Vargas versöhnt sich spät mit den Video-Schiedsrichtern

Veröffentlicht: 20. Juni 2017 in CAF, CONMEBOL, FIFA Confederations Cup 2017
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Chile konnte zum Auftakt der Gruppe B seiner Favoritenrolle gerecht werden und bezwang Kamerun mit 2:0. Gegen den Afrikameister starteten Vidal und Co. dabei furios, verpassten es aber, ihre Hochkaräter zu verwerten. Die „Unzähmbaren Löwen“ fanden dagegen insbesondere nach der Pause immer besser ins Spiel, sodass dieses lange offen blieb. Erst Vidal erlöste die Südamerikaner per Kopf. Im Rampenlicht standen aber Eduardo Vargas und die Video-Schiedsrichter.

Für den Sieg mussten José Pedro Fuenzalida und Chile am Ende viel Arbeit investieren.

Kameruns weitestgehend unbekannte Mannschaft, angeführt von Kapitän Benjamin Moukandjo, hatte im Februar überraschenderweise den Africa Cup of Nations gewonnen. Großen Namen fehlten im Team des Belgiers Hugo Broos.

Zwei prominente Akteure Chiles dagegen saßen zu Beginn nur auf der Bank. Keeper Claudio Bravo wurde aufgrund von muskulären Problemen durch den 36-jährigen Johnny Herrera vertreten. Auch Stürmerstar Alexis Sánchez (Knöchelprobleme) fehlte in der Startelf, die dennoch namhaft bestückt war.

Es dauerte keine Minute bis sich die hellwachen, passstarken und bissigen Chilenen den ersten Hochkaräter erspielten. Aránguiz bediente rechts im Strafraum Vargas, dessen Abschluss an den Pfosten knallte (1.). Die überfallartigen Spielzüge der Südamerikaner rissen insbesondere auf der linken Defensivseite der Kameruner große Lücken, die Außenverteidiger Isla immer wieder ausnutze. In der dritten Minute überlupfte Fuenzalida nach einer Vorlage von Isla Gegenspieler Teikeu, scheiterte aber an einem Reflex von Keeper Ondoa.

Kaum zu stoppen: Gerade in der Anfangsphase stellten Mauricio Isla und Chile die „Unzähmbaren Löwen“ vor große Probleme.

Kamerun dagegen war in dieser Phase bemüht, den drohenden Rückstand zu vermeiden. Ein Fehler von Medel leitete dann eine erste Kontergelegenheit für die Westafrikaner ein. Moukandjo nahm halblinks Aboubakar mit, dessen Abschluss Herrera per Fußabwehr entschärfte (11.).

Weitaus häufiger gefordert war Herreras Gegenüber Ondoa, der nicht nur Torschüsse, sondern auch einige Hereingaben entschärfen musste. Kamerun setzte neben Kontern vor allem auf Standardsituationen. Eine solche – ein Freistoß von Moukandjo – hätte fast die Führung gebracht, doch das Schiedsrichterteam um Damir Skomina verweigerte dem Kopfballtreffer von Ngadeu Ngadjui wegen eines Fouls von Aboubakar an Vidal die Anerkennung (17.).

Ngadeu Ngadjui köpft hier ein, der Treffer wurde aber wegen eines zuvor begangenen Fouls nicht anerkannt.

Der Dauerdruck der Chilenen aus den ersten Minuten flaute zwar etwas ab, doch Vidal und Co. blieben weiter offensivfreudig und klar spielbestimmend. Puch zwang Ondoa aus der zweiten Reihe zu einer Parade (25.), dann musste der Schlussmann gegen Fuenzalida klären, dem nach starker Kombination über Beausejour und Vargas der Ball etwas versprang (27.).

Doch der Afrikameister steigerte sich zunehmend, konnte die Gefahr vom eigenen Tor fernhalten und setzte einzelne Nadelstiche wie etwa durch Moukandjo (34.). 68 Prozent Ballbesitz für Chile sprachen dennoch eine deutliche Sprache. In der 40. Minute steckte Vidal für Vargas durch, doch der Ex-Hoffenheimer feuerte aus 14 Metern drüber.

Vergebliche Proteste: Schiedsrichter Skomina erkannte einen Vargas-Treffer nach Rücksprache mit den Video-Schiedsrichtern ab.

In der Nachspielzeit lag der Ball dann im Netz, es gab jedoch reichlich Diskussionsstoff. Erneut Vidal hatte die Lücke in der Abwehr gefunden und Vargas den Ball in den Lauf gespielt. Dieses Mal traf der Stürmer abgezockt, doch während er und seine Mitspieler feierten, kontaktierte Skomina die Video-Schiedsrichter. Diese stellten schließlich eine hauchdünne Abseitsposition fest (45.+1). Trotz massiver chilenischer Proteste ging es so torlos in die Kabinen.

