklage von Hazard die Genauigkeit (62.). Dann war Pintér an der Reihe, bei seinem noch von Alderweireld abgefälschten Distanzschuss musste sich Courtois strecken, um den Ausgleich zu verhindern (66.).

Brillierte mehrmals: Eden Hazard bereitete das 0:2 vor und erzielte das 0:3 selbst.

So offensivstark sich Hazard und Co. auch präsentierten, das Versäumnis, die Führung auszubauen und eine eigene wacklige Defensivleistung sorgten dafür, dass die unterhaltsame Partie auch vom Ergebnis her spannend blieb. Ein Dzsudzsák-Freistoß fand seinen Weg durch die Spielertraube bis zu Juhász, doch erneut fehlten beim Direktschuss des Innenverteidigers die berühmten Zentimeter (68.). Erst zu Beginn der Schlussviertelstunde schien das rasante Tempo Tribut zu fordern, denn die Unkonzentriertheiten häuften sich.

So waren es zwei famose Minuten von Belgiens Ausnahmekönner Eden Hazard, die die Entscheidung herbeiführten. Der Dribbelkünstler sicherte eine eigentlich geklärte Ecke von De Bruyne am linken Strafraumrand, legte sich den Ball selbst vor, zog an zwei Gegnern vorbei und gab schließlich flach in die Mitte. Dort musste Joker Batshuayi aus fünf Metern nur den Fuß hinhalten – 0:2 (78.). Keine sechzig Sekunden darauf fuhren die „Roten Teufel“ einen starken Konter: Nach Doppelpass mit De Bruyne zog erneut Hazard von links nach innen, ließ diesmal sogar drei Ungarn stehen versenkte das Spielgerät aus 16 Metern per Aufsetzer im rechten unteren Eck (79.).

Am Ende effektiv und gnadenlos: Mit Ferreira Carrasco trifft ein weiterer Joker zum 0:4-Endstand.

Die Partie war damit natürlich entschieden, die Ungarn gaben sich aber nicht auf, sondern drängten vielmehr auf den überfälligen Ehrentreffer. Erneut Szalai hatte per Drehschuss kein Glück (83.), Elek scheiterte aus spitzem Winkel am einmal mehr starken Courtois (90.). Stattdessen schlug es auf der Gegenseite noch einmal ein: Gegen weit aufgerückte Magyaren schickte Nainggolan nach eigener Balleroberung den ebenfalls hereingekommenen Ferreira Carrasco steil, der im Abschluss ruhig blieb und ins kurze Eck vollendete (90.+1).

Belgien überzeugte zwar, musste sich am Ende aber dennoch eine mangelhafte Chancenauswertung und eine wenig sichere Defensivleistung ankreiden lassen. Somit bleibt für Trainer Marc Wilmots bis zum Viertelfinale gegen Wales (1. Juli, 21 Uhr) noch viel zu tun. Ungarn verabschiedet sich mit einer insgesamt zu hohen Niederlage aus dem Turnier, war aber dennoch eine der positiven Überraschungen des Turniers.

Statistik:

Tore: 0:1 Alderweireld (10., Kopfball, De Bruyne), 0:2 Batshuayi (78., Rechtsschuss, Hazard), 0:3 Hazard (79., Rechtsschuss, De Bruyne), 0:4 Ferreira Carrasco (90.+1, Linksschuss, Nainggolan)

Aufstellung (Ungarn): Király – Lang Á., Juhász, Guzmics, Kádár – Nagy – Gera, Pintér – Dzsudzsák, Lovrencsics – Szalai

Aufstellung (Belgien): Courtois – Meunier, Alderweireld, Vermaelen, Vertonghen – Nainggolan, Witsel – Mertens, De Bruyne, Hazard – R. Lukaku

Wechsel (Ungarn): 46. Elek für Gera, 75. Nikolić für Pintér, 79. Böde für Juhász

Wechsel (Belgien): 70. Ferreira Carrasco für Mertens, 76. Batshuayi für R. Lukaku, 81. Fellaini für Hazard

Bank (Ungarn): Dibusz (Tor), Gulácsi (Tor), Bese, Fiola, Korhut, Kleinheisler, Stieber, Németh, Priskin

Bank (Belgien): Gillet (Tor), Mignolet (Tor), Ciman, Denayer, Kabasele, J. Lukaku, Dembélé, Benteke, Origi

Gelbe Karten: Kádár (34., Foulspiel), Lang Á. (47., Foulspiel), Elek (61., Foulspiel), Szalai (90.+2, Rangelei) – Vermaelen (67., Foulspiel), Batshuayi (89., Ballwegschlagen), Fellaini (90.+2, Rangelei)

Schiedsrichter: Milorad Mažić (Serbien) – Milovan Ristić (Serbien), Dalibor Đurđević (Serbien) – Danilo Grujić (Serbien), Nenad Đokić (Serbien) – Jonas Eriksson (Schweden) – Daniel Wärnmark (Schweden)

Anstoßzeit und Spielort: 26. Juni 2016/21:00 Uhr (UTC+2), Stadium Municipal/Toulouse

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