Die Entscheidung schien eine gewisse Wirkung auf den Südamerikameister zu haben, denn in den zweiten Abschnitt startete Kamerun deutlich besser. Moukandjo verpasste eine Flanke von Mabouka und damit eine gute Chance nur hauchzart (47.). Überhaupt agierten die „Unzähmbaren Löwen“ nun mutiger, standen in der Defensive deutlich besser und ließen ihre spielerischen Fähigkeiten immer mehr aufblitzen.

Nichts zu halten: Arturo Vidal köpft das 0:1, Fabrice Ondoa ist geschlagen.

Das Spiel gestaltete sich nun auf Augenhöhe, was den Unterhaltungswert aber minderte, da Torszenen viel seltener wurden. Trotz guten Passspiels und schönen Ballstafetten tat sich relativ wenig. Erst in der 67. Minute visierte Moukandjo per Freistoß das linke Toreck an, verfehlte es aber knapp.

Chiles Trainer Juan Antonio Pizzi reagierte auf die wesentlich ideenlosere Darbietung seiner Mannschaft nach der Pause und brachte neben Sánchez auch Valencia für Puch und Fuenzalida. Vargas wurde geblockt (70.), wenig später konnte Isla eine Ecke von Valencia aus kurzer Distanz nicht in die Maschen lenken (72.).

Wirklich Druck konnten die bemühten Chilenen aber nicht aufbauen, auch weil die Broos-Schützlinge sich technisch stark immer wieder aus der Abwehr herauskombinierten. Gerade als der Erfolg für den Außenseiter aber immer wahrscheinlicher wurde, schlugen Chiles Starspieler doch noch zu. Sánchez brachte im zweiten Anlauf eine Flanke von links an den Fünfer, wo sich Vidal gegen Teikeu und Fai durchsetzte und mit einem platzierten Kopfball Ondoa bezwang (81.).

Dieses Mal zählt es: Eduardo Vargas legt in der Nachspielzeit das 0:2 nach.

Die Kameruner suchten nach einer Antwort, kamen aber nur ihrerseits nicht zwingend vor das Tor von Herrera. Stattdessen verpasste Sánchez nach einer Valencia-Ecke die Vorentscheidung (88.).

In der Nachspielzeit standen dann erneut Vargas und die Video-Schiedsrichter im Mittelpunkt des Geschehens. Valencia hatte Kameruns entblößte Offensive mit einem Zuspiel auf Alexis Sánchez überwunden, der Arsenal-Stürmer ließ im Strafraum noch Ngadeu Ngadjui und Ondoa aussteigen, schoss dann aber Mandjeck an. Vargas übernahm und schob aus kurzer Distanz ein (90.+1). Dieses Mal entschied die Überprüfung durch die Video-Schiedsrichter zu Gunsten des Stürmers, der so doch noch ein Tor bejubeln durfte.

Kamerun trifft am zweiten Spieltag um 17 Uhr (deutscher Zeit) auf Australien, für Chile steht um 20 Uhr das Duell mit Deutschland an.

Statistik:

Tore: 0:1 Vidal (81., Kopfball, Sánchez), 0:2 Vargas (90.+1, Rechtsschuss, Sánchez)

Aufstellung (Kamerun): Ondoa – Mabouka, Ngadeu Ngadjui, Teikeu, Fai – Zambo Anguissa – Siani, Djoum – Bassogog, Aboubakar, Moukandjo

Aufstellung (Chile): J. Herrera – Isla, Medel, Jara, Beausejour – M. Díaz – Vidal, Aránguiz – Fuenzalida, Vargas, Puch

Wechsel (Kamerun): 86. Ngamaleu für Siani, 89. Mandjeck für Zambo Anguissa

Wechsel (Chile): 58. Sánchez für Puch, 64. Valencia für Fuenzalida, 71. Silva für Aránguiz

Bank (Kamerun): Bokwé (Tor), Onana (Tor), Guihoata, Ngwem, Owona, Boumal, Ndip Tambe, Toko Ekambi, Zoua

Bank (Chile): Bravo (Tor), Toselli (Tor), P. Díaz, Mena, Roco, Gutiérrez, P. Hernández, Rodríguez, Sagal

Gelbe Karte: – Jara (66., Foulspiel)

Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien) – Jure Prapotnik (Slowenien), Robert Vukan (Slowenien) – Milorad Mažić (Serbien) – Clément Turpin (Frankreich), Milovan Ristić (Serbien); Malang Diedhiou (Senegal)

Anstoßzeit und Spielort: 18. Juni 2017/21:00 Uhr (UTC+3), Stadión Sparták/Moskvá

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